Wenn das Enfant terrible des japanischen Kinos, Takashi Miike, einen Klassiker des Samurai-Films neu auflegt, ist meine Vorfreude erst einmal etwas gezügelt. Zum einen liebe ich die alten Samurai-Streifen und halte sie für zeitlos, zum anderen gilt Miike aber mein voller Respekt, denn irgend etwas von seinen Filmen bleibt immer hängen und sind so für mich als Zuschauer grundsätzlich lohnend. Aber kann Miike wirklich respektvoll mit einem Genreklassiker umgehen?

Ich mag es, wenn Western-, Mafia-, Yakuza- oder auch Samurai-Filme nicht versuchen das Genre neu zu definieren und stattdessen auf eine klassische Umsetzung wert legen. Hier hat mir Miikes “13 Assassins” sehr gut gefallen. Wir alle wissen, dass er keine Filme machen kann, in denen nicht einmal ein “What the fuck!?” seitens der Zuschauer hervorgerufen wird. Dafür lieben wir ihn ja auch. Einen Miike Film schauen wir, weil wir wissen, wir werden gut unterhalten und weil die Chancen gut stehen, dass Regeln und Konventionen gebrochen werden. “13 Assassins” ist in dieser Hinsicht als sehr zurückhaltend zu bezeichnen.

Der Regisseur behandelt das Original von Eiichi Kudo so respektvoll wie ihm nur möglich. Mit viel Liebe zum Detail wurden Szenen und oft sogar Einstellungen aus dem Original fast eins zu eins übernommen. Meine Hochachtung gilt dem Verzicht auf computeranimierte Bluteffekte, ohne die heutzutage ja fast kein Chambara-Film mehr auskommt. Nach der ersten Stunde des Films war ich gar überrascht, wie wenig Blut überhaupt bis dahin bei den Kämpfen floss. Als wollte mich der Film für meine Gedanken verhöhnen, spritzte das weiterhin analoge Blut von da an aber eimerweise auf die Kleidung der Protagonisten und sammelte sich in den Pfützen der Szenerie. Apropos Computeranimationen: Ich schiebe die wirklich schlecht gemachte Stampede brennender Nutztiere in einer Szene des Films auf die Gesamt-Drehzeit des Films, die mit zwei Wochen ja eher kurz ausgefallen ist.

Der Endkampf, indem sich dreizehn tapfere Krieger angeführt vom charakterlichen Highlight des Films Shinzaemon (Kôji Yakusho) einem brutalen Unterdrücker und seinen 200 Vasallen unter der Leitung Hanbeis (Masachika Ichimura) stellen, dauert gefühlt eine gute Dreiviertelstunde. Interessant, dass mir diese Zeit, wie auch der Rest des Films nicht ein einziges Mal heruntergespielt oder verfahren vorkam. Das von mir so gefürchtete Autopilot-Syndrom stellte sich zu keiner Zeit ein. Das liegt vor allem daran, dass Miike in Intervallen seine unverkennbare Signatur in dem ansonsten klassisch umgesetzten Werk hinterlassen hat. Er erschreckt uns mit geräuschvoll inszenierten Seppuku-Ritualen und bizarren Darstellungen der Unterdrückung seitens des brutalen Lords. Ich bin überzeugt davon, dass dem Meister jedes mal die Ohren klingeln und er sich ins Fäustchen lacht, wenn gerade wieder jemand irgendwo auf der Welt ein “What the Fuck!?” beim Anschauen der letzten Szene von sich gibt. Ganz bestimmt.

Unterm Strich ist “13 Assassins” weder das, was Miike Fans erwartet, noch Freunde des Originals befürchtet haben. Beide Parteien dürften dafür aber bis zu einem gewissen Grad gut unterhalten werden. Hat der Regisseur damit das japanische Kino revolutioniert? Ganz sicher nicht. Eine Bereicherung für das Samuraifilm-Genre ist der Film dennoch und ich wäre einem weiteren Remake eines Klassikers seitens Takashi Miike nicht abgeneigt. Das hätte ich vorher gar nicht gedacht.