Lange bevor Hollywood das Reboot-Prinzip lieben gelernt hat, war es das Unwort Prequel, mit dessen Hilfe die Lizenz- und Franchise Kühe auf ein Neues gemolken werden konnten. Welches von beiden nun Tim Burtons weitgehend uninspirierter Planet der Affen Film war, kann ich gar nicht sagen, denn alles was davon hängen blieb, war ein von Tim Roth saugut gespielter Menschenaffe namens Thade. Der neueste Zuwachs der Serie, glücklicherweise kein Reboot, sondern eine recht plausible Erklärung, wie es zu den Ereignissen im ersten Planet der Affen kommen konnte, drohte bereits im Vorfeld kläglich zu scheitern. Die hochgehängte Messlatte eines unsterblichen Klassikers, ein Trailer mit viel zu offensichtlichen Computeranimationen, und zumindest hierzulande ein Titel, den ich an dieser Stelle absichtlich ignoriere und inständig hoffe, dass der Verantwortliche bereits seine Papiere erhalten und seinen Posten verlassen hat. Umso überraschter war ich, als der Film nach der ersten Sichtung auf Platz Eins meiner bisherigen Kinofavoriten 2011 schoss.

Will Rodman (James Franco) arbeitet an einem Serum gegen Alzheimer. Persönlicher Ansporn ist sein Vater, der schon länger mit der Krankheit kämpft. Getestet wird das Serum, natürlich, an Schimpansen unter der Obhut des Tierpflegers Robert Franklin (Tyler Labine). Erstaunlicherweise entpuppt sich das Serum als extrem wirksam und erhöht nebenbei auch noch die Intelligenz der Schimpansen. Der Durchbruch Rodmans scheint gesichert. Nach einem Zwischenfall direkt vor den Augen des Firmenvorstands, wird das Projekt allerdings als zu gefährlich eingestuft und alle Schimpansen im Labor getötet. Einziger Überlebender ist das kleine Affenbaby Caesar, das Rodman fortan weitgehend unbemerkt bei sich zu Hause aufzieht, während er seine Forschungen ebenfalls in den eigenen vier Wänden voran treibt.

Aha, denkt ihr. Den Rest der Geschichte könnt ihr euch jetzt eh ausmalen, denkt ihr? Teilweise. Denn Rise of the Planet of the Apes schafft es, hier und dort immer wieder zu überraschen und traut sich ab und an sogar scheinbar übers Ziel hinauszuschießen. Dabei darf man aber nie vergessen, dass es letztendlich gilt, ein Affenhaus aus dem Planeten zu machen. So wird unterm Strich durchweg gelungene Unterhaltung geboten. Mein Wunsch nach mehr Tyler Labine auf der Leinwand wurde offenbar erhört. Schön. Auch Tom Felton mag ich noch viel öfter sehen. Schade nur, dass der wieder nur Draco Malfoy spielen durfte.

Mein weit größerer Kritikpunkt aber gilt, und das wird sicher den einen oder anderen überraschen, den computeranimierten Affen. Das sieht schon alles toll aus und im bewegungsarmen Closeup sogar großartig, wenn Computeranimationen aber lebensecht wirken sollen, ich sie aber sofort als solche erkenne, dann haben sie ihr Ziel eben verfehlt. Als Tierfreund und Tierschützer kann ich natürlich echten Tieren, die für Filme trainiert werden noch weniger abgewinnen und so nehme ich die Animationen in diesem Fall gerne hin. Ob die immer wieder großartig gespielten Szenen Caesars dann letztendlich der Verdienst von Schauspieler Andy Serkis oder der Animationskünstlern ist, kann dadurch natürlich niemand mehr erkennen, aber toll sind sie und das ist das, was für den Zuschauer zählt.

Am Ende war mir der Schluss dann vorerst ein wenig zu harmlos, aber wie auf Kommando wurde die Staffroll für eine weitere, letzte Szene unterbrochen und der Film ganz nach meinem Gusto beendet. Und ein Brücke zum ersten Planet der Affen geschlagen, für die es sich lohnt, dass Charlton Heston sein Hemd auszieht. Klasse!