Ich tue mich nach wie vor schwer mit koreanischem Kino. Das liegt natürlich an der fremdbestimmten Auswahl an Filmen, die überhaupt international zugänglich gemacht werden. Oft sind mir diese einfach zu sehr auf Hochglanz poliert und viel zu dramatisch inszeniert. Um dem entgegen zu wirken, entschied ich mich bei diesem Filmausflug ins ferne Südkorea für einen Martial Arts Film: The Villainess, aktuell zum Streamen und optimal mit koreanischem Originalton auf Amazon Prime verfügbar.

The Villainess hat natürlich keine herausragend gute Geschichte und erinnert vielleicht in erster Linie an eine schwammige Interpretation von Luc Bessons Nikita, aber darauf kommt es bei Martial Arts ja auch gar nicht an. Diese Filme müssen für mich nur kurzweilige Action bieten und dabei artistisch davon ablenken, dass hier nichts Neues erzählt wird. Warum sie trotzdem oft zwei Stunden andauern will mir aber partout nicht einleuchten. Entweder nehme ich dann beim pausenlosen Dauergeprügel irgendwann nichts mehr auf, wie es zum Beispiel in The Night Comes For Us der Fall war, oder ich werde mit dem hilflosen Versuch konfrontiert so etwas wie Romantik und Tiefe zu schaffen, wie es bei The Villainess versucht wird.

Das Ganze ist nicht wirklich schlecht und verliert sich glücklicherweise relativ schnell in ausufernder Nahkampf-Gewalt aber erinnern werde ich mich an nichts davon. Im Gegensatz zur Eingangssequenz und zum großartigen Finale. Wäre ich gemein, würde ich euch ans Herz legen, lediglich die ersten und letzten 15 Minuten des Films zu schauen (Ups! Habe ich das jetzt laut geschrieben?). Sie sind atemberaubend. Dutzende Kriminelle werden mit verspieltem Einfallsreichtum, Pistolenkugeln, Messern und Äxten in zwei gefakten aber dennoch wahnsinnig gut gefilmten Szenen ohne erkennbare Schnitte in den Filmtod befördert. Und die Phrase Genie und Wahnsinn passt einfach perfekt auf die gezeigten und teilweise recht übertriebenen Aktionen.

Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, genieße Martial Arts Filme aber dennoch in gedehnter Regelmäßigkeit und finde, das hier ist eindeutig Referenzmaterial.