Watchmen – The End is Nigh. Der Name ist Programm, denn näher konnten sich die Verantwortlichen nicht an ihr eigenes Ende wagen. Ein abschreckender Preis und ein längst totgeglaubtes Genre. Da hilft wohl auch keine gewaltige Filmlizenz. Schade, denn das Watchmen Spiel ist einer der besten Brawler, den ich bis dato spielen durfte.

Das Comic galt, bis Zack Snyder das Gegenteil bewies, als nicht zu verfilmen. Ein Spiel, das der Handlung des Comics folgt, wäre wohl noch weit schwieriger herzustellen gewesen. Und so entschied man sich, die Handlung in die 70er Jahre, vor dem so genannten Keene-Akt, also bevor alle Watchmen Superhelden ihren Kostüme an den Nagel hängen mussten, zu verlegen. Eine gute Idee. Denn so schlüpfen wir, zumindest was Nite Owl angeht, in die Rolle eines klassischen Superhelden, anstelle eines gealterten Ex-Helden in der Midlife Crisis.

Und so gilt es, die Straßen New Yorks von Kriminellen zu befreien, auf der Spur des Underboss, der im Schutz einer Revolte aus dem Sing-Sing Gefängnis befreit wurde. Doch hinter dem Gefängnisausbruch verbirgt sich weit mehr als unserem Crimefighter Duo Roschach und Nite Owl zunächst klar ist. Zu gewaltig und teilweise zu gut trainiert sind die Gegner, die sich ihnen und unseren Fingern am Pad in den Weg stellen. Ein Glück, dass beide Helden im Spiel derart hart austeilen können, wie es zuvor nur in Rockstars The Warriors möglich war. Ein Titel der seinerseits vor Jahren das Brawler-Genre wiedererweckte und frisches Leben einhauchte.

Zu zweit oder allein, entweder als Nite Owl oder Rorschach ziehen wir in die Schlacht. Mit zwei Angriffstasten, eine für schnelle und eine für starke Schläge attackieren wir die Gegner mit schweren Kombinationen, die wir nach und nach im Spiel freischalten können. Gegnerische Angriffe werden am besten gleich gekontert. Weitere Variationen ergeben sich durch das Greifen eines Opponenten, den wir daraufhin in eine beliebige Richtung schmeißen dürfen. Aufblinkende Tasten über den Köpfen angeschlagener Gegner signalisieren einen möglichen Finisher, der stilecht in Zeitlupe mit viel Blut und fliegenden Zähnen in Szene gesetzt wird. Dank einer sich stetig aufladenden Leiste unter unserer Lebensenergie teilen wir außerdem von Zeit zu Zeit flächendeckend Schaden aus, wenn sich gerade mal wieder ein Dutzend Gegner auf einmal auf uns stürzt.

Zugegeben, Watchmen ist ein sehr klassischer Brawler ohne Kompromisse. Ausser auf Scharen von Kriminellen einzuprügeln betätigen wir vielleicht hier und dort noch mal einen Hebel, aber das war es dann auch schon. Die Schönheit des Spiels liegt im Detail. Die Schläge wirken dynamisch, die Sound Effekte sind knackig. Konter werden flüssig ins Geschehen eingebunden und überzeugen auch beim hundertsten mal immer noch. Rorschach entwaffnet seine Gegner um mit deren Waffen brachial aufzuräumen, Nite Owl verteilt Stromschläge und mimt den Profiwrestler. Wie man eine Rag-Doll Physik ausreizt, zeigt Watchmen ebenfalls bestens. Dann, wenn ein Ausbrecher von uns über eine Brüstung geworfen wird und jene dabei zufällig mit dem Kopf berührt und eine saftiges Klong-Geräusch sein Ende einläutet. Oder wenn ein Mitglied der Spezialeinheit in den Abwasserkanälen so unglücklich mit dem Kopf nach unten fliegt, dass der Aufprall mit einem erschreckenden Knacken seines Genicks untermalt wird. All das stetig untermalt von der düsteren Stimme Rorschachs und Originalsprecher Jackie Earle Haley. Denn auch wenn es nur halb so cool ist, mit dem Batman Abklatsch Nite Owl durch die Straßen zu ziehen als mit seinem psychopathischen Kollegen, so sind es eben dessen Warnungen und ausgesprochene Gedanken in seiner Rolle als KI-Support, die auch hier eine dichte Atmosphäre erzeugen.

Watchmen ist bei weitem kein fehlerfreies Spiel. Und gerade bei dem Preis von 1600 Mircosoftpunkten (etwa 20 Euro) darf man einen höheren Grad an Feinschliff erwarten. Allerdings haben wir es hier mit einem Spiel zum Film zu tun und da wäre auch ein Totalausfall für viel Geld drin gewesen. Davon ist Watchmen The End is Nigh weit entfernt. Diese Kritik bezieht sich lediglich auf die erste Episode, erhältlich auf dem deutschen Xbox Live Marktplatz. Episode Eins und Zwei im Doppelpack sind im Ausland längst auch als Retail-Versionen auf DVD zu erstehen.