Weltraum Shooter und Roguelike, geht das? Rockfish Games, ein Entwicklerteam aus Hamburg, liefern die Antwort und obwohl ich drei bis vier Anläufe über mehrere Monate benötigte, um wirklich ins Spiel reinzukommen, kann ich die Frage nun ruhigen Gewissens mit „Ja!“ beantworten. Es brauchte einen verregneten, eiskalten Samstag Nachmittag, um endlich mal einige Stunden am Stück mit diesem Titel meines Stapels der Schande verbringen zu können. Und jetzt lässt mich das Spiel seit einer Woche nicht mehr los. Das mit dem Wetter ist natürlich nur so daher gesagt, denn ich bin mittlerweile alt genug, um auch bei Sonne und blauem Himmel ohne schlechtes Gewissen zocken zu können.

Was bedeutet Roguelike im Falle von Everspace? Die knappe und passendste Antwort auf diese Frage wäre wohl, dass es sauschwer ist. Wie jedes Roguelike muss ich meine Bewaffnung während eines Durchgangs finden, dabei hoffen, dass der Zufall mir gegenüber gnädig ist und nicht mit Feuerkraft für mein Raumschiff spart. Sterbe ich, ist der Run direkt vorbei und alle Waffen, Schilde und andere temporär aufgenommenen Extras sind futsch. Im nächsten Anlauf geht es wieder mit der Standardaustattung ins Rennen. Vorher kann ich aber das im Spiel verdiente Geld in Upgrades für mein Schiff investieren, sodass ich in der Theorie mit jedem Versuch stärker werde. In der Praxis fühlt sich der Fortschritt bei Everspace in etwa so an, als würde ich mit dem Fahrrad zum Mond fahren. Gefühlt tut sich da nämlich nichts.

Lediglich die Blueprints, die freigeschaltet werden können und permanent zur Verfügung stehen, sorgen für den oft nötigen Wumms im Kampf gegen feindliche Raumschiffgeschwader. Mit diesen Vorlagen kann ich während eines Durchgangs aus Ressourcen, die ich verteilt in der Spielwelt aufsammeln kann, neue Technik für mein Raumschiff zusammenbauen: Bessere Primär- und Sekundärbewaffnung, Schilde, Zeitlupenmodule, Raketen, Bomben, Dronen und so weiter und so fort. Der Herausforderung wegen natürlich ebenfalls nur temporär und lediglich bis zum nächsten Tod zu verwenden.

Zentrale Spielmechanik ist natürlich das Fliegen und hier ist Everspace ein zweischneidiges Schwert. Optisch ist dieses Spiel eine Wucht und es jagt ein grafischer Höhepunkt den nächsten. Everspace ist Spaceporn in seiner Reinform. Farbenfrohe Nebel, wunderschöne Sternenfelder, gigantische Asteroidengürtel und eine tolle Architektur bei herumfliegenden Stationen und Frachtern machen das Erkunden der einzelnen Abschnitte zu einem Erlebnis. Leider macht es nicht immer Spaß durch diese Schönheit zu fliegen. Das liegt vor allem an einer fehlenden Möglichkeit das Kontrollschema benutzerdefiniert einzustellen. Flugsimulatoren sind ein heikles Thema und die Geister scheiden sich an den Einstellungen fürs Rollen und Auf- und Absteigen. Zwar gibt es vier Schemata zur Auswahl, aber das Optimum ist für mich hier nicht auszumachen. Ich trainiere mir aktuell eine echte Hotas Flugzeugsteuerung an (Everspace unterstützt keinen Flugzeug Controller), also Rollen und Steigung auf dem rechten Stick und Schub auf dem linken Stick. Beides möglich, allerdings nur mit der Option, den linken Stick für den oft nötigen Boost zu drücken. Ich weigere mich allerdings irgendeinen Stick als Taste anzusehen. Hier helfen sich zumindest einige Xbox Spieler mit der Möglichkeit, konsolenseitig ein Controller-Profil anzulegen. Ich halte das aber für alles andere als benutzerfreundlich.

Wenn denn aber mal ein Kontrollschema passt, zeigt sich Everspace von der besten Seite. In rasanten Dog Fights wechseln sich Projektilfeuer mit Raketen und gewaltigen Smartbomben ab und sorgen für wunderhübsche Feuerwerke im Schwarz. Oft am eigenen Schiff, welches dank Schadensmodell dann auch schnell recht mitgenommen aussieht. Riesige Frachterwracks können durchflogen und auf Waffen und Ressourcen untersucht werden. Bei Verfolgungsjagden kann ich mich in Asteroidenfelder retten, während sich meine Gefechtstürme um herannahende Torpedos kümmern. Verschiedene Fraktionen sorgen außerdem neben Sperrfeuer auch mal für Unterstützung und Händler- und Servicestationen sind bei Everspace so selten, dass man sich wirklich freut sie zu sehen. Obendrein geben NPCs sporadisch auch mal optionale Aufgaben auf, die für eine nötige Finanzspritze sorgen. Neben dem Geld für die Upgrades ist es aber vor allem der Treibstoff, der in den Abschnitten aufgesammelt werden muss. Sonst endet die Reise vorzeitig und ein Hyperaumsprung ins nächste Gebiet kann nur noch mit dem Risiko einer totalen Zerstörung auf sich genommen werden kann.

Everspace will eine harte Nuss sein und die ist es auch. Erst mit 10.000 Geld kann ich mir ein besseres Schiff leisten und auch hier hält sich die Nächstenliebe des Spiels in Grenzen: Jede verdiente Münze muss am Ende eines Durchgangs ausgegeben werden oder sie verfällt. Ich kann also nicht auf die neuen Schiffe sparen, ich muss sie mir vollständig in einem Durchgang verdienen. Puh! Nichtsdestotrotz habe ich aktuell einen großen Spaß mit dem Weltraum Roguelike und es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht auf die nächste Runde freue.

Und vielleicht wird eine benutzerdefinierbare Steuerung ja noch mal nachgereicht.