Ende letzten Jahres habe ich Killing Them Softly im Kino gesehen und mich in dessen trockenen, ungeschliffenen Stil verliebt. Und in die Art, wie die Dialoge im Film geführt wurden.

Ich war süchtig nach dem Stoff, der diesen Film ausgemacht hat. Also kaufte ich das Buch, “Cogan’s Trade”, verschlang es und brauchte mehr. Zum Glück hatte George V. Higgins damals bereits vor “Cogan’s Trade” zwei Bücher über die Verbrecher-Szene rund um Boston geschrieben: “The Friends of Eddie Coyle” und “The Digger’s Game”. Ich verschlang auch diese beiden Bücher. Heute Abend dann, habe ich endlich den Kreis geschlossen, als ich mir die Filmumsetzung von “Eddie Coyle …” aus dem Jahre 1973 ansah.

Und ich wurde auf ganzer Linie überrascht. Ich erwartete eine lose, auf dem Buch basierende Verfilmung, die irgendwie versucht, eine Brücke zwischen dem Erzähl-Stil der Vorlage und dem 70er Jahre Action-Kino zu schlagen. Ich bekam eine Umsetzung, die sich ehrfürchtig dicht an das Buch hielt und die ruhige, hauptsächlich aus Dialogen bestehende Vorlage genauso respektvoll behandelte, wie es der Nachfolger “Killing Them Softly” mit dem Buch “Cogan’s Trade” tat. Eine freudige Überraschung.

Robert Mitchum gibt der Figur des Eddie Coyle obendrein noch eine kleine Extraportion Charakter, die der Figur des Jackie Brown, dessen Name im Film interessanterweise nur im Abspann erwähnt wird, gegenüber dem Buch doch ein bisschen fehlt.

Einen Haken hat die Sache aber: “The Friends of Eddie Coyle” hat es hierzulande nie auf eine DVD geschafft. Umso glücklicher war ich, als ich den Film als On-Demand-Angebot im US iTunes Store für eine Handvoll Dollar fand. Im Rahmen der hochwertigen Criterion Kollektion, die dort bereits vor geraumer Zeit Einzug hielt.

Wer knapp zwei Stunden Dialoge nicht fürchtet und sich für 70er Jahre Gangster-Kino abseits von Verfolgungsjagden interessiert, sei hiermit angehalten, sich diesen Film dort zumindest einmal auszuleihen. In die Peter Yates Sammlung gehört er ja sowieso.