Wer wie ich das Glück hatte, das Kino mit den magischen Meisterwerken Steven Spielbergs kennenzulernen, der hat erlebt, wie das Kino neu definiert wurde. Wie der Weg für das Leinwand-Abenteuer überhaupt geebnet wurde. Um dann, Jahrzehnte später, sang und klanglos in immer dem selben Schema unterzugehen. Unter anderem auch durch Spielberg selbst. Die Magie verebbte. Nur noch selten traute sich der alte Meister Neues oder wagte überhaupt etwas. Was bleibt ist die Erinnerung an unvergessliches Kino. Kino, das J. J. Abrams und Spielberg mit “Super 8″ versuchen, gemeinsam zu reinkarnieren. Erfolgreich. Mit all seinen Höhen und Tiefen.

Der Teenager Joe, der gerade seine Mutter bei einem Fabrikunfall verloren hat lebt allein bei seinem Vater, einem Hilfs-Sheriff, in einem kleinen verschlafenen Nest in den Vereinigten Staaten. Zusammen mit seinem besten Freund Charles arbeiten er und seine Kumpels an dessen Zombiefilm-Beitrag für einen Jugendwettbewerb. Bei einem nächtlichen Ausbruch aus dem Elternhaus drehen Joe und seine Freunde eine Szene für ihren Film an einem abgelegenen Bahnhof, als ein vorbeirauschender Zug, den Charles als Ausstattung für sein Werk nutzen möchte, vor ihren Augen entgleist und in einem Feuermeer explodiert. Nur knapp entrinnen die Kinder dem Tod und entdecken einen ihrer Lehrer in einem zerstörten Truck, der den Unfall offensichtlich absichtlich verursachte. Nach einer deutlichen Warnung des Schwerverletzten flüchten sie zurück in die Stadt und legen einen Mantel des Schweigens über das Geschehene. Doch in der Stadt gehen fortan seltsame Dinge vor sich. Überall ist Militär präsent, Häuser werden durchsucht und Menschen verschwinden. Joe schlussfolgert, dass das Militär etwas sehr Wertvolles bei dem Zugunfall verloren hat. Willkommen zur Spielberg-Magie.

Und die ist wirklich präsent. Ausgerechnet wegen der Kinderdarsteller, die ihre Sache hier so unglaublich gut machen, obwohl sie sonst der Grund für das Bergab in Spielbergs neueren Werken sind. Ihre Dialoge, die nächtlichen Aktivitäten, sogar ihr Aussehen riefen in mir Erinnerungen an die “Goonies” und Co. hervor. Bekannte Kameraeinstellungen, wie der klassische Blick zwischen zwei Büschen hindurch ins Tal auf die Stadt sorgen für die dichte Atmosphäre wie in guten alten Monsterfilmen. Opfer werden durch Kameraeinstellung, Musik und ihre Dialoge bereits in den ersten Minuten ihres Auftretens als solche für jeden klar dargestellt. Bei Spielberg soll man sich gar nicht erst an Figuren gewöhnen, die sowieso gleich in einem Busch verschwinden oder neugierig in die eine Richtung mit der Taschenlampe spähen, um dann aus der anderen angegriffen zu werden. Natürlich mit einem Aufschrei in die Kamera, bevor die Szene sofort wechselt. Das alles ist, wenn auch durch herrlich übertriebene Lens-Flare Effekte mit Abrams Signatur versehen, nicht neu. Soll es auch gar nicht sein. Es soll so wirken wie in der Hochzeit des Meisters und das tut es. Die Regie imitiert dessen Stil perfekt.

Das Skript tut das selbige und macht so nach einer Stunde vieles kaputt. Vor allem dann, wenn die einzige wichtige weibliche Rolle im Film (grandios gespielt von Elle Fanning) am Ende doch bloß wieder zur “Damsel in Distress” degradiert wird. Oder wenn zwei gegengepolte Figuren am Ende erst gemeinsam stark werden und uns mit der Moralkeule eins mitten ins enttäuschte Gesicht geben. Klar, das gehörte damals auch zur Spielberg-Magie. Es sind aber Elemente, die im Laufe der Zeit zur Genüge im Schema F verwendet wurden. Hätte man sich hier etwas zusammengerissen und etwas wirklich Neues, Überraschendes versucht, dann wäre die zweite Hälfte des Films zwar nicht mehr die Handschrift des Meisters, aber vielleicht um einiges magischer.

Trotzdem: “Super 8″ ist ein unterhaltsamer Versuch, die alte Magie des Abenteuerkinos zurückzuholen, der zu viele gute Momente hat, um ihn nicht anzuschauen. Einige davon sind so gut, dass einem der Autopilot am Ende fast egal sein kann.