Blood Sport gehörte zu den Streifen, die in meinem ersten Videorekorder vor gefühlten 200 Jahren auf und ab gespielt wurden. Bis zu dem Punkt wo klar wurde, dass Kino mehr zu bieten hat, als sich prügelnde Steroide. Die Tage ist Jean Claude Van Dammes neuer Film JCVD als Leih DVD erschienen. Hier sinnt der Kampfsport-Star in einer lebensbedrohlichen Situation über sein bisheriges Leben, das scheinbar nicht immer optimal verlief.

In farblosen Bildern sehen wir einen Jean Claude, der ermattet und übermüdet am Flughafen seiner Heimatstadt Brüssel ankommt. Das Sorgerecht für seine Tochter hat er gerade erst verloren. Die Filmangebote haben die unterste Qualität längst erreicht und so richtig flüssig scheint der Filmstar auch nicht mehr zu sein. Ein Besuch in einer kleinen Post Filiale mit Bankschalter soll Abhilfe schaffen, wirft Jean Claudes Leben aber vollends aus der Bahn. Trotz der Beharrlichkeit eines vermeintlichen Wachmanns, das Geschäft nicht zu betreten, tut er genau das und findet sich kurz darauf in einem Raubüberfall als Geisel wieder. Jean Claudes Erscheinen kommt den Räubern gerade recht und sie ,sehen in ihm ihre Fahrkarte, aus der verfahrenen Situation wieder heil heraus zu kommen. Für Van Damme spitzt sich die Situation lebensbedrohlich zu und scheint wie das tragische Finale seines Lebens.

Es ist ein kleiner Trend, als alternder Filmstar mit tiefgründigeren Rollen, als es die Filmografie bisher zuließ, auf die Leinwand zurück zu kehren und den Leuten zu zeigen, was man wirklich kann. Bill “Groundhog Day Ghostbustin Ass” Murray hat es mit Lost in Translation vorgemacht. Mickey Rourke glänzte als alternder Wrestler und auch Jean Claude Van Damme macht eine bessere Figur als je zuvor. Auch wenn er an die schauspielerischen Fähigkeiten der beiden Erstgenannten lange nicht herankommt, ist es doch der Kontrast zu seinen bisherigen Rollen, der die Toleranz der Zuschauer erweitert. Vielleicht ist es aber auch der Respekt gegenüber unserem Star aus der Jugend. Respekt, der auch von vielen Charakteren im Film geteilt wird und so zu den lustigen Momenten im Film beiträgt.

In Retrospektiven zeigt uns der Film zwischendurch verschiedene Epochen aus dem späten Leben Van Dammes. Als alternder und erschöpfter Actionstar, als hilfloser Vater vor Gericht und als verzweifelter Schauspieler, der aus finanziellen Gründen jeden Film annimmt. Im Angesicht des Todes meldet sich Jean Claude kurz vor Ende des Films auf Metaebene dann selbst zu Wort und nimmt auch in Bezug auf seine mehrjährige Kokainsucht kein Blatt vor den Mund. Spätestens jetzt wirkt JCVD zwar gespielt tragisch, bleibt dabei aber immer noch im angesprochenen Toleranzbereich.

Ob sich Van Damme in diesem Film nun selbst spielt oder neu erfindet ist letztlich irrelevant. JCVD ist so oder so ein sehenswerter Film. Immer im Anbetracht des bisherigen filmischen Repertoires des Hauptdarstellers.