Es hat ein wenig länger gedauert, aber Trine 2, mein Highlight der diesjährigen Gamescom in Köln, ist endlich auch für die Xbox Live Arcade erschienen. Mit von der Partie: ein Ritter, der aussieht wie Arthur aus Ghosts’n’Goblins, ein Zauberer, der meiner Vorstellung von Rincewind aus den Discworld Romanen wie aus dem Gesicht geschnitten ist und eine elfenhafte Diebin. Zusammen machen sie sich auf den Weg, das Königreich zu retten. Und weil das Königreich so verdammt gut aussieht, habe ich dem Trio gerne dabei geholfen.

Die Welt von Trine 2 sieht ein wenig so aus, als wären Prinzessin Lillifee und Schwein Pupsie durch Mittelerde geflogen und hätten dabei ordentlich Feenstaub verteilt. Alles leuchtet und glitzert und wenn es das mal nicht tut, erhellen Lavaströme oder spiegelnde Eisberge die Szenerie. Hauptsache leuchtend grell. Riesige Frösche glotzen uns mit gigantischen Augen an, haushohe Schnecken liegen faul auf den Wegen und natürlich dürfen auch Drachen nicht fehlen. Da freut sich der dicke Ritter, weil er eine Herausforderung riecht und dem Zauberer schlottern die Knie, während sich die kühle Elfe über letzteren lustig macht. In der Welt von Trine werden Fantasy-Klischees in jeder Richtung gepflegt.

Gespielt wird der Jump’n’Run Puzzler entweder alleine oder mit bis zu zwei Mitspielern, lokal oder online. Die Charaktere können jederzeit gewechselt werden, um die Rätsel verschiedenster Natur möglichst optimal zu lösen. Der Zauberer kann Kisten oder Planken materialisieren, die Elfe kann sich mit einem Greifhaken von hölzernen Decken schwingen und der noble Ritter erhebt Schwert, Schild und Hammer gegen die immer mal wieder auftauchenden, widerlichen Gnome. Stirbt eine der Figuren bei einer solchen Auseinandersetzung oder bei der Interaktion mit einer der zahllosen Fallen, wird einfach zu einer anderen Figur gewechselt. Erreichen wir mit dieser Figur eine Wegmarke, sind wieder alle Figuren geheilt. Hat es alle drei dahingerafft, starten wir von der letzten Wegmarke, die meist nur ein paar Meter weg ist. Auch Bosskämpfe werden auf diese Weise arg entschärft.

So gestaltet sich Trine 2 überraschend frei von Frust. Wäre da nicht die etwas schwammige Steuerung und das unsägliche Verhalten der Spielfiguren, wenn sie bei Plattformen zu nah an der Kante stehen. Was als gut gemeinter Anlauf für einen Sprung gedacht war, verkommt dann oft zu einem Fall in die Tiefe und die eigene Figur fühlt sich plötzlich an, wie einer nasser Lappen. Der heimliche Star der Rätsel, die Physik des Spiels, spielte in diesen Momenten oft ebenfalls gegen mich. Zum Beispiel, wenn Blätter von denen ich abspringen wollte, labberig hoch und runter wackeln und das eh schon ungenaue Springen noch erschweren. Dank der großzügigen Wegmarken kein Beinbruch, aber deutlich nervig.

Dafür stand mir gut die Hälfte der Spielzeit der Mund ob der grafischen Pracht im Spiel weit offen. Wenn gegen Ende des Spiels ein Unwetter in einem Schloss am Strand losbricht, Blitze einschlagen und der Sturm die Gewänder des Trios umher weht, dürfte das schon ein grafischer Höhepunkt dieses Spieljahres sein. Weil der Schwierigkeitsgrad der Rätsel herrlich ausgewogen ist, hat es mir durchgehend Spaß gemacht ein paar Minuten pro Rätsel zu tüfteln, um dann, oft auch mit ein wenig Stolz, voran zu kommen. Wer keine Lust auf kniffliges Knobeln hat, spielt Trine 2 zu zweit oder zu dritt, was vieles erleichtert. Wenn der Zauberer einen zum Beispiel einfach auf einer Kiste oder Planke über Hindernisse hinweg trägt. Im schwedischen Hause Frozenbyte mag man offensichtlich keinen Frust und war eher bemüht, dass wir die Welt von Trine 2 in ihrer ganzen Schönheit genießen können. Klasse!