Ich bin ein Hardcore Battlefield-Fan. Klar, dass ich mir da sofort die Premium-Mitgliedschaft für Teil 3 gekauft habe, keine 5 Minuten nachdem Peter Moore sie auf der E3 erwähnt hat. Da ich eh jede der vier angekündigten Erweiterungen kaufen werde, machte es nur Sinn, gleich das Gesamtpaket zu erwerben und am Ende noch etwas Geld zu sparen.

Gestern war es dann nach einwöchiger Playstation 3 Exklusivität auch für mich als Xbox 360 Battlefield Spieler soweit: Close Quarters war nun auch für die Premium Spieler der anderen Konsolenfraktion (und für den PC) spielbar.

Auf vier neuen Karten verlegt diese Erweiterung den Kampf weg von den riesigen Schlachtfeldern hin zu Gebäuden mit verschlungenen Korridoren. Dafür wurden Technik und Spielmechanik bereits letzte Woche durch ein Update nochmals ordentlich aufgepeppt und allen Beteiligten grundsätzlich etwas mehr Beine gemacht.

Das Kalkül hinter dieser Erweiterung scheint klar ein weiteres Boden gutmachen in Richtung Call of Duty zu sein. Bisher beschränkten sich EA und DICE bei Battlefield 3 dabei auf verräterisch poppige HUD Elemente die sehr stark im Kontrast zu den gewohnt subtilen Anzeigen der Vorgänger stehen. Von der ersten Minute des Anspielens aber kam mir vor allem ein anderer alter Bekannter in den Sinn, an dessen Thron hier scheinbar gewackelt werden soll: Counter Strike. Valves Vorzeige-Turnier Shooter, der ebenfalls mit einem Upgrade in den Startlöchern steht, scheint hier doch stark ins Visier der Entwickler gerückt zu sein. Im Kern bleibt Close Quarters aber glücklicherweise immer noch ein Battlefield. Nur eben ein sehr schnelles.

Ich entscheide mich als Fan von Mirror’s Edge für den Ziba Tower als meinen Einstieg in die Erweiterung. Die hellen Korridore mit den orangefarbenen Linien, gläsernen Fensterfronten und der ästhetisch kargen Innenausstattung lässt mich ein Stückchen mehr auf einen zweiten Teil dieses großartigen Spiels von Battlefield Entwickler DICE hoffen.

Ich rase wie gebissen durch die Gänge und sehe mich gleich mit einem alten Problem konfrontiert: die meisten Spieler haben bereits über die neuen Assignments, eine motivierende Abwandlung von 360-Erfolgen mit Belohnungen, die neuen Waffen erspielt. Da steht man als Familienvater mit Job und realsozialen Kontakten immer etwas hinten an. Egal. Ich will die aus Splinter Cell Conviction liebgewonnene Spas-12 Schrotflinte haben und mache mich mit der Support Klasse ans Werk.

Mir fällt relativ schnell auf, dass man ähnlich den kleinen abgesteckten Arealen im Squad Deathmatch des Hauptspiels, ein Modus, der mir eigentlich arg missfällt, als Team automatisch sehr dicht beieinander bleibt. Aufgrund der überschaubaren Architektur formen sich schnell effektive Taktiken, mit denen mein Squad und ich Fahnen belagern und verzweigte Ecken und Winkel räumen. Eine Fahne hisst sich hier übrigens extrem schnell, wodurch der Spielfluss auf den kleinen Karten nicht unnötig unterbrochen wird. Das wirkt sich positiv auf den Spielspaß durch das deutlich rasantere Tempo aus. Und ich habe Spaß. Viel Spaß.

Als ich unter Beschuss hinter einer Mauer Deckung suche, fliegen mir zuerst der Putz und dann feindliche Kugeln um die Ohren. Frostbite 2.0 in Close Quarters steht hier einmal mehr für herrlich befriedigende Zerstörung der Einrichtung und der Umgebung. In einem Konferenzraum fliegen Gegenstände von Feuersalven getroffen durch die Luft, an anderer Stelle zerbersten Fensterfronten hinter zu Boden gehenden Gegnern. Zusammen mit der gewohnt guten Soundkulisse eines Battlefield wie immer eine überzeugend dichte Atmosphäre.

Bereits in der dritte Runde schaltet der Sever auf den neuen Gun Master Modus um. Nur mit einer Pistole und unendlich Munition bin ich erst verwirrt, später aber verliebt. Jeweils zwei Kills gilt es gut zu machen, bevor man automatisch eine, um eine Klasse bessere, Waffe zugeteilt bekommt und ein temporäres Level aufsteigt. Wer als erstes den letzten Level erreicht ist Waffenmeister und Sieger der Partie. Großartig. Auch wenn mir in dem Moment klar wird, dass ich das niemals sein werde und der Olympische Gedanke mein Ansporn bleiben wird.

Ich schaue auf die Uhr. Es sind vier Stunden vergangen. Die Spas-12 habe ich mittlerweile erspielt. Für DLC Verhältnisse jetzt schon keine schlechte Leistung bei dem Preis. Aber ich weiß, dass es noch viele Stunden mehr werden. Nur heute nicht. Ihr wisst ja: Familie und Job. Missmutig schalte ich die Konsole ab und lasse mein Squad im Stich. Im Bett schmiede ich aber bereits Pläne, in welcher Reihenfolge ich morgen die anderen, neuen Assignments angehe. So ein Nahkampf-Einsatz will schließlich gut geplant sein.