Ich sitze im Kino und freue mich auf Looper. Wegen Joseph Gordon-Levitt und, ich gestehe es, auch ein bisschen wegen Bruce Willis. Der ist zwar ausgelutschter als die Star Wars Saga, aber irgendwie sehe ich ihn immer noch gerne.

Ich weiß, es geht um Zeitreisen. Darauf hat uns der Trailer vorbereitet. Nun, beim Thema Zeitreise trifft mein Kopf gewisse Vorbereitungen. Mein Gehirn startet sozusagen ein eigens dafür vorgesehenes Programm. Nennen wir es das “Alles egal, genieße es!” Programm. Im Ernst, Zeitreisen sind nie logisch. Und wenn, sind sie es nur nach Gesetzen, die auf einer Mischung aus popkulturellen Fakten und wissenschaftlichen Theorien basieren. Mit anderen Worten: mir doch egal, ob sich die Logik verknotet. Damit kann ich leben. Soviel vorweg.

Das mir völlig unbekannte, aber redselige Pärchen in den zwei Sitzen rechts neben mir hat kein solches Notfall-Programm gestartet. Schade. Bereits die erste größere Szene, in der die Zukunft auf die Vergangenheit trifft oder umgekehrt, verwirrt beide dermaßen, dass ich den Faden an ihrer Front bereits für vermisst erkläre. Schön: Looper bemüht sich, nicht alles haarklein aufzuschlüsseln und dem Zuschauer darzulegen. Looper ist zum Glück nicht Galileo. Ein kleines bisschen Mitdenken muss schon sein. Aber wirklich nicht viel. Vielleicht hat sich das Pärchen aber auch bloß im Programm geirrt und statt dem “Alles egal, genieße es!” das “Hirn aus, Augen auf” für Transformers und Co. gestartet. Dann wird es ob der langen Dialoge eher schwierig.

An besagter Front hilft es auch nicht, dass man Looper das niedrige Budget immer dann ansieht, wenn eine der wenigen Action-Sequenzen ansteht. Also immer dann, wenn der Pärchen-Mann kurz die Mundwinkel hochzieht, weil Bruce Willis mit zwei Maschinenpistolen in der Hand zu sehen ist. Das kennt er, da fühlt er sich geborgen.

Die kleinen Details aber, wie etwa die mit zahlreichen Sonnenkollektoren modifizierten Autos, die gesammelten Strom via Kabel durch die Tanköffnung abgeben, wohl eher nicht. Auch nicht das Smartphone der Schurken, welches zweimal gefaltet die Konsistenz eines kleinen Notizblattes zu haben scheint und damit noch dreimal cooler ist, als Tony Starks transparentes Telefon in The Avengers.

Am Ende bringt mein unbekannter Sitznachbar die Geste, die ich so verabscheue. Die Arme in Richtung Leinwand gestreckt und der Satz “Dafür? Dann war doch aber alles umsonst!” Ich stelle mir seine Eltern bei der Geburt vor, wie ihnen ein Zusammenschnitt der Zukunft ihres Sohnes auf einer Leinwand präsentiert wird. Ja, mein Freund. So ist das, wenn es um Zeitreisen geht. Vieles davon wird am Ende gar nicht erst passieren. Oder passiert sein. Oder … oh, verdammt. Ich hab das “Alles egal, genieße es”-Programm zum Schreiben dieses Textes gar nicht gestartet!

Loopers ist ein kleiner Indie-Film, der mir sehr gut gefallen hat und dessen Trailer im Vorfeld mal ausnahmsweise nicht alles verraten hat. Im Gegenzug lockt das aber sicher auch den ein oder anderen mit falschen Erwartungen ins Kino. War bei mir auch so, allerdings wurde ich positiv überrascht.