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Mayday

2021-10-04 · film

Rauchende Soko im Film Mayday

Dieser Debütfilm der Regisseurin Karen Cinorre ist komplett unter meinem Radar hindurchgeflogen, was ein witziger Pun ist, den ich aber an dieser Stelle nicht erklären werde, weil ich nichts verraten möchte. Am Morgen des Sichtungstags habe ich dazu nämlich eine Headline bei Polygon gesehen, die mir den Haken der Neugier direkt durch die Wange gerammt hat:

Mayday feels like a woman’s answer to Zack Snyder’s Sucker Punch.

So treffend, wie diese Aussage ist, so hart kann sie auch Erwartungen platzen lassen. Soviel wage ich hier zu spoilern: Aufwendige computergenerierte Animationen und Spezialeffekte werden bei Mayday wenn, dann nur unauffällig eingesetzt. Erwartet also bitte kein Bombast Popcorn Kino mit Samurai, Zombies oder Drachen, wie Sucker Punch sie bietet.

Erwartet einen Film, der sehr ungewöhnlich mit dem Thema Gewalt gegen Frauen umgeht. Erwartet einen Film, der unkonventionell, überraschend und auch mal verrückt inszeniert ist. Mich hat diese seltsame Reise sehr beeindruckt und obwohl die Filme unterschiedlicher nicht sein könnten, hatte ich die ganze Zeit Roseanne Liangs Film Shadow in the Cloud im Kopf. Weil dort ebenfalls der Zweite Weltkrieg als Analogie für die Schwierigkeiten, mit denen viele Frauen im Alltag immer noch zu kämpfen haben, eingesetzt wird.

Während das Kino langsam aber merklich ein Stückchen diverser wird, erkenne ich, dass immer mehr Frauen auf den Regiestühlen der Produktionen sitzen, die mir besonders gut gefallen: First Cow, You Were Never Really here, Shadow in the Cloud fallen mir da neben Mayday auf Anhieb ein und es sind ganz sicher noch weit mehr. Das ist eine gute Entwicklung.

Fun with Flags Mayday

Der Hass in Mediatheken

2021-10-03 · ansage

In der Arte Mediathek gibt es aktuell den Film La Haine von Mathieu Kassovitz zu sehen. Entweder auf Französisch, wahlweise mit französischen Untertiteln oder auf Deutsch mit optionalen deutschen Untertiteln. Die logische Kombination aus französischem Originalton mit deutschen Untertiteln ist allerdings nicht möglich.

Manchmal bin ich so müde.

A Psalm for the Wild-built

2021-10-02 · buch

Ich muss hier noch mal eine Lanze für Becky Chambers A Psalm of the Wild-built brechen. Ich hatte das zum Release direkt wieder weggelegt, weil es gleich mit Religion und Göttern anfing. Zwei Themen, mit denen ich nie wirklich, mittlerweile aber überhaupt nichts mehr anfangen kann und eher schnell genervt bin. Daraufhin habe ich stattdessen Sea of Rust gelesen. Das bestand dann im letzten Drittel gefühlt nur noch aus Bibelzitaten und naja, sagen wir mal so: Ich bin vom Regen in die Traufe gekommen.

Und daher direkt wieder zurück zu Psalm of the Well-built. Und ich muss sagen, es gefiel mir unglaublich gut. Es ist halt immer noch Becky Chambers und die schreibt halt wie eine Göttin (Pun intended). Und obwohl ich es für meinen Gemütszustand nicht brauche, glaube ich, dass aktuell sicherlich viele Menschen diese Art von Solar Punk suchen. Es ist so unglaublich wholesome, wenn es erstmal richtig losgeht und sich das ungleiche Duo aus Maschine und Mensch gefunden hat.

Anfang des Jahres ist bereits der zweite Teil angekündigt und ich bin schon gespannt, wie es in dieser schönen, fremden aber auch irgendwie reduzierten Welt weitergeht. Ich freu mich drauf.

