Irgendwo, tief unten auf dem Meeresgrund treiben Forscher ihr Unwesen mit intelligenten Lebensformen, die nicht von dieser Erde zu stammen scheinen. In der Rolle eines kleinen Aliens, der es satt hat, für die Wissenschaft gequält zu werden, ergreife ich die Flucht. Und räche mich dabei fürchterlich an allen Labormitarbeitern, die meinen Weg kreuzen. In meinem ersten persönlichen Spiele-Hit 2012.

Die Spielmechanik vereint Metal Gear Solid und Portal, das Charakter-Design des Helden eine Bohne und die WDR-Maus. Möglichst unbemerkt schleiche ich mich mit diesem von Raum zu Raum und löse Rätsel mit Fähigkeiten, die ich mir in regelmäßigen Abständen von anderen Aliens einverleibe. Mit in die Wiege gelegt und namensgebend für das Spiel wurde meinem extraterrestrischen Körper das Warpen. Damit kann ich mich zwar nur einen Meter in eine Richtung beamen, Türen und schmale Wände stellen so aber immerhin kein Hindernis mehr da. Hinzu kommt später das Echo. Das kann ich in einem Radius von einigen Metern ausschicken und so mit erreichbaren Gegenständen den Platz tauschen. So ausgestattet hinterlasse ich einen blutigen Pfad der Rache, auf der Suche nach dem Ausgang aus dieser Hölle. Blutig, weil ich mich nicht nur in Gegenstände, sondern auch in Personen warpen kann. Den Reaktionen der Wirte nach zu beurteilen kein besonders angenehmes Gefühl. Mit einem ordentlichen Dreh am Stick kann ich Personen aufblähen. Tue ich das bis zu einem gewissen Grad und verlasse ihren Körper werden sie bewusstlos, warpe ich mich gar nicht raus, explodieren sie in einem Schwall aus Blut und Körperteilen. Und so wird “Warp” zu einem der wenigen Puzzler mit USK18 Siegel. War das nötig? Nein, aber gerade deswegen ist es gut. Denn ich kann mir aussuchen, ob ich besser bin als die Wissenschaftler und versuche, so wenig Menschen wie möglich auf meiner Flucht zu töten.

Oder und das war auch der Weg, den ich wählte, ich töte in meiner Wut alles und jeden. Bewaffnet oder unbewaffnet. Je nachdem wie ich mich entscheide, bekomme ich am Ende eines von drei Enden, inklusive dazugehörigen Achievements, beziehungsweise Trophies. Es gibt also Motivation, das Spiel mehrmals durchzuspielen. Dabei sollte ich auch versuchen, alle Grubs, so etwas wie extraterrestrische Gummibärchen, mit deren Hilfe ich meine Fähigkeiten upgraden kann, und alle versteckte Filmrollen zu finden. Denn ein New Game Plus, also ein weiterer Durchgang mit allen bis dato gesammelten Dingen und Upgrades, gibt es nicht. Schande. Vor allem deswegen, weil ich bei “Warp” mit spät erlangte Fähigkeiten wieder zurück laufen muss, um Sammelgegenstände und Filmrollen zu bekommen, die vorher für mich nicht erreichbar waren. Dumm nur, das gelöste Rätsel sich nicht auflösen, wenn ich sie einmal geknackt und einen Raum durchquert habe. Beim Backtracking, also dem Durchlaufen bereits gelöster Gebiete, müssen diese Rätsel wieder angegangen werden. Nur oft von der anderen Seite. Das klappt, dank der Natur der Spielmechanik, sehr gut. Es sei denn, ich komme von der gleichen Seite in einem Raum mit Rätsel an, von der ich ihn bereits zuvor gelöst habe. Dann stehen die zum Weiterkommen benötigten Gegenstände nämlich nicht mehr in ihrer benötigten Ausgangsposition. Doof. Dann kann es richtig kniffelig werden und gipfelte bei mir in einer beinahe ausweglosen Situation, in der ich nicht mehr vor und nicht zurück konnte. Dank Autosave und einem Speicher Slot fiel Neuladen hier weg. Mit Zeichnungen, viel Traubenzucker, einer sauer-scharfen Gemüsesuppe und fiesem Brainstorming ist es mir gelungen, diese Situation kurz vor Tagesanbruch wieder zu richten und mein Spiel zu retten. Ich kann mir anhand der restlichen Rätsel im Spiel nicht vorstellen, dass dieser Punkt von den Entwicklern wirklich gewollt war und denke, ich hatte erst viel Pech und dann sauviel Glück. Berichten im Internet zufolge, hatten andere weniger Glück. Oder Ausdauer.

Auch fies: Kurz vor Ende des Spiels warnte mich selbiges, dass ich mich jetzt entscheiden sollte, ob ich nochmal zurück gehen möchte, um alles zu erledigen. Danach gäbe es kein Zurück mehr. Fairer Hinweis, nur leider eine halbe Spielstunde zu spät, denn bereits vorher gibt es ein Hindernis, dass ich lediglich in einer Richtung überqueren konnte. Na Danke auch. Das klingt jetzt schon blöd, ist aber nur entscheidend, wenn ihr wirklich alles im Spiel sammeln wollt. Die klasse Atmosphäre, die tolle Spielbarkeit und die teilweise wirklich tollen Bosskämpfe sind es trotzdem wert, sich dieses Spiel zuzulegen. Mehr noch. Ich liebe dieses Spiel. Auch, oder vielleicht auch obwohl ich ein, zwei mal von ihm verarscht wurde. Das passt nämlich irgendwie ins Setting und zum eiskalten Ende, dass ich für mich erspielt habe, nachdem ich bis auf ein, zwei Personen niemanden habe überleben lassen. Und am Ende bleibt die Erinnerung an ein tolles Spiel, in dessen Umgebung ich mich nach 40 gelaufenen In-Game Kilometern schon richtig heimisch gefühlt habe. Ich hatte dieses Gefühl, zu Hause zu sein, in dieser kargen, kalten Umgebung. Nach dem Durchspielen wurden ich und mein Alien dieser Welt entrissen und ich verspürte im ersten Moment nicht Glück, sondern ein wenig Unbehagen. Auch hier fühle ich mich ein wenig an Portal 2 erinnert. Und das ist gut, sehr gut.