Ich mag die Filmografie von Bong Joon-ho, die diverser nicht sein könnte. Der Thriller Memories of Murder war wahrscheinlich mein erster Kontakt zum südkoreanischen Kino, The Host hat meine Begierde für Monsterfilme wiedererweckt und die Comicverfilmung von Snowpiercer hat mir den Glauben an Überraschungen in Actionfilmen zurückgegeben. War die Gesellschaftskritik dort noch etwas versteckt, schoss sie wie eine Fontäne aus der Netflix Produktion Okja, der extrem unterhaltsamen Abrechnung mit der Massentierhaltung.

Fast immer mit dabei: der großartige Schauspieler Song Kang-ho. Der fehlt auch in Bongs aktuellem Werk Parasite nicht. Ein wunderschöner und moralisch völlig entgleister Familienfilm über die soziale Distanz zwischen Arm und Reich, über grenzwertiges Schmarotzertum und über unausweichliche Eskalation. Und trotz einer Laufzeit von über zwei Stunden ohne erkennbare Längen, die ich leider immer noch mit Filmen aus Südkorea verbinde.

Zu meiner Überraschung war die Premiere im zugegebenermaßen eher kleinen Kino gefühlt ausverkauft. Schön zu sehen, dass es das koreanische Kino offenbar in die Mitte unserer Gesellschaft geschafft hat.