Einmal im Monat gibt es im Cinestar Kino im schönen Garbsen eine Sneak-Preview im Originalton, die meine Frau mit einigen Freundinnen regelmäßig besucht, während ich unsere Tochter in Schach halte. Einmal im Jahr aber schließe ich mich an. Gerüchten zufolge bin ich dann schuld, wenn keine guten Filme laufen. Deswegen waren alle weiblichen Teilnehmer am letzten Mittwoch auch so nervös, als ich sie begleitete und der neue Planet der Affen mein Hoffnungskandidat war. Die gefühlt fünfzehn Minuten lange Collage mit Szenen aus Paris zu Beginn des mysteriösen Films hielt mich in meinem unendlichen Optimismus nicht davon ab, weiter an die Affen zu glauben (Godzilla kam ja irgendwann auch aus Frankreich). Es wurde aber der neue Woddy Allen Film “Midnight in Paris”. Knapp daneben.

Immerhin. Beim Thema seichte Liebeskomödie gibt es genügend anderen Kram, der schlimmer gewesen wäre. Der Fakt, dass ich Owen Wilson als großartig in Darjeeling Limited in Erinnerung hatte, er aber nur sehr selten sein wahres Talent zeigen darf, liess mich gespannt sein.

Gil (Wilson), erfolgreich im Filmgeschäft und Romanautor mit Startschwierigkeiten, macht mit seiner Freundin Inez Urlaub in Paris bei seinen zukünftigen Schwiegereltern um sein Buch zu überarbeiten. Bereits nach wenigen Minuten Film wird die altbekannte Ausgangssituation klar: Gil ist ein Träumer, der sich ins Paris der goldenen 1920er Jahre sehnt und so gar nichts mit seiner angehenden Braut gemeinsam hat. Sie lässt keine Gelegenheit aus, ihn spüren zu lassen, wie wenig sie von seinen Fantasien hält, und den Schwiegereltern ist er auch nicht wirklich recht.

Nachdem er von Inez zu diversen Aktivitäten mit einem befreundeten Pärchen gezwungen wurde, setzt Gil sich eines Nachts betrunken ab und spaziert durchs regnerische Paris. Punkt Mitternacht in einer kleinen Gasse hält ein Old-Timer und er wird eingeladen mitzufahren. Am Zielort angekommen erkennt Gil, dass er durch die Zeit ins Paris der 20er Jahre gereist ist und sich mit Persönlichkeiten der Epoche, wie den Fitzgeralds, Hemingway und Cole Porter auf einer Party befindet. Gil, der sich in dieser Zeit weitaus besser zurechtfindet, sieht seine Chance, Hilfe bei seinem Buch zu bekommen und bittet Hemingway es zu lesen. Dieser aber verweist ihn mit seinem Wunsch an Gertrude Stein. Fortan verbringt Gil die Tage in der Gegenwart und die Nächte in der Vergangenheit, wo ihm immer mehr große Namen der Geschichte vorgestellt werden.

Natürlich verliebt sich der Protagonist auch noch in eine Persönlichkeit der Vergangenheit und natürlich findet er am Ende eine Frau, die ihn versteht. Das weiß man schon, wenn der Film noch gar nicht richtig angefangen hat, aber “Midnight in Paris” ist mehr als eine vorhersehbare Mehrecksbeziehung. Dann, wenn sich Gil einer Gruppe Surrealisten um Salvador Dali und Luis Buñuel anvertraut, die am Umstand seiner Zeitreisen allerdings nichts Unnormales erkennen können. Oder wenn die Zeitreise noch tiefere Dimensionen annimmt und der Film dabei glücklicherweise nie versucht uns mit irgendeiner Logik zu kommen. Auch dann nicht, wenn Gil anfängt die Gegenwart zu beeinflussen.

Der Vorteil einer Sneak ist ja, dass man oft Filme anschaut, die man sich, wäre man sich des Film bewusst, niemals angeschaut hätte. “Midnight in Paris” wäre so ein Fall bei mir gewesen. Dann hätte ich aber die Finesse hinter dem Mantel der seichten Komödie nie entdeckt. Und das wäre in diesem Fall sehr schade gewesen. Der offizielle deutsche Kinostart ist am 18. August. Anschauen lohnt sich!