Alien 3: The Unproduced Screenplay by William Gibson

2021-10-02 · buch

Ich wollte schon länger mal ins erweiterte Universum des Alien Franchises eintauchen und tat dies nun mit der neu erschienenen Romanfassung von William Gibsons Alien 3 Screenplay. Das wurde vor einiger Zeit bereits als Comic umgesetzt und ging, wie viele Comics, an mir vorbei.

Mit dem fertigen Film hat das Buch, abgesehen von einigen Figuren und dem titelgebenden Xenomorph übrigens nichts mehr gemeinsam. Es wird aus der Sicht des traumatisierten Marines Hicks erzählt, der nach den Ereignissen im Film Aliens mit einer komatösen Ripley, dem kaputten Androiden Bishop und der kleinen Newt auf einer kapitalistisch geführten Raumstation strandet, die im kalten Krieg mit einem benachbarten sozialistischen Orbiter steht.

Damit dieses politische Setting etwas mehr Feuer bekommt, ist natürlich auch ein Alien mit an Bord gewesen. Diese haben sich der neuen Umgebung wieder entsprechend ihrer Natur angepasst und schnell weiterentwickelt, wobei schon (blutige) Details ins Spiel kommen, die erst viel später in Prometheus wieder aufgenommen werden sollten.

Man merkt, dass Gibson hier fürs Kino geschrieben hat und er wusste sehr genau, was er machen konnte und was nicht. Ein solider Actionfilm wäre daraus geworden, mit vielen Referenzen an Teil Eins und Zwei. Einen Preis für Kreativität gibt es hier sicher nicht, aber ich hatte meinen Spaß.

Aragami 2

2021-09-22 · spiel

Der Aragami auf einem Dach auf der Lauer

Aragami, das Schleichspiel des spanischen Entwicklers Lince Works war damals eine kleine Überraschung. Das Tenchu nicht unähnliche Spiel hatte genug eigene Ideen um aus dem Schatten des Vorgängers herauszutreten zu können. Am Ende waren es die technischen Mängel, die dazu führten, dass ich es nie beendet habe. Jetzt ist Aragami 2 unter anderem am Tag Eins im Game Pass der Xbox erschienen und macht alles etwas anders als Teil Eins. Leider aber auch immer noch viel falsch.

Wenn ich möglichst genau beschreiben soll, wie Aragami 2 sich für mich anfühlt, wäre folgende Hypothese wohl am besten dafür geeignet: Es kommt mir vor, als hätte jemand die alten Entwickler von Tenchu 2 noch vor dessen Release eingefroren und jetzt, Jahre später, wieder aufgetaut und gesagt: „Willkommen in der Zukunft. Macht mal bitte Tenchu 2“. Das fühlt sich deswegen so passend an, weil Aragami 2 souverän alles ignoriert, was seit Tenchu im Genre optimiert wurde. Dabei finde ich es gar nicht schlecht. Vielleicht auch gerade weil es so nostalgisch anmutet.

Im fiktiven Land Rashomon hängt der Haussegen der Klans schief und Krieg steht vor der Tür. Als Mitglied der Aragami, mysteriöse Wesen, die gleich eines Ninja durchs Unterholz schleichen, liegt es an mir das zu verhindern. Oder so. Natürlich hab ich da wieder nicht richtig mitgelesen. Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass die Geschichte jetzt auch nicht so geil präsentiert wird, dass mir das großen Spaß gemacht hätte. Auch hier herrscht Nostalgie, wenn ich im Hub zwischen zwei Missionen NPCs anspreche und diese zwei bis drei Zeilen Text lediglich mit Ächzen, Lachen oder artikulierter Entrüstung untermalen. Aber irgendwas mit Krieg war glaube ich.

Was bei Schleichspielen aber zählt ist auf dem Platz, beziehungsweise in der laufenden Mission. Hier wird alleine oder im Online Koop geschlichen, über kurze Distanz teleportiert und aus dem Schatten heraus assassiniert, was das Zeug hält. Und das macht mir wirklich großen Spaß. Bereits nach kurzem Einspielen bewegte ich mich flink über Dächer durch die Level und wirkte, als wüßte ich, was ich da tue. Meine präferierte Vorgehensweise, mich aus luftigen und sicheren Höhen nach unten auf Beute zu stürzen, wird von dem Spiel ebenfalls sehr gut angenommen und umgesetzt. Auch die Struktur und vor allem Topologie der Einsatzorte ist eeindruckend: Gebäude und Burganlagen fallen oft imposant hoch aus und tragen einiges zur Atmosphäre bei, wenn ich durch deren Schluchten oder auf den Dächern herumschleiche und klettere.

