Es ist Murmeltiertag auf Timber Hearth, einem kleinen, gemütlichen, erdähnlichen Planeten in einem überschaubaren Sonnensystem. Als Protagonist stecke ich in einer zwanzigminütigen Zeitschleife fest, in der ich das komplette offene System mit einem Raumschiff (vertrauenswürdig aus Holz und Metall gebaut) nach meinen Wünschen bereisen und erkunden kann. Um Marshmallows am offenen Feuer zu grillen oder, im besten Fall, um der Zeitschleife ein für alle mal zu entkommen.

Glücklicherweise haben die Dimensionen des Sonnensystems nicht die des unseren, und die Nachbarplaneten sind binnen weniger Minuten alle zu erreichen. Aber da hören die kleinen Aufmerksamkeiten in Outer Wilds auch schon auf. Denn genau wie zum Beispiel auf Nadja, der Hauptdarstellerin des Netflix Zeitschleifendramas Russian Doll, lauert in Outer Wilds auch auf mich an allen Ecken der Unfalltod.

  • Das Raumschiff hebt ab, von links zieht die Sonne ihre Bahn. Boom!
  • Das Raumschiff hebt ab, von rechts kommt ein Meteor. Boom!
  • Das Raumschiff hebt ab und ich lande es perfekt. Juchu! Hinter mir schlägt ein Feuerball von einem benachbarten Mond ein. Boom!
  • Oh seht, ein schwarzes Loch! Boom!
  • Schau mal, Kakteen! Zissssssss-Boom!
  • Hui, Schwerelosigkeit! Oh, jetzt bin ich aber weit

Wenn ich mich auf die Gefahren eingestellt und meinen Spielstil entsprechend angepasst habe, geht es aber erst richtig los. Dann beschwört der Titel das innere Myst herauf und es gilt Rätsel zu lösen, deren größte Schwierigkeit oft darin besteht, sie überhaupt als solche auszumachen. Hilfestellung geben hier lediglich überall auf der Welt verteilte Texte eines längst ausgestorbenen Volks von Wissenschaftlern. Diese kurzen Nachrichten muss ich aufmerksam lesen und so meinen nächsten Schritt in der Welt von Outer Wilds planen.

Die Uhr tickt, aber mein Logbuch im Raumschiff hält alle Gerüchte und einmal gelesenen Nachrichten über die Zeitschleife hinweg fest. So verliere ich nach zwanzig Minuten zwar meine Position, nicht aber meinen Fortschritt. Ein abstraktes Rogue-like also, welches dank der Freiheit, mit dem Raumschiff jederzeit abheben und ohne Unterbrechung zur Erkundung auf den Nachbarplaneten landen zu können, genau mein Ding ist.

Ich habe mich übrigens dazu entschieden nicht im Internet nachzusehen, was ich machen muss, wenn ich nicht weiterkomme und werde es daher eventuell nie durchspielen. Aber das ist es mir aktuell noch wert. Ich bin gespannt, wie lange noch.