Gehen wir mal davon aus, Snyders Ausflug ins mit Eulen geladene Kinderkino hätte nicht existiert. Wäre dem so, hätte er, in meinen Augen und bis gestern, eine makellose Filmografie. Ich mache da keinen Hehl draus. Ich liebe Snyders Filme und seine Vorliebe für deren ästhetisches Erscheinungsbild.

Seine Comic-Verfilmungen stachen aus dem Wust, der uns mittlerweile fast schon im Halbjahres-Takt um die Ohren gehauen wird, immer heraus. Sein Ausflug ins Fantasy-Märchen wurde ein Spagat zwischen Mainstream und Autorenkino. Was ich mich dabei immer gefragt habe: Wie schafft er es, diese Filme überhaupt so drehen zu dürfen?

Fast genauso positiv könnte ich an dieser Stelle über Christopher Nolan schreiben. Warum jetzt aber ausgerechnet ihre erste Zusammenarbeit auf diese so nötige Distanz zu den Avengers, Spider- und Iron-Men unserer Zeit verzichtet, kann ich beim besten Willen nicht beantworten.

Snyders Trademark, aus jeder Szene ein Kunstwerk zu machen will sich im nicht enden wollenden Prolog von “Man of Steel” gar nicht erst einstellen. Lediglich im tosenden Finale, wo plötzlich die 220 Millionen Dollar scheinbar alle auf einmal verbraten werden, kribbelt es ab und zu, stellt sich dieses altbekannte Gefühl ein.

Dafür jammert sich Clark Kent mit Bravour in den Peter Parker Club der Heulsusen, wo er sich einen Tisch mit Fähnrich Kim von der Voyager teilt.

Der Zwang, immer und immer wieder auf die Entstehungsgeschichte eines Superhelden einzumgehen (die wir verdammt nochmal alle kennen), anstatt einfach mal in der Gegenwart des Helden einzusteigen, paart sich mit der ausgelutschten Story zu einem echten Belastungstest.

Ich will aber gar nicht um das Kernproblem herumreden, das diesem Film einfach gar keine Chance lässt: Superman. Ein Superman Film von Zack Snyder? Das ist, als würde Warren Spector ein Videospiel zu Micky Maus machen. Den will auch keiner mehr sehen. Schon gar nicht so, wie er vor hundert Jahren aussah. Henry Cavill sieht dem Stählernen in den Comics verdammt ähnlich. Schade nur, dass das in diesem Fall kein Kompliment ist. Selbst die blasse und mitunter völlig deplatzierte Lois Lane kann neben Supermans Grübchen nicht so nerven, wie sie es eigentlich verdient hätte.

Nolan hatte nie Angst seine Helden optisch dem Medium Film und den Ansprüchen der Gegenwart anzupassen. Bei “Man of Steel” haben sie nicht mal die Eier, Clark Kents famosen Vollbart der ersten 30 Minuten stehen zu lassen. Bei einem bärtigen Superman hätte ich zumindest ein bisschen das Gefühl gehabt, dass sich mal jemand etwas getraut hätte. Das habe ich so leider zu keiner Zeit des Films gehabt.

Snyders Kino polarisiert. Das war bei seinem Debüt so, als er ausgerechnet den König des Zombie-Films mit rennenden Untoten verfilmte. Das war auch bei “300” so, als er mit fragwürdiger Thematik Konflikte aufheizte und auch bei “Sucker Punch”, als ihn jegliche Konventionen zu meiner Freude einen Dreck zu scheren schienen. Auch “Man of Steel” wird polarisieren. Auf der Seite der Befürworter seiner Filme fühlte ich mich aber immer um einiges wohler.

Aber wer weiß. Vielleicht ist die nachträgliche Konvertierung des in 2D gedrehten Films zu 3D ja doch ein Indiz dafür, dass Snyder und Nolan, die ja sonst beide auf die dritte Dimension verzichteten, nicht ganz die Freiheiten hatten, von denen sie derzeit so nimmermüde erzählen.

Dieser Text stammt von einem Comicleser, der Superman schon als Kind nicht mochte. Richtig, ich habe also gerade eure Zeit verschwendet.