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Once Upon A Time in Hollywood

2021-07-04 · buch

Gerüchteweise gibt es einen 20 Stunden langen Director's Cut von Quentin Tarantinos Film Once Upon a Time in Hollywood. Sein jetzt erschienenes Buch zeigt ganz gut, wie das funktionieren könnte. Denn der 400 Seiten lange Roman zum Film ist genau das: ein Director's Cut. Oder passender: eine Langfassung, die tiefer auf ihre Figuren eingeht, deren Vergangenheit beleuchtet und immer wieder weit in den Gossip des Sechzigerjahre Hollywood abschweift.

Tarantino lässt seine Figuren das erzählen, was er als Kind im Kino und im Fernsehen geliebt hat und was ihm die Legenden dieser Zeit, sicherlich hart romantisiert, bei einem Abend mit Alkohol erzählt haben, als er endlich selbst Teil von Hollywood war. So klingt es zumindest in der Widmung und genau so wirkt es auch. Ich kann mir richtig vorstellen, wie ein angetrunkener Robert Forster oder Bruce Dern in Plauderlaune mit leuchtenden Augen aus dem Nähkästchen erzählt und Tarantino alles wie ein Schwamm aufsaugt, um es später aus dem Gedächtnis heraus aufzuschreiben. Once Upon a Time in Hollywood war dann die Bühne für diese Geschichten, aber leider 16 Stunden zu kurz um alles zu erzählen.

Und auch wenn diese Ausschweifungen im Buch teilweise ausufernd erzählt werden und jedes Detail wie zum Beispiel Filmplakate dabei haarklein beschrieben wird, so dass ich angesichts des Informationsflusses auch mal auf Durchzug schalten musste, war das Gesamtwerk doch derart interessant, dass ich das Hörbuch an einem Wochenende durchgehört habe. Übrigens ganz hervorragend vorgetragen von Jennifer Jason Leigh.

Dieses Buch ist für mich eine echte Überraschung und ergänzt den eh schon tollen Film in meinen Augen perfekt. Kann ich nur empfehlen. Und ich muss jetzt dringend nochmal den Film anschauen. Und Rauchende Colts.

The Killing of Two Lovers

2021-06-26 · film

Großartiger Autorenfilm von Robert Machoian, aus der Sicht eines Vaters von vier Kindern, der während einer Trennung auf Probe dafür kämpft, seine Familie wieder zurück zu gewinnen. Eine Handvoll guter Schauspieler, ein 4:3 Filmformat und Farben jenseits von bunt und schön treffen hier genau meinen Geschmack. Das Pacing ist trotz langer Einstellungen und optischer Lethargie optimal umgesetzt und die Handlung intelligent aufgelöst. Die bedrückende Tristesse des ruralen Amerikas hätte den Schauspielern hier die Show stehlen können, wären die nicht durch die Bank so beeindruckend in ihrer Leistung. Ich würde gerne viel mehr über diese kleine Kunstwerk schreiben, aber es würde mir schwer fallen, dabei nicht zu viel zu verraten. Ganz dicke Empfehlung von mir.

Japanese Rail Sim: Journey to Kyoto

2021-06-26 · spiel

Blick aus dem Cockpit

Im deutschen PlayStation Store bin ich überraschend auf diesen neuen PS4 Titel gestoßen, der bislang nur in Japan erhältlich war. Als Densha de Go! Fan alter PlayStation 2 Zeiten konnte ich mich hier natürlich nicht zurückhalten und habe direkt zugeschlagen. Gute Straßenbahnsimulationen sind ja nach wie vor Mangelware.

Japanese Rail Sim deckt zwei Linien auf der Strecke zwischen Demachiyanagi und Kurama in Kyoto ab, die vor allem für einen malerischen Tunnel aus Ahornbäumen bekannt ist. Diese können je nach Modus an einer beliebiger Station gestartet oder voll gefahren werden, was schon mal eine halbe Stunde dauern kann. Der Clou der Serie: Die Umgebung ist nicht digital modelliert, sondern läuft als im Cockpit integrierter HD-Film mit. Je nach Geschwindigkeit der Straßenbahn, wird der Film dann schneller oder langsamer abgespielt.

Klar geht das Prinzip nur gut auf, wenn die Bahn auch fährt. Wenn ich langsam in eine Haltestelle einfahre und alles um mich herum, Autos, Fußgänger und Straßenbahnen auf der Gegenrichtung, ebenfalls langsamer wird, wird klar, dass diese Idee nicht bis zum Ende durchdacht wurde. Hinzu kommt, dass hier eben auch nur mit HD-Videos gearbeitet wird und nicht unbedingt die Qualität erreicht wurde, die nachts im öffentlich rechtlichen Fernsehen zum Einschlafen als schönste Bahnstrecken Deutschlands gezeigt wird.

