Seit ich in einem virtuellen Einkaufszentrum verzweifelt immer wieder X drücken musste, um meinen virtuellen Sohn Jason im Gewimmel zu rufen, bin ich Fan der Quantic Dream Interactive Fiction Spiele. Detroit aber erschien in einer Zeit, in der ich andere Spiele auf dem Schirm und wenig Zeit für ein Spiel dieses Genres hatte. Im letzten digitalen Sale wurde es allerdings derart günstig angeboten, dass ich es mir sicherheitshalber schon mal auf den digitalen Haufen der Schande legte.

Nun kann ich freudig verkünden, dass ich Detroit: Become Human gestern für mich zufriedenstellend beendet habe. Alle mir wichtigen Protagonisten haben überlebt. Diverse Statisten, eine ganze Menge Soldaten und ein gewisser Jerry, dessen Schicksal es war, dass ich mich nach einer mehrtägigen Spielpause einfach nicht mehr an ihn erinnern konnte als es darum ging ein Bauernopfer zu finden, blieben auf der Strecke. Wo Androiden aneinander rasseln, fallen halt auch Metallspäne.

Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass dem kleinen Oliver an der Grenze zu Kanada, dessen Eltern mir nicht ganz freiwillig die Karten für die Busausreise überlassen haben, nichts passiert ist, auch wenn mir das Spiel dahingehend ein schlechtes Gewissen einreden wollte.

Als altes Enfant terrible habe ich mich zum Entsetzen meiner Frau (die mir obendrein auch noch die Geschichte mit dem kleinen Oliver sehr übel nimmt) natürlich für die Revolution entschieden. Und auch wenn ich anfangs durchaus vorhatte, das Ganze unblutig durchziehen zu wollen, erwiesen sich die langwierigen Prozesse der Diplomatie doch relativ schnell als arg erschöpfend und es war nur eine Frage der Zeit, dass ich dem Finger am Abzug letztendlich doch noch nachgab. Die Feder ist mächtiger als das Schwert, aber deutlich komplizierter, will man sie effizient führen.

In der Praxis spielte sich Detroit relativ gut, auch wenn die Steuerung natürlich primär wieder vor allem cineastischer Natur ist und daher nicht haargenau alle meiner Kommandos sofort umsetzt. Es soll ja cool und natürlich aussehen. Damit kann ich leben. Und ich bin immer noch ein großer Freund von Quick Time Events, die mir hier gerade im Handgemenge wieder richtig Spaß gemacht haben. Und die ich natürlich trotzdem wieder verflucht habe, wenn ich sie mal verbockte. Lediglich die teilweise irreführenden Platzhalterbegriffe, die meine Reaktionen in Dialogen steuern, haben mich wieder schön an der Nase herumgeführt. Worte wie “Diplomatic”, “Offensive” oder “Friendly” wirken erstmal harmlos, können aber von einer Sekunde auf die andere ganze Lawinen ins Rollen bringen. Das eine oder andere Mal riss ich entsetzt die Arme nach einer Entscheidung hoch, weil das eigentlich nicht die Art war, mit der ich antworten wollte.

Wie bei jedem Quantic Dream Spiel, habe ich direkt nach dem Durchspielen Lust bekommen, die Geschichte noch mit anderen Entscheidungen erneut zu spielen, und wie ich mich kenne, wird es wie bei jedem Quantic Dream Spiel bei einem Wunsch bleiben. Sorry, Oliver und Jerry. Euer Schicksal wird sich in meiner Timeline wohl so schnell nicht mehr ändern.