Oder, in diesem Falle: Christopher Nolans Bane. Was? Ja. Nachdem sich die Allgemeinheit dazu entschlossen hat, Popcorn-Kino neuerdings mit Lupe und Sezier-Besteck zu untersuchen und ich keine Lust habe, auf den Zug aufzuspringen, rezensiere ich nicht den Film, sondern seine Hauptfigur und mein persönliches Highlight: Bane.

Stimmt gar nicht. Ich versuche im Folgenden bloß zu erklären, warum ich Tom Hardys Bane noch eine Stufe besser finde als den schon großartigen Joker von Heath Ledger. Und in dessen Fußstapfen muss Tom Hardy als Bane und aktuelle Exekutive der Superschurken in The Dark Knight Rises schließlich treten. Wie aber soll das funktionieren?

Zum einem mit einem dicken Bonus für die weit schwieriger darzustellende Figur. Ja, finde ich. Die Eigenschaften des Jokers sind eindeutig und offensichtlich. Er verkörpert primär und deutlich den Wahnsinn. Das erkennt man sofort. Was aber verkörpert Bane in den Comics? Äußerlich vor allem den schlechten Klamotten-Geschmack eines Wrestlers. Für einen Film schon mal nicht die beste Voraussetzung und der Grund, warum ich bei den ersten Andeutungen, Bane wäre der Böse im neuen Nolan, erstmal schlucken musste.

Eine solche Figur seriös darzustellen, dazu bedarf es viel Geschick und einiges an Talent. Nolans Team startete, wie bei jedem Charakter der Vorlage (leider außer bei der Fledermaus selbst), mit der Vereinfachung des Kostüms. Beim Facelifting wurde die Lucha Libre Maske auf wenig mehr als einen Mundschutz reduziert, was einen Hannibal Lecter Effekt erzielt und gleich viel bedrohlicher wirkt. Der gewaltige Übermensch Bane aus den Comics wird auf den durchtrainierten Körper Tom Hardys heruntergefahren und hier und dort mit einer Handvoll künstlicher Muskelpakete angereichert. Die Fliegerjacke rundet das Mercenary-Aussehen perfekt ab. In drei Schritten vom mutierten Türsteher der Vorlage zum weit realistischeren und vor allem beängstigenderen Söldner. Bravo.

Vervollständigt wird die Verwandlung durch seine Stimme und die Art, wie er spricht. Aus Ledgers Joker hallte in The Dark Knight eine geniale Mischung aus Nervosität und dem bereits angesprochenen Wahnsinn. Bales Batman spricht bestimmend und verstellt rau. Beides durchaus auch bei Bane denkbar aber eben schon vergeben. Also spricht Tom Hardy den belesenen Evil Genius Bane mit ruhiger und deutlich betonender, durch dauerhafte Schmerzen aber auch angestrengter Stimme. Metallisch verzerrt durch den Lautsprecher der Maske. Irgendwo zwischen Gandalf und Darth Vader.

Ein Gänsehaut-Effekt, der, so habe ich mir sagen lassen, in der deutschen Synchronfassung wohl nicht ganz so erzielt wird. Verständlich, aber eine Schande. Denn die Maske verhindert jegliches Minenspiel und so ist die Stimme Banes, die nach großer Empörung im sechsminütigen Imax Preview nochmals durch den Audio-Mixer gejagt wurde, ein sehr wichtiger Bestandteil der Figur. Da die Mehrheit der deutschsprachigen Journalisten und Blogger die synchronisierte Fassung schauen werden, ist es um das Image Tom Hardys als Bane hierzulande wohl geschehen. Wie schade.

Im Gesamtbild der englischen Fassung aber sticht Bane aus dem absichtlich zurückhaltenden Wust an Figuren deutlich heraus und bildet zusammen mit dem Polizisten John Blake (Joseph Gordon-Levitt) das Kontergewicht zum Rest der Akteure. Für mich ein genialer Coup. Und ja, ich halte The Dark Knight Rises für einen sehr gelungenen Abschluss der Trilogie, auch wenn mir die Experimentierfreudigkeit des zweiten Teils im Bezug auf dessen unkonventionelle Art Action-Szenen mit Musik zu untermalen, fehlt. Zum Glück fehlt aber auch ein billiges Sonar-CGI-Bullshit-Finale, wie es in The Dark Knight abgefeuert wurde.

Hab ich jetzt auch seziert? Ach, egal. Ich mach hier eh was ich will. Schaut euch den Film im Originalton an. Solltet ihr sowieso immer machen.