Dass Martin Scorsese einen Film für Netflix mit Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci in den Hauptrollen dreht ist groß. So groß, dass es Steven Spielbergs diesjährigen Rant für einen Ausschluss der Streamingdienste bei den Oscars nicht bloß den Wind aus den Segeln nimmt, sondern buchstäblich auch noch mit dem Lederhandschuh ohrfeigt.

The Irishman ist eine Herausforderung an das klassische Kinoepos und zwar eine ziemlich gute. Die Geschichte um das Ein- und Aufsteigen einer Person innerhalb des Organisierten Verbrechen ist dabei nicht neu und wurde auch schon oft erzählt, bislang allerdings noch nicht von den digital verjüngten Pionieren, die das Genre einst begründeten.

Das dafür lediglich die Gesichter De Niros, Pacinos und Pescis teilweise verjüngt wurden, der Rest ihrer Körper aber die Spuren des Alters in Sachen Haltung und Bewegung nicht verstecken und in ihrer ganzen Natürlichkeit erkennbar sind, ist zur Abwechslung mal ein interessanter und durchaus reizvoller Uncanny Valley Effekt.

Auch sonst bot mir The Irishman, den ich glücklicherweise in einem großen Kino sehen durfte (Voraussetzung für Oscars und so) all das, was ich vom Genre erwarte, auch wenn es im etwas gestreckten Finale, das auf mich eher wie ein Epilog wirkte, gerne zwanzig Minuten weniger hätten sein dürfen.

The Irishman ist ein Flaggschiff für Netflix und angesichts der seltenen Konstellation De Niro/Pacino ein Glücksfall für die Zuschauer.