Eine iPhone Spiel? Ich? Und dann auch noch Worms, welches ich in allen Formen und Farben auf zig besseren Konsolen spielen kann. Warum sollte ich das auf dem iPhone spielen? Na, weil es seit dem letzten Update der App einen asynchronen Zweispieler-Modus bietet. Das bedeutet, ich lade einen Spieler aus meiner Game Center (was?) Freundesliste ein, führe einen Zug aus und irgendwann, wenn mein Gegenspieler Zeit hatte, sich meinen Zug anzuschauen und seinen darauffolgenden Zug vollführt hat, klingelt mein iPhone, ich schaue mir seinen Zug an und ich bin wieder dran. Klasse. Wie früher Briefschach. Nur halt mit Bananenbomben und Heiligen Handgranaten.

8:15 Uhr. Ich sitze im Büro und aus meinem Telefon erklingt die Wormsfanfare. Ich schaue mir an, wie einer meiner, blöderweise immer nur mit Wurm Eins bis Wurm Vier benannten Würmer, eine Bazooka Ladung an den Kopf bekommt. Das bedeutet Krieg und ich kontere mit einer gut platzierten Granate.

10:20 Uhr. Eine aufregende Kletterpartie meines Gegenspielers positioniert ihn wundersamerweise direkt neben einem meiner Würmer. Die Dynamitstange zischt zwischen uns. Der andere Wurm springt weg, bekommt aber auch noch was ab. Na warte.

11:02 Uhr. Die Worms-Fanfare ertönt extrem laut, weil mein Mobiltelefon auf dem Konferenztisch liegt. Die Kundenbesprechung kann beginnen. Ich stelle mein Telefon auf lautlos und packe es vorsichtshalber weg.

16:30 Uhr. Ich stehe in der S-Bahn und plane meinen Zug. Ein Fehler. Mit dem Jetpack auf dem Rücken fliegt mein Wurm rechts aus dem Bildschirmrand heraus. Ich fluche. Die Frau vor mir verdreht die Augen. “In der Liebe und im Krieg”, sage ich und schaue sie vorwurfsvoll an.

In den nächsten paar Zügen überbieten mein Gegenspieler und ich uns mit ähnlichen Aktionen. Darwin dreht sich jedes mal laut lachend im Grab.

21:00 Uhr. Mein Gegenspieler und ich sind zusammen auf einer türkischen Hochzeit und wir scherzen darüber, jetzt und hier ganz asozial unser Match weiterzuspielen. Natürlich machen wir das nicht. Ich stehle mich unbemerkt auf die Toilette, schließe mich ein und platziere auf dem iPhone im Spiel einen gezielten Molotowcocktail, was einem feindlichen Wurm das virtuelle Leben kostet. Ich kehre an unseren Tisch zurück und lächele unschuldig, als die Fanfare aus dem iPhone meines Kumpels ertönt.

12:17 Uhr. High Noon. Die lieb gewonnene Fanfare weckt mich zum finalen Showdown. Zwei Würmer stehen noch. Viel zu weit auseinander. Es gibt eine ungeschriebene Regel beim Wormsspiel. Wählt einer der Kontrahenten das Ninja-Seil, das Superschaf oder das Jetpack, besteht eine 50/50 Chance, dass er das nicht überlebt.

Ich wähle das Ninjaseil. Nächstes mal gehe ich auf Nummer sicher. Darwin lacht wieder.