Das kleine Spiel Grow Home um einen tollpatschigen Roboter, der extraterrestrische Pflanzen emporklettern muss, um sein Raumschiff zu erreichen, hat mir damals so gut gefallen, dass ich es letztendlich zu meinem Spiel des Jahres kürte. Logisch, dass ich den Nachfolger Grow Up direkt bei dessen Erscheinen blind einkaufte. Nur, um es dann zwei Jahre lang nicht anzurühren. Irgendwie kam mir da ein No Man’s Sky dazwischen. Jetzt, da ich gerade Astroneer beendet habe und kurz bevor No Man’s Skys größtes Update herauskommt und mir damit sicherlich wieder bei sehr vielen Dingen dazwischen kommt, gab es eine kleine Lücke. Und Grow Up passte perfekt hinein.

Wie schon beim Vorgänger verbindet auch der zweite Teil einen drolligen Low-Poly Look, eine herausfordernde Steuerung und eine Welt zum Erforschen zu einem angenehm überschaubaren Spiel. Dieses Mal ist das geliebte Mutterschiff beim Umrunden eines kleinen Planeten an dessen Mond zerschellt, und ich ziehe ein weiteres Mal mit dem Roboter BUD los, um alle Teile zu finden und den Mond zu erreichen. Das geht, ebenfalls wie bei Teil Eins, über die gigantischen Sternenpflanzen, die ich wie eine magische Bohne immer höher wachsen lassen kann, sofern ich denn ihre Blüten erreiche. Indem ich an ihnen emporklettere.

Und hier kommt der eigentlich Spaß der Reihe, die ich immer noch als die einzige mir bekannte Free Climbing Simulation betiteln möchte. Nähern sich die Hände meines Roboters nämlich einer greifbaren Oberfläche (zum Beispiel eine Felswand oder ein riesiger Blumenstängel), wird dies grafisch an der entsprechenden Stelle mit einem Symbol verdeutlicht und ich kann mich dort festhalten, indem ich die entsprechende Schultertaste gedrückt halte: Links für die linke Hand, rechts für die rechte Hand. Diese Hand ist dann an genau dieser Stelle fixiert und ich nutze daraufhin den linken Stick, um mich an dem Gegenstand empor zu recken und die freie Hand in der Richtung zu fixieren, in die ich mich bewegen möchte. Das wiederhole ich so lange, bis ich irgendwo angekommen bin oder aus Versehen runterfalle. Klingt kompliziert, ist aber überraschend intuitiv.

Und so erkunde ich kletternd den gesamten Planeten, spüre Wrackteile auf, sammele Kristalle, um meine Ausrüstung, etwa das optionale Jetpack, aufzubessern und wenn ich Lust habe (habe ich aber nicht), kann ich auch noch Herausforderungen in Form von Check-Punkt-Rennen meistern, um das Aussehen meines Roboters zu verändern. Der Spaßfaktor aber ist das Klettern und die gewaltigen Höhen, die dieses Spiel perfekt darzustellen weiß. Nach wie vor gehört auch das Herunterfallen in unregelmäßigen Abständen einfach dazu und dank des neuen, freischaltbaren Fallschirms, der effektiv jeden Sturz abfängt, hält sich der Frust absolut in Grenzen.

Die knuffige Low-Poly Flora und Fauna ist sicherlich nicht eines jeden Sache, ich persönlich aber mag diesen Stil sehr und kletterte auch nach dem Beenden des Spiels weiter durch die Landschaft auf der Suche nach optionalen Aufgaben. Wer sich von der Steuerung nicht abschrecken lässt, den erwartet ein kleines, aber besonderes Abenteuer, das ich gerne und voller Überzeugung weiterempfehle.