Selbstisolation in Zeiten der Pandemie kann an blank liegenden Nerven zerren, innerliche Unruhe verursachen und das psychische Gleichgewicht ins Wanken bringen. Es ist also wichtig gewisse Konterprogramme aufzufahren, um nicht komplett den Verstand zu verlieren. Subjektiv kann ich nun bestätigen, dass ein Videospiel, bei dem ich in Zeitlupe auf einem Skateboard fahrend, mit zwei Handfeuerwaffen im Akimbo Stil durch eine Tür breche, um dann auf eine durch die Luft geschleuderte Bratpfanne zu schießen, woraufhin die abprallenden Kugeln mehrere Gangster an diversen vitalen Körperregionen durchdringen, während eine Banane meine Akrobatik bewertet, durchaus für so etwas wie frische Luft im Oberstübchen sorgen kann. Also nicht nur bei den Gangstern, die ich am Kopf getroffen habe.

Den Erscheinungstag dieses Devolver Titels konnte ich damals kaum erwarten. Als es dann aber endlich soweit war überforderte mich die Steuerung, die beinahe jeden Knopf des Switch Controllers in die Pflicht nimmt, extrem. Ich zwang mich durch zwei Handvoll Level, ließ mich vom Spiel willenlos führen und legte My Friend Pedro noch am selben Tag enttäuscht zu den Akten der Schande. