Quico, ein heranwachsender Junge sitzt, die Arme um die Beine geschlungen in einem Wandschrank und zittert. Er hat Angst vor dem Monster, das vor dem Schrank auf und ab schreitet. Kurz zuvor leitete eine Widmung des Produzenten Vander Caballero das Spiel ein, in der er sich bei seiner Mutter und seinen Geschwistern dafür bedankt, ihm beim Kampf gegen das Monster unterstützt zu haben. Der Vater wird nicht erwähnt. Oder doch?

So ungewöhnlich wie der Einstieg ist auch der weitere Verlauf des Spiels. Quico entkommt der Realität durch eine geheimnisvolle Zeichnung an der Innenwand des Schrankes und betritt eine andere Welt.

Eine Welt, die einmal nicht von Gnomen, Orks, Elfen oder, Gott sei Dank, sprechenden Bibern bewohnt wird. Papo & Yo bricht mit den Konventionen und setzt Quico und mich in einem leblosen Dorf aus, dem Anschein nach irgendwo in Brasilien. Bewohner gibt es außer meinem zum Leben erwachten Spielzeug Roboter, einem fremden Mädchen, übergroßen Fröschen und dem Monster, das wie eine Kreuzung aus Nashorn und Gorilla wirkt, weit und breit niemanden.

Interagieren kann ich mit der Kulisse nur dort, wo weiße Kinder-Kreidezeichnungen ein Rätsel oder eine Mechanik andeuten. Diese Rätsel sind zumeist sehr simpel und dienen dem Voranschreiten in der Welt: öffne eine Tür, baue eine Brücke, ein Hebel hier, ein Hebel dort.

Die Rätsel alleine würden Papo & Yo zu nichts Besonderem machen. Neben der Welt ist es vor allem die Beziehung zwischen Quico und dem Monster und die sich daraus ergebende Metaphorik, die das Spiel ausmachen.

Andauernd schläft das Monster. Das ist gut, weil es dann nichts mit seiner Wut zerstören kann und ich den dicken Bauch als Sprungbrett für schwer zu erreichende Stellen nutzen kann. Füttere ich das Monster mit leuchtenden Früchten, kann ich es an andere Orte locken. Aber Vorsicht: die Frösche sind Gift für das Monster. Frisst es sie wird es wütend, schlägt um sich, greift nach mir und schleudert mich sogar durch die Luft. Dann muss ich eine verdorrte Frucht finden, eine Medizin, die das Monster wieder schlafen lässt.

Ab und an liegen Fußbälle herum. Damit kann Quico kicken und sogar ein bisschen mit dem Monster spielen. Ein Moment, in dem mir, der ich nichts über dieses Spiel wusste bis ich die Demo lud und es anschließend sofort erwarb, erst so richtig klar wurde, was hier eigentlich gerade abläuft, und dass ich offenbar die Selbsttherapie einer misshandelten Kinderseele durchspiele.

Das ist erdrückend wunderbar. So wunderbar, dass mir die technischen Flüchtigkeitsfehler und die ebenfalls nach einer Therapie schreiende Steuerung relativ egal war. Klar, Papo & Yo ist Kunst und Kunst polarisiert, aber eine Chance in Form der kostenlosen Demo im Playstation Store sollte dem Spiel jeder geben, der mal einen Blick über den Tellerrand des Mediums werfen, beziehungsweise gleich über diesen hinaus springen möchte!