Nie mehr alleine. Wie hieß es so schön bei Shock Troopers von Saurus auf dem Neo-Geo? Team oder Lone Wolf. Zusammen oder alleine in den Kampf ziehen. Auch im Zeitalter der Online Multiplayer Spiele bin ich immer noch sehr gerne der einsame Wolf. Das zu sein ist aber gar nicht mehr so einfach. Vor allem bei Deckungs-Shootern. Kane & Lynch, Gears of War, Spec Ops The Line, Ghost Recon. Mindestens zu zweit, mitunter sogar zu viert im Feld. Das muss so sein, denn heutzutage muss alles online und zu mehreren gespielt werden können. Ironischerweise wirkt sich dieses Phänomen, immer noch größere Teams zu haben, sogar auf Army of Two aus. Ein Spiel, das eh schon als Zwei-Mann Koop Titel konzipiert wurde. Auch hier laufen wir plötzlich zu viert herum. Das Spiel heißt trotzdem nicht Two Armies of Two. Hätte ich aber lustig gefunden.

Es gab in letzter Zeit viele Anläufe und Versuche, Gegnern in Videospielen so etwas wie Charakter zu geben. Sie mit Code zu füttern, der ihr Handeln glaubwürdiger und interessanter macht als es die stupiden Gegner in Videospielen sonst immer sind. Die Gegner in Army of Two sind unheimlich schlau und ignorieren diese Tatsache einfach. Das ist gut, weil ich so nicht sauer werde, wenn ich in dem Gewirr von Team-Mitgliedern (die auch noch alle mit einem dicken Marker gekennzeichnet sind, obwohl es mir 90 Prozent der Zeit im Spiel völlig egal ist, wo sich diese aufhalten) am Fog of War Syndrom leide und gar nicht weiß, wo ich zuerst hinschießen soll. Ab und an sehne mich auch in Army of Two nach der guten alten Zeit als Lone Wolf. One Man Army. Klare Strukturen. Hach.

Ich nehme Army of Two: The Devil’s Cartel nicht ernst. Niemand tut das. Nicht mal EA. Und das ist auch gut so. Army of Two ist und bleibt ein Action B-Movie und deshalb macht es mir auch Spaß. Wegen der Autoreifen, die im Gefecht an mir vorbeirollen, den Melonen, die dutzendweise überall herumstehen und zerbersten und den vielen kleinen Dingen, die mindestens genau so herrlich schön explodieren. Was stört einen da schon die … oh, ein Masken-Editor!

Zwei Stunden später.

Noch eine Maske. Wie wäre es mit dem Punisher? Oder Captain America? Oder Rainbow Dash! Ich liebe den Masken-Editor. Er ist den Vollpreis dieses Titel locker wert. Wenn ich mit Herzchen im Gesicht hinter einer Deckung kauere und links und rechts Kugeln einschlagen oder eine Zwischen-Sequenz anschaue, in der sich jeder Teilnehmer aberwitzig angemalt hat, ist das ganz, ganz großes Kino.

Es macht aus der Maskierung der Spezialeinsatzkräfte, eine Lebensnotwendigkeit bei der Bekämpfung der Kartelle in Südamerika, einen gespielten Witz.

Oha.

Es vernebelt die moralische Zwickmühle, ein Spiel in einem Konflikt zu spielen, der im realen Leben nichtmal vor dem Töten von Kindern zurückschreckt und in dem kritische Blogger zur Abschreckung mit aufgeschlitzten Bäuchen von Brücken gehängt werden. Verdammt, jetzt muss ich trotz des überzogenen Action-Kino Look and Feels, das Army of Two ausstrahlt, an die andauernde, reale Tragödie im Drogenkrieg in Südamerika denken.

Ich verlasse das Spiel. Nicht, weil ich jetzt keine Lust mehr hätte, es zu spielen. Ich kann das ab und ich nehme Army of Two trotz der Parallelen weiterhin nicht wirklich ernst. Aber ich gehe zurück in den Masken-Editor und bastle mir eine weitere, letzte Maske. Sie besteht nur aus einem Friedenszeichen, mitten im Gesicht. Besser.