Wenn mir der Schleicheinsatz allerdings nicht gelingt, wird es extrem ungemütlich. Dann steht der offene Kampf im Raum. Und da stehe ich leider echt auf dem Schlauch, eine Hypothese zu finden, die schlüssig erklärt, warum hier das Kampfsystem so in die Hose gegangen ist. Ich habe keine Ahnung, wie ich das stilvoll umsetzen soll und dabei auch noch sowas wie Spaß haben könnte. Das Parieren funktioniert nur mehr schlecht als recht und bereits nach kurzer Zeit habe ich mich entschieden für solche Konflikte lieber eine Rauchbomben in der Tasche mitzuführen. Werde ich entdeckt und kann nicht schnell genug abhauen, zünde ich diese und erledige den Gegner daraufhin einfach mit einem gezielten Schlag. Alles andere macht keinen Sinn. Hasenfuß for the win!

Auf diese Weise kann ich Aragami 2 aber immerhin in bester Stealth Manier spielen. Leider wiederholen sich die zwei Handvoll Karten, in denen ich aktiv auf die Jagd gehe, jemanden entführen oder auch mal belauschen muss, ziemlich oft. Genau genommen mache ich jedesmal wieder das Gleiche. Nach über zehn Stunden Spielzeit bin ich, wenn ich mir die Achievement Liste so anschaue, anscheinend noch nicht einmal bei der Hälfte angelangt und habe jetzt schon das Gefühl, alles drei oder viermal gesehen zu haben. Dass die Diversität der Gegner dabei gefühlt an einer Hand abzuzählen ist, macht es nicht einfacher sondern bloß zäher.

Hinzu kommen die kleinen technischen Fehler, die mir gelegentlich den perfekten Knock-out oder Kill versauen, wenn ich an einem kleinen Zaun hängen bleibe, nicht um eine Ecke komme oder die Kamera einen wilden Schwenk hinlegt und ich daher nicht mehr weiß wo ich gerade bin. Hier hat sich seit Teil Eins wenig verbessert. Das üble Tearing auf meine Series S rundet den mageren technischen Eindruck ab. Immerhin läuft es relativ flüssig.

Mehr Old-school als Aragami 2 geht bei Stealth nicht. Das hat einen gewissen Reiz, dem ich aktuell noch verfallen bin. Trotz aller Macken. Mal schauen, wie lange das anhält und ob ich es noch durchspiele.

Die Daddelecke

2021-09-21 · ansage

Eine Zockerecke, Ende der Neunziger

Ich habe beim Aufräumen dieses historische Dokument meiner Daddelecke aus den Neunzigern gefunden. Anscheinend waren das sehr unbeschwerte Zeiten. Neo-Geo, Sake VHS und ... nun ja, nennen wir es Tabak. Gute Zeiten waren das.

The Artful Escape

2021-09-12 · spiel

Mein Avatar im Spiel The Artful Expanse

Dieses kleine Indiespiel von Annapurna Interactive spielte sich mit wunderschöner Grafik und psychedelischen Gitarrenriffs direkt in mein Herz. Als Virtuose an den Saiten und Neffe einer Folk Legende auf dem Weg der Selbstfindung, spiele ich mich quer durch die Galaxie und versuche meiner Stage Persona Farbe und Charakter zu verpassen.

Zwar muss ich dafür nicht viel mehr machen, als mit meiner E-Gitarre um den Hals nach links oder rechts zu laufen, über Abgründe hüpfen und ab und an ein Senso Minispiel ausfechten, aber wenn das dann aussieht und klingt, als hätte Wes Anderson einen Bill & Ted Film gemacht, kann und will ich mich nicht beschweren.

