Mit einem leicht unbehaglichen Gefühl haben wir gestern den Kinosaal betreten, um Once Upon A Time In Hollywood anzuschauen. Meine Frau hatte dieses Gefühl, weil Quentin Tarantinos letzter Film uns nicht so richtig abholt hat und ich sehe eher ungern Filme über Kriminalfälle, deren Opfer noch lebende Angehörige habe. Aber Tarantino gehört zu den Menschen in Hollywood, deren Filme garantiert überraschen. Egal, wie der Inhalt mir danach gefällt und das ist es mir immer wert.

Und dann verpackt dieses Genie die Geschichte um den Mord an Schauspielerin Sharon Tate ausgerechnet in eine Liebeserklärung an die Magie Hollywoods, die Western der Sechzigerjahre und den Geist von Los Angeles. Mit einer Sensibilität, die ich dem Regisseur nach dessen letzten Werken so gar nicht mehr zugetraut hätte.

Leonardo DiCaprio spielt nach vierjähriger Pause und der längst überfälligen Auszeichnung durch die Akademie fast schon gewohnt überragend und verleiht dem ausgepowerten Western Star Rick Dalton die nötige Farbe und Tiefe, um dieses außergewöhnliche Werk zu tragen. An seiner Seite stellt Brad Pitt als tougher Stuntman Cliff Booth und Gegenpol zu Rick Daltons Unsicherheit, einmal mehr seine Vielseitigkeit zur Schau. Und dann ist da noch Margot Robbies absichtlich überzeichnete Sharon Tate, die wie ein Geist des Siebzigerjahre-Kinos über dem Geschehen schwebt.

Aber auch Once Upon A Time In Hollywood kommt nicht mehr ohne die mir mittlerweile sehr leidig gewordene plumpe Gewaltdarstellung in Tarantinos Filmen aus, die vor über 25 Jahren ihren Ursprung in einem abgeschnittenen Ohr fand. Die hat natürlich ihre Fangemeinde, aber ich gehöre ihr nicht an. Umso erfreuter war ich zu sehen, dass sich die Gewalt in diesem Film weitgehend in Grenzen hält. Eine Ausnahme sozusagen, die ich angesichts der hohen Gesamtqualität gerne aussitze.

All diese Punkte sind individuell und ergänzen sich mit Tarantinos nach wie vor einzigartigem Stil, seiner Kunst Details festzuhalten, den versteckten und nicht versteckten Referenzen und all den anderen Trademarks zu einem Film, den ich ohne Übertreibung perfekt nennen möchte. Oder um es mit den Worten meiner Frau zu sagen: Viel drüber geht nicht mehr. Mit diesem Film kann er auch aufhören.

Schließlich kann Rick Daltons Schicksal auch als eine auf Zelluloid gebannte Interpretation einer sehr berühmten Neil Young Textzeile verstanden werden: „It’s better to burn out than it is to fade away.“