Sightseers ist eine Tragödie. In mehren Punkten. Zum Einen wäre da der Trailer, der in zweierlei Hinsicht enttäuschte: mit englischem Originalton suggeriert er einen Streifzug des Todes à la Natural Born Killers. Im deutschsprachigen Äquivalent torpediert er sich an die Spitze der tragischen Synchronisierungs-Ausfälle und teilt sich deren ersten Platz mit dem von Matze Knop als Super Richie vertonten Adam Sandler Film Waterboy. Beides tut dem eigentlichen Film nicht gut.

Was bei Waterboy allerdings komplett irrelevant war, weil diesen Film niemand braucht, ist für einen Film wie Sightseers der Tragödie erster Akt. Hinzukommt, dass bereits beim ersten, sehr blutigen “Unfall” im Film klar wird, dass hier nicht Schwarzer Humor im Vordergrund steht, sondern die Tragik der beiden Hauptfiguren, toll gespielt von Alice Lowe und Steve Oram. Sie, eine von den Alltags-Herausforderungen des Lebens deutlich überforderte Soziopathin, er ein auf den ersten Blick kontaktfreudiger Mensch, dessen innere Ruhe allerdings nur von strikten Prinzipien aufrecht gehalten wird. Werden diese Prinzipien nicht eingehalten, tickt er aus. Dann wird es blutig. Und dann wieder ruhig.

Für das Paar nicht gerade die perfekte Voraussetzung für einen Sommerurlaubs-Trip mit dem Wohnwagen durchs alte Land. Für den Zuschauer schon. Allerdings nicht, wie der Trailer vorgaukelt, mit einem durchs Land ziehenden Pärchen, das zusammen Spaß am Morden hat. Sightseers ist weit komplexer. Die Situation verschärft sich stetig, die Charaktere aber bleiben beständig. Es gibt fast keine Charakter-Entwicklung. Auch nicht bei Alice Lowes Figur Tina, die erst im Verlauf des Film zu drastischen Mitteln greift, um ihren Urlaub zu retten. Es ist diese fehlende Charakter-Entwicklung, die den Figuren eine schaurige Kälte verleiht und das Kopfkino zu Ereignissen vor dem Film anwirft.

Sightseers gipfelt nicht, er hält sein Tempo und distanziert sich auf diese Weise erfreulich vom Eskalations-Kino. Er plänkelt unterm Strich und untermalt vom Achtziger-Pop, ruhig, ja manchmal auch ein bisschen träge vor sich hin. Um uns zwischendurch mit Kaltblütigkeit und warmen Lebenssaft zu schocken. Hier und da sogar mal mit stilistisch sehr künstlerischen, ja sogar wunderbaren Mitteln. Für eine Tragödie ist das gut. Sehr gut.

Sightseers gibt’s derzeit in Deutschland zu leihen und demnächst auch zu kaufen. Im Original Ton als Video On Demand werdet ihr bei den Briten fündig. Wie in meinem Fall zum Beispiel beim UK iTunes Store.