Das DC Extended Universe (DCEU), Warners Equivalent zu Disneys Marvel Cinematic Universe (MCU) hat nach Christopher Nolans Dark Knight Trilogie über die Jahre und in diversen Anläufen versucht, die Akzeptanz des Rivalen zu erreichen. Im direkten Vergleich semi-erfolgreich. Eine offensichtlich unlösbare Aufgabe für Warners Marketing-, und Produktverantwortliche, die scheinbar nur selten und wenn dann widerwillig über die Excel Tabellenkalkulation hinaus in die Welt blicken.

Wie der neue für sich alleinstehende Joker Film von Todd Phillips da nun reinpasst und was für eine Rolle hier zum Beispiel der Erfolg von James Mangolds Logan gespielt hat, der ebenfalls stark aus der Reihe ausbrach, kann ich nur erahnen. Einer Sache bin ich mir aber sicher: Eine heftigere 180 Grad Wende innerhalb eines derart wertvollen Franchises habe ich so noch nicht gesehen.

In jeder Beziehung. Ein Superheldenfilm der nicht einmal einen Superhelden vorweisen kann. Eine Taxi Driver, Mean Streets und King of Comedy Ästhetik, im starken Kontrast zum genreüblichen Hochglanz und Bombast aus dem Computer. Körnig, dreckig und im höchsten Maße verstörend. Joker erzählt dabei über seine gesamte Laufzeit eine Entstehungsgeschichte, der sonst nur maximal zwanzig Minuten gewidmet wird, damit der Antagonist halbwegs glaubhaft im Finale dem Protagonisten unterliegen kann, bevor leisen Streicher das Ende einläuten.

Joaquin Phoenix spielt den Joker mit augenscheinlich ungesunder Hingabe nicht mehr nur als Wahnsinnigen, sondern vor allem auch als Märtyrer und als Opfer einer verkommenen Gesellschaft in einem sprichwörtlich brennenden Gotham City. Die Frage ob er damit gut oder böse ist, ist natürlich rein rhetorischer Natur. Es ist letztendlich aber genau die Frage, die bei Nolans The Dark Knight niemals aufkam und Heath Ledgers Joker so bedrohlich gemacht hat. So sehr ich Todd Phillips Film liebe, der bedingungslose Wahnsinn und die Ungewissheit des Ursprungs sind Eigenschaften, die einen Joker für mich ausmachen.

Auf der anderen Seite ist der Mut, einen solchen Film im DC Universum zu drehen, bewundernswert, das Ergebnis einmalig und schlicht großartig. So bleibt Heath Ledger zwar weiterhin mein Lieblingsjoker, Todd Phillips Werk ist fortan aber mein Lieblings DC-Film.