Aber: Was auf dem Papier klingt, als hätte jemand zu viel Saké gesoffen, funktioniert im Spiel trotz allem überraschend gut. Eine Straßenbahn Simulation ist ja auch per se schon arg crinchy. Vielleicht ist das der Grund, warum ich mit diesem Spiel trotzdem großen Spaß habe. Zumal die anderen Aspekte der Technik einwandfrei umgesetzt wurden. Was früher der teure Zusatzcontroller in Form einer Straßenbahnsteuerzentrale war, ist heute der DualShock/DualSense: Mit Kreisbewegungen in, beziehungsweise gegen den Uhrzeigersinn bewege ich den Gashebel und regele die Bremse. Das wirkt ziemlich authentisch.

Glücklicherweise bietet Japanese Rail Sim genügend Optionen, um mir den Einstieg so angenehm wie möglich zu gestalten. Überhaupt bietet das Spiel sehr viele Einstellungen und lässt mich die Steuerung auf Wunsch großzügig modifizieren. Es scheint mir auch weniger streng zu sein, als zum Beispiel Densha de Go!. Klar wird auch hier jeder Zentimeter(!) geahndet, den ich über die Haltelinie hinaus zum Stehen komme und natürlich hat die japanische Straßenbahn auf die Sekunde pünktlich anzukommen, wo ich als jemand, der jeden Tag Straßenbahn in Hannover fährt, nur schmunzeln kann. Aber irgendwie tut das wertungstechnisch nur bedingt weh und ich konnte bereits auf der ersten längeren Tour einige A-Bewertungen und bereits am zweiten Tag eine S-Wertung einfahren.

Diese Wertungen sind wichtig, wenn ihr Informationen über die Sehenswürdigkeiten der Strecke nachlesen wollt. In den Reisebüchern beider Strecken werden so Einträge freigeschaltet, die euch mit kurzen aber auch interessanten Fakten über Bauwerke, Natur und Geschichte aufklären. Im Fahrtenbuch gibt es außerdem noch Infos zu den Zügen selbst, die ihr freischaltet könnt, wenn ihr die ganze Strecke entsprechend gut in einem Stück fahrt.

Für 50 Euro hätte ich mir gewünscht, dass auch noch die Nachtstrecken der Switch-Version dabei sind, aber es sieht so aus, als ob hier eventuell noch ein DLC nachgeliefert wird. Ich würde mich jedenfalls freuen. Japanese Rail Sim ist eine der wenigen Möglichkeiten eine japanische Straßenbahn Sim auf Englisch (und vielleicht sogar auf Deutsch, hab ich nicht ausprobiert) zu spielen und Spaß macht es trotz der etwas seltsamen Mischung aus Heimvideo und Videospiel allemal.

Rurouni Kenshin: The Final

2021-06-26 · film

Ursprünglich hatten wir geplant, den vierten Kenshin Realfilm zu boykottieren, weil der Zeichner der Mangavorlage nach seiner Verurteilung aufgrund des Besitzes von Kinderpornografie und der darauf folgenden Kontroverse. Aber zu einem Film gehören mehr Personen als nur der Autor der Vorlage und weil die ersten drei Teile für uns Referenzmaterial in Sachen fiktiver Schwertkampf Action sind und der Film nun in Deutschland auf Netflix gezeigt wird, haben wir uns entschieden, auch dem vierten Teil eine Chance zu geben.

Und da kann ich mich kurz fassen. Auch hier schlagen sich wieder illustre Figuren den Schädel auf ausgesprochen umwerfend choreografierte Weise ein. Die Figuren sind nach wie vor allesamt so sympathisch, wie Ex-Massenmörder sein können und von der emotional ermüdenden Durststrecke im zweiten Viertel mal abgesehen, wo der Cutter möglicherweise über zu viel Zeitlupen, Regen und Tränen einfach mal für 20 Minuten bei der Arbeit weg gedöst ist, passt auch hier wieder alles ganz gut zusammen.

Am Ende ist es aber vor allem mehr vom Gleichen und ein Bonus für etwas, das bereits nach Teil Drei schlüssig geendet ist. Dass das Finale jetzt nicht das Finale ist und auch noch ein Prequel kommt, um dann wirklich alles zu beenden, passt da gut ins Bild. Wenn das dann aber die abendfüllende Variante der unzähligen Rückblenden aus The Final ist, habe ich wenig Hoffnung. Aber da möchte ich jetzt natürlich nicht vorschnell urteilen und warte ab, bis es soweit ist. Hoffentlich dann auch wieder bei Netflix.

