Einen Vorteil hat die erschreckend dämliche Lokal-Werbung, der zum Erbrechen grausige Guinness Book of Records Spot und die Fremdscham versprühende Steven Gätjen Show im Vorprogramm der Cinemaxx-Kinos: es kann danach unmöglich schlimmer werden. Das Niveau ist soweit unten, dass es nur noch nach oben kann. Die beste Voraussetzung für einen Film wie Dredd.

Wir erinnern uns? Irgendwann in den Neunzigern gab es schon einmal eine Verfilmung des Comic-Stoffes mit Stallone als Judge, Jury und Executioner. Zielsicher tappte der Film im Minutentakt am Stoff vorbei in die Herzen derer, die um 20:00 Uhr schon stockbesoffen sind, wenn der auf RTL wiederholt wird. Ein Teilerfolg.

Der schlimmste Fauxpas: Stallones Gesicht. Nein, sorry. Dredds Gesicht. Wer gibt schon gerne Millionen aus, wenn das Gesicht des Zugpferdes im ganzen Film nicht komplett zu sehen ist? Nur weil das im Comic so ist? Nenene!

Karl Urban ist bloß Scottie und Eomer, deshalb darf der auch ohne Gemecker den ganzen Film den Helm auflassen, gelegentlich mal das markante Kinn vorstrecken und eine, stellenweise außergewöhnlich authentische, Dredd-Schnute ziehen. Meistens nach einem Dialog, flacher als Schleswig-Holstein. Das ist dennoch gut, denn so wiederholt Dredd nicht den Fehler des alten Films. Die Geschichte, zumindest in den Heften, die ich vor Urzeiten gelesen habe, wurde nur selten von Dredd selbst und meistens von den bunten Nebencharakteren getragen.

Die sind natürlich auch nicht die Blüte der Schriftstellerei und Dredd ist trotzdem ein stupider Film, ja. Aber einer, der durchaus Spaß macht. Es ist ein Film, bei dem ich das Gehirn abschalte und einfach zuschaue, wie jemand mühelos einen Haufen hässlicher Gesichter in überstylten Zeitlupen, mit unsäglich plumper Brutalität im Zeitraffer zerreißt, zerfetzt und zerquetscht. Ich steh immer noch auf Zeitlupen. Die Brutalität muss ich nicht haben, steht dem Schmuddel-Look des Films aber zugegebenermaßen durchaus gut zu Gesicht und rückt ihn gefühlt näher an Klassiker der Marke Robocop heran.

Die Sache mit Dredds Helm ist dennoch die einzige, bei der die Verantwortlichen Eier gezeigt haben. Dredd ist ein feiger Film, der Kollateral-Schaden zwar groß schreibt, ihn aber grundsätzlich an Statisten vollführt. Leere Hüllen, die nie den Hauch einer Charakterentwicklung hatten. Requisiten, die von Anfang an bloß umfallen und sterben sollten. Auch das passt zu dieser Art Film.

Am Ende ist Dredd auch ein bisschen wie (http://www.imdb.de/title/tt1899353/) The Raid) ohne Hand-to-Hand-Combat und mit noch mal zwei Stufen mehr sinnloser Gewalt. Wer die nötige Distanz dazu wahren kann, der bekommt aber auch einen um viele Klassen besseren Judge Dredd, als es Stallone war. Einen, den man mit Verlaub gesagt und mit Blick auf die Vorlage, wohl gar nicht groß anders hätte machen dürfen. Gehirn aus und Augen auf. Das hilft und kickt mindestens so wie die Droge im Film.