Es ist irgendwann mitten in der Nacht, ich bin müde. Bett kommt aber nicht in Frage. Ich habe heute noch nicht gezockt und so darf ein Tag nicht enden. Mein Zustand ist allerdings eher unbeständig und ein zu dieser Situation passendes Videospiel will mir nicht so recht einfallen. Da fällt mein Blick auf Akai Katana für die Xbox 360, welches meinen Stapel der Schande an nicht gespielten Spielen toppt. Ein Shoot’em-up? Warum nicht? Ein nächtlicher Erfahrungsbericht.

Ich entscheide mich für die Slash Variante des Spiels, lasse Curly und Joe links liegen und wage mich mit Moe, einer jungen Kenshi in einem Propellerflugzeug, in die Schlacht. Ich mag Propeller. So ein bisschen tröstet mich Akai Katana in diesem Moment über die immer noch ausstehende Konsolenfassung des unter Capcoms Flagge segelnden Cave-Shmups Progear hinweg.

Negativ fällt mir zunächst, trotz fortgeschrittener Zeit und mitten in der Nacht, die Grafik auf. Meine Erwartungen waren aufgrund der angekündigten 16:9 HD Optimierung hoch. Um Akai aber in Vollbild spielen zu können, muss ich auch die optimierte Fassung über das Optionsmenü noch auf 140 Prozent hochzoomen. Da kann ich mich dann zwischen dicken Pixeln oder einem verwaschenen Filter entscheiden. Pest oder Cholera. Das hab ich mir deutlich anders vorgestellt.

Und so spiele ich, entgegen meinen Erwartungen, wieder mit 100% Zoom und Rahmen. Bin ich als Besitzer eines Full HD Plasmas bei Shmups eigentlich auch nicht anders gewohnt. Trotzdem schade.

Im Spiel mache ich mich mit dem Score System vertraut. Gedrückthalten der Feuertaste verlangsamt mein Flugzeug und sammelt Energie für kleine Dronen, die sich um mein Schiff versammeln und zusätzliche Feuerkraft bieten. Triggere ich die Taste, geben getroffene Gegner Stahl ab. Ich freue mich über die Tatsache in einem Shmup zu farmen. Wie der Name des Spiels schon sagt, benötige ich den Stahl, um Schwerter zu schmieden. Dazu warte ich, bis sich der Ring um mein Flugzeug mit eben diesen Stahl-Orbs füllt, um dann durch einen Tastendruck ein sogenanntes Phantom zu beschwören.

Mein Flugzeug verwandelt sich in einen Übermenschen, dessen Feuerstrahl Treffer in Katanaklingen verwandelt oder besser: schmiedet. Die Klingen fügen sich hinter meiner Spielfigur zu mächtigen Schwertern zusammen. Mag ich. Lasse ich diese auf einen größeren Gegner los, explodiert der Bildschirm in einem wahren Goldrausch. Der Moment, für den ich solche Spiele liebe. Ich muss die Boni schnell aufsammeln, bevor sie an Wert verlieren und meine Levelstatistik arm aussehen lassen. Klingt komplex, ist es auch. Aber nur, weil die Prozedur durch einen gegnerischen Treffer sofort abgebrochen wird. In der von Entwickler Cave gewohnten Kugelhölle passiert mir das nicht gerade selten.

Da Cave aber immer ein bisschen Mitleid mit Konsolenspielern hat, retten mich automatische Bomben, wann immer ich welche parat habe und eigentlich ein Leben verlieren sollte. Einfacher macht es das Spiel für mich um diese Zeit aber nicht. Ich könnte ja noch auf den Anfängermodus umschalten … Nä. Soweit kommts noch.

Ich zieh das Ding durch und spiele mich einmal durch alle Level. Ein ums andere Mal gelingt es mir, Zwischen- und Bossgegner für Gold zu melken. Immer wenn letztere über Dimensionstore gigantische Züge, U-Boote oder Zeppeline herbeirufen oder ich auf Popcorngegner, wie knuffige Panzer und Flugzeuge schieße, freue ich mich wie ein kleiner Junge über seiner riesigen Spielzeugkiste.

Aber Akai Katana wird für mich in dieser Nacht vor allem zu einem virtuellen Münzgrab. Gegen Ende kommt die Einblendung mit der Frage nach dem Continue in regelmäßigen Intervallen und bereits nach der Hälfte des Spiels war mir klar, dass ich das erstrebenswerte Ziel, dieses Spiel mit einem Credit zu beenden, niemals erreichen werde.

Egal. Ich lege das Pad zur Seite, nehme mir vor, es morgen mit dem Score Attack Modus aufzunehmen, gehe ins Bett und träume von Schussmustern in allen Formen und Farben. Schöne Träume!