Mein Highlight sind die Bosskämpfe, bei denen ich kurze Notenfolgen korrekt nachspielen muss, während Licht und Farben auf dem Bildschirm zum Gitarrensound explodieren. Diese Passagen sind musikalisch und atmosphärisch ganz großartig in Szene gesetzt.

Wie schon bei Twelve Minutes besetzt Annapurna Interactive auch diesen Titel mit namhaften Talenten, die den bunten Figuren ihre Stimmen leihen. Carl Weathers (Apollo Creed), Mark Strong (Archie) und Jason Schwartzman (Josto) sind nur einige bekannte Stimmen, die dem technisch sehr überzeugenden Titel den letzten Feinschliff verpassen.

Ein mutiges Experiment irgendwo zwischen Interactive Fiction und Jump'n'Run, das mir auf ganzer Linie gefallen hat. Rock on 🤘

Golf Club Wasteland

2021-09-06 · spiel

Ein einsamer Golfspieler vom Mars

Die Erde hat es in diesem kleinen Indiespiel bereits hinter sich und das Leben findet mittlerweile für ein paar elitäre Besserverdienende auf dem Mars statt. Natürlich in Tesla City. Das ist nur eine von mehreren kleinen Sticheleien in Richtung eines texanischen Weltraumunternehmens. Das finde ich zwar leicht überzogen, dem Spaß an diesem wunderbar kuriosen Golfspiel tut es aber glücklicherweise keinen Abbruch.

Die Elite der Marsianer geht nämlich jetzt auf der post-apokalyptischen Erde golfen. Die Idee ist so schön strange wie das Spiel selbst. Auf 38 Löchern, die bis auf die Fahne im Loch keinem realen Golfplatz entsprechen, versuche ich unter Par den Ball zu versenken. Durch verfallene Einkaufszentren, in heruntergekommen Flughäfen, in nuklear versuchten Wäldern oder in menschenleeren Häuserschluchten. Mit lediglich einem Schläger und nur einem Radio als Begleiter, das die Radio Nostalgia from Mars Show empfängt.

Zum vielleicht bis dato besten Soundtrack eines Golfspiels und zu teilweise sehr skurrilen Beiträgen von Hörern auf dem Mars, spiele ich, zumindest im Story Modus, in aller Ruhe und ohne Stress mitunter sehr gemeine Löcher.

Mit wie vielen Schlägen ich die Abschnitte schaffe, ist in diesem Modus ziemlich egal und lässt mich endlich mal so Golf spielen, wie sogar ich es gut finden würde: Wie ich will. Erst im Herausforderungsmodus wird es hart und ich muss genaue Vorgaben mit meinen Schlägen unterbieten. Wer will lässt sich drauf ein, wer keinen Bock hat, kommt trotzdem ans Ziel. Perfekt.

Die Atmosphäre ist dank der Radioübertragung einmalig und die minimalistische Grafik ist zweckmäßig schön. Spielerisch fand ich das Zielen und Kraftverteilen mit dem linken Analogstick zwar nicht immer ganz so einfach zu dosieren, aber Spaß hat es mir trotzdem gemacht. Auch dann, wenn ich den Ball wiedermal aus Versehen in eine unglückliche Situation oder gar an den Ausgangspunkt zurück geschlagen habe. Die unkonventionellen Abschnitte, die oft auch vertikal gespielt werden müssen, erfordern sehr oft genaues Zielen oder einfach mal etwas Glück. Die stressfreie Natur des Spiels kompensiert das aber.

Ich hatte meinen Spaß mit diesem seltsamen, aber ganz großartigen Golfspiel und weiß jetzt, was bei No Man's Sky nach drölf Updates immer noch fehlt: Die Möglichkeit, auf einem Planeten aus dem Raumschiff zu steigen und mit dem Neuner Eisen ein paar holografisch dargestellte Löcher zu spielen. Bitte, bitte, Hellogames.

Noch was: Nach dem Durchspielen könnt ihr die Geschichte des Protagonisten in einem kleinen Comic nachlesen,und an dessen Ende befindet sich ein Code für den Soundtrack als kostenloser Download. Und der lohnt sich ebenfalls.