Das mit dem Lone Ranger ist so eine Sache. Ich kannte ihn nicht und viele von euch kannten ihn wahrscheinlich auch nicht. Dachten wir zumindest alle. Wenn ihr aber, und jetzt müsst ihr stark sein, schon so einen Bart habt wie ich und ebenfalls Kind der Achtziger seid, dann kennt ihr ihn vielleicht doch. Genau wie ich. Nur hieß der bei uns damals wohl nicht Lone Ranger. Auf dem Pausenhof haben wir ihn zum Beispiel den weißen Zorro von Western von Gestern genannt. Oder waren es Rauchende Colts? Irgendwas, das im Öffentlich Rechtlichen Fernsehen lief, als es noch nicht Öffentlich Rechtliches Fernsehen hieß, weil Private noch gar nicht erfunden waren. Damals. Im Krieg.

Jetzt kommt der Gore Verbinski daher und verfilmt den neu. Der mag Western mindestens so gerne wie Piraten-Filme, weshalb Rango schon randvoll gepackt mit liebevollen Hommagen an das Genre war und weshalb auch der Lone Ranger mehr als einmal seine Liebe zum alten Western zeigt. Die Anspielungen an Leones “Once upon a time in the West” sind dabei oft die deutlichsten. Wenn der Close-Up den Telegrafen beim Telegrafieren zeigt und eine handvoll unrasierte Menschen unter einem Wasserturm auf die Eisenbahn warten, möchte man meinen, der Bronson kommt gleich mit dem Poncho um die Ecke. Oder wenn die Hans Zimmer Studios, wie schon bei Pirates of the Caribbean, erneut den Man with a harmonica neu auflegen. Bei The Lone Ranger dann zwar etwas (http://youtu.be/JvIuqnxSDPk?t=3m19s) dezenter) als beim (https://www.youtube.com/watch?v=vXEAp021_cU) dritten Teil) der Piraten-Trilogie (Nö, der vierte Teil existiert nicht in meinem Universum), aber nicht weniger genial. Beides Tracks, die ihr schnellstens eurer Soundtrack-Playlist hinzufügen solltet.

Wenn ich mal von der etwas deutlicheren Brutalität dieses Films absehe (die ihm oft eine herrlich düstere Atmosphäre verleiht), passt er ansonsten doch wie die Faust aufs Auge in das Schema der Pirates-Filme. So stark, dass ich mich über die allgemeine Abneigung der meisten Kritiker gegenüber diesem Film arg wundere. Nicht mal über den kleinsten gemeinsamen Nenner, Johnny Depp, kann ich mich hier aufregen, weil er das, was er als Indianer macht, einfach so unglaublich talentiert ist. Das tut schon ein bisschen weh. Natürlich ist das vor allem Slapstick und natürlich ist das immer absolut bescheuert und stets an den Haaren herbeigezogen. The Lone Ranger geniert sich nicht, noch einen oben drauf zu setzen, damit der Zuschauer noch einmal lacht. Interessant ist, dass er trotzdem immer noch strukturiert und selten affig wirkt. Das liegt wohl vor allem am großartigen Look dieses Films. Der ist zwar im Minutentakt mit entlarvenden Computeranimationen gespickt (was mich persönlich immer sehr, sehr ärgert), insgesamt wirkt er aber stimmig und sehr atmosphärisch.

Ich finde, hier bekommt ihr genau das, was draufsteht: Verbinski, Depp und Bruckheimer. Die Angaben entsprechen der Tagesdosis an stark unterhaltendem Popcorn-Kino. Füllhöhenschwankungen sind transportbedingt und kann Spuren von Kannibalismus enthalten. Wenn euch also nach so einer Schüssel Verbinski, Depp und Bruckheimer ist, dann wüsste ich wirklich nicht, warum The Lone Ranger da nicht genau die richtige Mahlzeit ist. Das sehen aber offenbar ganz viele Menschen ganz anders. Deren Pech.