Okay, die Beichte vorweg: Ich bin kein großer Tarantino Fan. Als jemand, der schon sehr früh den Zugang zum Art House- und Indie-Kino fand, hatten seine Werke auf mich nie diese überwältigende Wirkung, die sie den Menschen boten, die durch sie erstmals über den Tellerrand des Blockbuster Kinos blicken durften. Für letzteres respektiere ich seine Filme und ihn als mutigen Regisseur, der immer ein Auge für tolle Details hat und sich wenig um Konventionen schert. Tarantino war und ist wichtig für das Kino.

Django Unchained habe ich aber eben nicht als Tarantino-Fan entgegengefiebert, sondern als treuer Freund des Spaghetti-Western Genres, das ich seit meiner Kindheit liebe und fröne. Und ich hatte meine Zweifel. Unberechtigte Zweifel, wie ich seit gestern weiß, nachdem ich drei Stunden feinstem Kinovergnügen beiwohnen durfte.

Respektvoll, über weite Strecken fast schon zurückhaltend, inszeniert Tarantino sein Western-Epos mit klassischen Bildern und hässlichen Western-Visagen, die denen in den Sechzigerjahren in Nichts nachstehen. Kompensiert wird in schöner Regelmäßigkeit mit perfekt ausgeleuchteten, staubig-dreckigen Shoot-Outs und einem Gewaltpegel jenseits von Gut und Böse, dem dank des völlig übertriebenen Einsatzes von in Strömen fließenden Kunstblutes interessanterweise aber jeglicher Schrecken genommen wird. Kunstvoll.

Mein persönliches Highlight: Jamie Foxx als Django. Keine Frage, Christoph Waltz zeigt mit sehr viel Humor einmal mehr, dass er wahrscheinlich der größte Schauspieler unserer Zeit ist, Foxx allerdings erspielt sich mit seiner Performance locker einen Platz neben Franco Nero und Clint Eastwood. Auf dem Schoß von Charles Bronson. Mindestens.

Ich werde mir Django Unchained noch mindestens zwei- oder dreimal im Kino anschauen müssen, um meinen einzigen Kritikpunkt an diesem Film zu kompensieren: 166 Minuten Western-Epos reichen nicht! Mein Kino-Jahr 2013 fängt an, wie das Kino-Jahr 2012 aufhörte: schlicht großartig.