Wenn Ice-T, also einer der Pioniere des Hip-Hops, einen Indie Film über seine Zunft macht, folge ich als langjähriger Anhänger der Bewegung natürlich auf den Fuß und lasse mir das im Kino in Form einer Sonderveranstaltung nicht entgehen. Vor allem, wenn es angehängt noch eine Live Schaltung ins Apollo Theatre in London mit Pressekonferenz und Konzert zur Europa-Premiere des Films Something from nothing: The Art of Rap gibt.

Und so folgte ich dem Iceberg am gestrigen Abend über die Kinoleinwand auf seinem Trip von der Ost- zur Westküste, beim Abklappern seines Telefonbuches, das offenbar einen Großteil des Who-Is-Who des Hip-Hops beinhaltet. Von Grandmaster Caz und DJ Premier über Eminem, B-Real bis hin zu Dre und Ice Cube erfahre ich vor allem viel Oberflächliches, aber auch die ein oder andere witzige Anekdote.

Ab und an, und da zeigen sich die wirklich wertvollen Momente im Film, vermag ein Akteur aber auch mal etwas wirklich magisches zu versprühen. Gleich zu Beginn, wenn Lord Jamal (Brand Nubian) zum Beispiel den Plattenspieler und die Sample-Kultur in drei Sätzen für jedermann plausibel auf den Punkt bringt, wenn KRS-One die historische Referenz des Battles erklärt oder wenn Joe Budden mit einem eindringlichen Acapella die ein bisschen von Do The Right Thing und Ghost Dog inspirierten Aufnahmen urbanen Stilllebens unterlegt. Da geht einem das Herz auf.

Schade, dass diese so wichtigen Momente untergehen in einem immer gleichen Arrangement der sich wiederholenden Elemente Rapper, Fragen und Acapella, das selbst auf eingefleischte Freunde des Rhythm And Poetry auf Dauer arg anstrengend wirkt.

Die Hoffnung, dass hier vielleicht auch mal Außenstehenden die Magie und das Wissen hinter der Hip-Hop Kultur näher gebracht werden könnte, erstickt dadurch im Keim, weil kaum jemand dieser Gruppen den Film bis zu Ende durchhalten wird. Was wirklich schade ist.

Im hinten angestellten Frage und Antwort Teil, live aus London, wird mir klar, was sich bereits im Film andeutete: Ice-T ist ein Charakter, irgendwo zwischen Arschloch und Großartig und deswegen ein irrer Typ, den man einfach lieben muss. Über die Auswahl der im Film teilnehmenden Rapper sagt er treffend, dass zwar nicht jedermanns Lieblings-Rapper dabei ist, definitiv aber die Lieblings-Rapper von jedermanns Lieblings-Rapper. Grandios und wahr.

Das abschließende Konzert war dank dem für eine deratige Veranstaltung eher ungeeigneten Kinosaal und der teilweise an die frühen 80er erinnernden Kamera Effekte einer scheinbar ästhetisch überforderten Regie vor allem ernüchternd. Dafür gabs einen freshen neuen Track von Chuck D, einen für mich überzeugenden Ghost Face Killah, einen Reakwon mit Lappen auf dem Kopf und Hi-Jack nach gefühlt 30 Jahren wiedermal live auf der Bühne. Wenn das nichts ist! Alles in allem ein gelungener Abend.