Als die Staffroll von “The Place Beyond The Pines” vor meinen Augen über den Schirm rollte, starrte ich unbefriedigt auf denselben. Nachdem gefühlt jeder meiner Online-Bekannten den Film bereits gesehen hatte, erreichte meine Erwartungshaltung den Siedepunkt, als er endlich legal für mich zu erwerben war.

Ich bin sogar schwach geworden, mir mal eine dieser finsteren Versionen aus dem Netz anzuschauen, um endlich in den Genuss des Films im Originalton zu kommen. Mein Karma fand das gar nicht witzig und strafte mich mit einer unmöglich abgemischten Audio-Spur, auf der ich Goslings Nuscheln kaum verstand.

Glücklicherweise gibt es den Film seit letzter Woche als Video on Demand Version zu kaufen. In Englisch. So, wie ich ihn sehen und hören wollte. Um mein Karma zu befriedigen, wartete ich nicht erst auf die Leihversion, sondern legte mir gleich die Kaufversion zu (Großproduktionen werden im US iTunes Store erst nur zum Kauf angeboten und erst später zum Leihen).

Meine Erwartungen konnten nicht höher sein. Sowas kann nur schief gehen. Tat es auch. Nach der fantastischen, ohne einen Schnitt gedrehten Eingangs-Szene enttäuschte mich “The Planes Beyond The Pines” fortan immer mehr.

Zu sehr hing in meinem Kopf die Hoffnung, einen weiteren Film wie Blue Valentine zu sehen. Blöd, ich weiß. Zu sehr nervte mich der in meinen Augen viel zu unechte Charakter von Bradley Coopers Figur. Als extrem ermüdend empfand ich die Tempo-Reduzierung im dritten Akt.

Gleich nach dem Ende wusste ich, dass mir ein anachronistischer Schnitt mit Akt Drei am Anfang und Akt Eins zum Schluss wahrscheinlich deutlich besser gefallen hätte.

Aber Filme haben bei mir etwas von offenen Chips-Tüten. Am nächsten Tag schmecken sie besser, nach ein paar Tagen schmecken sie köstlich. Auch “The Place Beyond The Pines” gefiel mir im Nachhinein und in meinem Kopf weit besser, als zum Zeitpunkt der Sichtung. Die Längen dämpften meine Sinne und deren Wahrnehmung der eigentlich sehr gut beleuchteten Vater-Sohn Thematik.

Ich werde aber nach wie vor nicht mit Bradley Coopers Schauspiel warm. Das gleiche gilt für Emory Cohen, der Coopers Film-Sohn darstellt. Der Apfel vom Stamm und so. Vielleicht ist das im Bezug auf die Thematik auch ein Geniestreich. Ich vermag es leider nicht zu erkennen.

Erwartungen können einem aber auch alles verderben. Verdammt.