Am Donnerstag läuft endlich der neue Wes Anderson Film Moonrise Kingdom in Deutschland an. Dem Programmkino sei Dank, gibt es das Werk auf Englisch bereits jetzt schon zu bewundern. Was ich am gestrigen Abend dann auch getan habe. Eine sehr gute Entscheidung.

Auf dem Weg ins Kino habe ich mich dann noch gefragt, was ich eigentlich von jemandem erwarte, der erst Bill Murray in Life Aquatic auferstehen, Owen Wilson in Darjeeling Limited in neuem Licht erstrahlen und dann die Puppen in Fantastic Mr Fox ganz konventionell tanzen lässt? Genau. Nichts weniger als sozusagen einmal alles.

Oder anders gesagt: ich hoffte und war mir auch ziemlich sicher, wieder in irgend einer Form überrascht zu werden.

Das wurde ich. Denn Anderson kleidet seinen Film um zwei ausgerissene Problem-Kinder, die überzeugt davon sind, ineinander verliebt zu sein, in illustre Arrangements klassischer Handwerks-Filmkunst.

Wie eine Incredible Machine oder ein Domino-Spielfeld, wurden einzelne Szenen teilweise akribisch arrangiert, um dann im fertigen Schnitt eine in Bild und Ton wunderschön harmonische Collage abzugeben.

Inmitten dessen tummelt sich ein Star Aufgebot mit dem obligatorischen Anderson Ensemble: Bill Murray als Geist seiner selbst, Edward Norton, als Pfandfinder-Führer in seiner wie ich finde besten Rolle seit Fight Club, Jason Schwartzman und Frances McDormand in gewohnt hoher Qualität und Bruce Willis als, naja, Bruce Willis, eben.

Kara Hayward, die ihr Debüt mit der weiblichen Hauptrolle als störrisch pubertierende Suzy gibt, möchte ich hier mal als absoluten Casting-Glücksgriff bezeichnen. Ich wünschte mir, jedes der von ihr im Film auszugsweise vorgelesenen Bücher, gäbe es von ihr höchstpersönlich gelesen als Hörbuchfassung. Ich würde auf der Stelle alle kaufen.

Mit dieser geballten Ladung an thespischen Talent versprüht Moonrise Kingdom seinen überwiegend liebevollen, ab und an aber auch schön dunklen Humor beinahe im Minutentakt. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal fast durchgehend bei einem Film derart lachen konnte.

Interessant finde ich übrigens Moonrise Kingdoms elementare Ähnlichkeit zu Richard Ayoades Submarine, dessen komplett andere Ausführung und Darstellung dieser Elemente eine diskussionsfördernde Basis für einen Doppel-Filmabend darstellen dürfte.

Natürlich polarisiert auch Moonrise Kingdom. Vor allem durch seine zum Teil sehr abstrakte Art. Gerade die durch den beinahe schon bodenständigen Darjeeling Limited gewonnenen neuen Anderson-Interessierten könnten hier abgeschreckt werden. Darauf nimmt dieser zum Glück keine Rücksicht und deshalb ist Moonrise Kingdom auch eine wundervolle und herrlich humorvolle Liebesgeschichte mit außergewöhnlicher handwerklicher Finesse geworden. Angucken!