Es gibt da etwas, das ich nicht so gerne mag. Ich nenne es das Temple of Doom Phänomen. Ja, Schande über mich, aber ich mag den zweiten Film der vierteiligen Indiana Jones Trilogie (Hö, hö) nicht. Dazu erkläre ich am Besten mal dieses seltsame Phänomen:

Den Protagonisten in Filmen mit dem ToD-Syndrom passieren am laufenden Band schlimme Dinge, aus denen sie IMMER erst in der 3,2,1, letzten Sekunde entkommen. Immer. Nie in der dritten Sekunde, die Zwei scheidet völlig aus.

Außerdem braucht es zur Vervollständigung des Phänomens mindestens eine Loren-Fahrt. Dabei ist wichtig, das Lore stellvertretend für alles stehen kann, was schnell und möglichst lange fährt. Zum Beispiel ein kaputtes Motorrad in Tin Tin. Oder eine marode Holzbrücke im Hobbit.

Das Phänomen macht aus dem simplen Fall der dreizehn Zwerge im Hobbit-Buch eine ach so heitere, gefühlt fünfzehnminütige Slapstick-Verfolgungsjagd und aus verspielten Kolossen, die sich die Zeit mit einem außergewöhnlichem Ballspiel vertreiben, wütende Wilde, die sich gegenseitig zerstören wollen und die tapfere Zwergen-Karawane am besten gleich mit. Eigentlich pfiffig: zum Einen kann gesagt werden, der Content aus dem Buch sei übertragen worden, zum anderen wird jede Szene auf Hollywood-Standard hochgepumpt. Fran Walsh würde sagen: Wir mussten die Riesen für die Leinwand brutaler machen, es passt einfach besser zu ihnen. Bestimmt.

Zusammen mit dem Klamauk-artigen Humor und dem Over-Acting alter Peter Jackson Werke, wie etwa seiner Splatter Orgie Brain Dead, fällt es mir schwer, den Hobbit so ernst zu nehmen, wie er es verdient hätte. Das ich ihn trotzdem nicht für seine Episode Eins halte und meinen Spaß im Kino hatte, liegt vor allem an der Welt Tolkiens, der Musik Shaws und dem Drang der Geschichte zu folgen. So leid es mir tut, Walsh und Jackson haben dazu am wenigsten beigetragen und vieles davon habe ich beim Anschauen einfach ausgeblendet. Sonst wäre ich bereits bei den akrobatischen Zirkus-Einlagen der Abwasch-Szene schreiend aus dem Kino gelaufen.

Ich denke trotzdem, das wir mit Jackson anstelle eines Guillermo del Torro Glück gehabt haben. Letzterer hat die Hellboy Vorlage mit Füßen getreten und sich lediglich die Figuren für eine eigene Welt geliehen. Der Hobbit hat natürlich einen ganz anderen kulturellen Stellenwert als ein Comic zum Sohn des Teufels, aber dennoch glaube ich nicht, dass del Toro vernünftig damit umgegangen wäre und ja, ich glaube sogar, es wäre viel, viel schlimmer ausgegangen.

Immerhin: Der Antagonist Smaug leitet die Filmreihe in einer Rückblende gebührend ein. Eine Sache, die ich bereits vor dem Film vorausgesagt habe, weil ich mir mittlerweile einbilde zu wissen, wie das Walsh/Jackson Duo tickt. In diesem Fall aber eine gute Sache, denn ich freue mich auf Smaug und somit auch auf den nächsten Film, der immerhin schon dessen Namen in der Tagline trägt: The Desolation of Smaug. Da hab ich aber noch ein ganz anderes Problem: Zweite Teile in Trilogien mag ich auch oft nicht. Siehe Episode Two, The Two Towers und Temple of Doom. Au weia.