Seit dem ersten Wayfarers Band lege ich all meinen Freunden und Bekannten, die der Science Fiction zugeneigt sind, diese Buchreihe ans Herz. Mit mal mehr und mal weniger Erfolg. Das ändert sich vielleicht nun, da die Autorin Becky Chambers für diese drei Bücher just und längst überfällig mit dem Hugo Award für die beste Science Fiction Reihe ausgezeichnet wurde.

Aber es wird noch besser. Ihr aktuelles Buch, eine lediglich 160 Seiten lange Novelle, ist wohl, und das kann ich aus voller Überzeugung heraus schreiben, das Beste, was ich an Science Fiction bis dato gelesen habe. Ich denke zumindest nicht, dass ich damit übertreibe. Ich kann mich nämlich nicht daran erinnern, dass ich jemals nach dem Durchlesen eines Buches dieses direkt wieder von vorne beginnen wollte. Ist aber genau so passiert.

Ich weiß, dass viele Leser Novellen nicht als vollwertige Romane ansehen und bei 160 Seiten eher amüsiert hüsteln, aber ich stehe dazu. Weil alles an diesem Buch genau meine Reize für fantastische Unterhaltung triggert: das Setting, die Geschichte, das Ende. Einfach alles. Und natürlich auch ein ganz kleines bisschen die Nähe zu No Man’s Sky, dem besten Spiel der Welt (nur ein gaaaaanz kleines bisschen. Bestimmt!).

Schließlich dreht es sich bei To Be Taught, If Fortunate um eine kleine Forschungs-Crew, die mit dem Raumschiff Merian unterwegs zu einem fernen Sternsystem ist, um dort eine Gruppe Exoplaneten zu besuchen und diese für die Menschheit zu protokollieren. Klingt bekannt? Ja, ich würde mich nicht wundern, wenn Becky Chambers Quelle der Inspiration ein paar Stunden in der Euclid Galaxie in Hello Games Weltraum Epos entsprangen. Manche Details sind da doch sehr deutlich. Das waren die Momente, in denen ich beim Lesen in der Straßenbahn bis über beide Ohren grinsen musste. Für euch vielleicht nichts Besonderes, aber in Hannover in der Bahn gilt das gleiche Gesetz wie in Vladivostok: Wer grinst, muss geistesgestört sein (Quelle: The Romanoffs, Staffel Eins, Folge 7: End of the Line).

Aber auch über die Ähnlichkeiten zu No Man’s Sky hinaus, macht To Be Taught, If Fortunate alles richtig. Weil es eben nicht um blutrünstige, xenomorphe Predatoren, die perfekt angepasst an ihre Umgebung terrestrische Raumfahrer jagen geht, sondern um wissenschaftliches Dokumentieren, Analysieren und Protokollieren. Es geht um den Eingriff des Menschen in eine fremde Welt und die Wirkung der fremden Welt auf den Menschen. Es geht um zwischenmenschliches Verhalten auf einer Mission, die Jahre andauert und ganz grundsätzlich um die Faszination des Lebens.

Natürlich hätte auch ich lieber mehr als 160 Seiten über die Crew der Merian gelesen, aber dem Buch fehlt es trotz des kompakten Umfangs meiner Meinung nach an nichts. Und wer weiß? Vielleicht kommt in Zukunft ja doch noch etwas nach. Auch wenn die Autorin das aktuell verneint.

Derzeit gibt es nur eine englischsprachige Ausgabe des Buches, aber dank des Erfolges der Autorin halte ich eine demnächst erscheinende deutsche Ausgabe für sehr wahrscheinlich. Wehe nicht!