Schön wäre es, wenn Teil Eins bis Drei mal bei Netflix aufschlagen würden. Teil Zwei und Drei gibt es nämlich digital immer noch nicht mit Originalton und Untertiteln.

Oxygene

2021-06-26 · film

Extremes Kammerspiel um eine Frau, die mit Gedächtnisverlust in einer Cryokapsel aufwacht, nur noch wenig Sauerstoff zum Überleben hat und deren einziges Fenster zur Welt der digitale Assistent der Kapsel ist. Sehr gut inszeniertes kleines Puzzle, das mir gut gefallen hat.

Project Hail Mary

2021-06-22 · buch

Ich war nie so der große Fan von Andy Weirs The Martian, weil sich das Buch stellenweise wie eine STEM-Vorlesung in der Uni las. Artemis war dann schon eher meins, wenn ich aber ehrlich bin, kann ich mich kaum noch an das Buch erinnern. Jetzt ist Weirs aktueller Roman Projekt Hail Mary draußen und auch, wenn mich seine ersten beiden Romane inhaltlich nicht von den Socken rissen, mag ich doch die Art und Weise, wie er schreibt, sehr. Auf Deutsch heißt das Buch übrigens ganz generisch Der Astronaut, damit es auch ja wie Der Marsianer klingt, weil sich ein Andy Weir Buch ja nicht automatisch gut verkauft und der Marketingkasper dringend eine Existenzberechtigung brauchte.

Das ist komplett egal, denn Projekt Hail Mary ist von der ersten Seite bis zum wunderbaren letzten Satz genau mein Ding gewesen. Auch weil ich nicht wusste, worum es eigentlich geht und ich komplett spoilerfrei an die Sache rangehen konnte. Das wünsche ich euch auch und sage deswegen rein gar nichts über den Inhalt. Ich denke aber, ihr wisst schon, dass ein Astronaut drin vorkommt.

Das war ja jetzt einfach.

Nobody

2021-06-22 · film

Für sechs Dollar aus dem US iTunes Store geliehen: Ein kurzweiliger John Wick ohne John Wick. Irgendwann flimmert die Gewalt so inflationär über den Bildschirm, dass es mir aber bloß noch egal war. Genau wie bei John Wick.

Chaos Walking

2021-06-20 · film

Daisy Ridley und Tom Holland spielen die Hauptrollen in diesem sehr ungewöhnlichen Science Fiction Western, der verdammt nochmal so gut ist, dass er jetzt schon mein Film des Jahres sein könnte.

Die Besiedelung der neue Welt, ein Exoplanet in einem entfernten Doppelsternsystem, verlief nicht ganz nach Plan. Innerhalb der Atmosphäre des erdähnlichen Planeten werden überraschend sämtliche Gedanken männlicher Lebewesen zeitgleich in einer Art audiovisuellem Hologram über der denkenden Person dargestellt. Das ist für viele Siedler nicht nur sehr gewöhnungsbedürftig, sondern führt auch schnell zu Spannungen untereinander, da eigene Gedanken nur schwer oder nur mit viel Training im Zaum gehalten werden können.

Als ein Späher der längst überfälligen zweiten Welle über einer rein männlichen Kolonie abstürzt, trifft der dort aufgewachsene Waisenjunge Todd auf die einzige Überlebende des Absturzes: eine Frau. Todd hat aber noch nie eine Frau gesehen und die Pilotin noch nie die ungefilterten Gedanken eines anderen Menschen. In Gefahr sind beide dennoch und fortan als Odd Couple gegenseitig auf ihre Hilfe angewiesen.

Diese wunderbar strange Ausgangssituation bringt die Handlung von Chaos Walking ins Rollen und ich habe jede Minute der Buchverfilmung geliebt. Die Spezialeffekte bei der Darstellung der Gedanken dürfte hier die größte Herausforderung gewesen sein und diese Aufgabe wurde einwandfrei gelöst. Das Schauspiel und Editing der Dialoge, die aufgrund der lauten Gedanken oft auf zwei Ebenen ablaufen, sind schlicht genial.

Das Setting, das die Besiedelung Amerikas durch Europa mit all ihren Schattenseiten auf einen anderen Planeten projiziert, ist nur eine von zahlreichen guten Ideen in diesem Film.

Science Fiction erlebt gefühlt gerade eine Renaissance, was ob der aktuellen Ereignissen in der realen Welt rund um die kommerzielle Raumfahrt auch nicht verwunderlich ist. Wenn da dann auch noch eine derart hohe Qualität wie bei Chaos Walking rumkommt, bin ich sehr glücklich.

Hoffen wir einfach mal, dass die Besiedelung fremder Welten in unserer Zukunft besser abläuft.