Bei dem Begriff Mockumentary zuck ich erst mal immer ein wenig zusammen. Er erinnert mich an die anstrengenden 90 Minuten, die ich im Kino bei “I’m still here” mit Joaquin Phoenix als abgehalftertem Schauspieler und “begnadetem” Sänger verbracht habe. Ganz unähnlich ist das Thema des britischen Films “The Trip” nicht. Es macht aber deutlich mehr Spaß, einem Steve Coogan mit Manchester Akzent beim Bewältigen seiner Midlife-Krise zuzuhören, als einem Joaquin Phoenix mit Handtuch auf dem Kopf. Und singen kann er auch besser.

Der britische Schauspieler Coogan, gespielt von Steve Coogan, soll für ein Magazin eine kulinarische Tour durch das ländliche England unternehmen. Da niemand anderes Zeit hat, ihn zu begleiten, lädt er Rob Brydon, gespielt von Rob Brydon, ein. Die beiden Persönlichkeiten könnten auf der Reise unterschiedlicher nicht sein. Während Coogan von sich und seinem Talent überzeugt ist und nicht müde wird, dies immer und immer wieder zu unterstreichen, kommt Brydon als sympathischer und rücksichtsvoller Gegenpol daher, der jede Minute nutzt, Situationen mit seinem schier unerschöpflichen Repertoire an Stimmimitationen aufzulockern.

Mit diesen drei Sätzen ist “The Trip” eigentlich komplett erklärt und genau das macht diesen Film so besonders. Dank des einfachen Konstrukts fokussiert er seine beiden Hauptcharaktere und bietet ihnen einen Spielplatz für ihr feines Schauspiel bei der Interaktion miteinander oder mit dem lokalen Landvolk. Die Gegensätzlichkeit der beiden Protagonisten überwiegt, aber die raren Momente des Films, in denen sich beide einig sind, bilden die wunderbaren Höhepunkte.

Mich persönlich könnt ihr ja mit zwei Briten in ein Auto sperren und sie müssten sich bloß die ganze Zeit unterhalten, ich wäre über Stunden zufrieden. Bei “The Trip” gibt es aber noch was obendrauf: die englische Gastro-Küche. Da mag der ein oder andere erstmal stutzen und denkt mit verzerrtem Gesicht an Bohnen mit Tomatensoße, aber ich versichere euch, optisch sieht bei “The Trip” jedes Gericht so gut aus, dass man einiges dafür geben würde, diese wenigstens riechen zu können.

So englisch wie das Essen, Coogan und Brydon sind, ist auch der Humor, der oft sprachlicher Natur ist und schon wegen der Stimmimitationen gar nicht in einer synchronisierten Fassung funktionieren kann. Also lasst es lieber gleich bleiben und genießt das Werk im Originalton und optionalen Untertiteln. Sollte man, wenn möglich, ja eh immer machen.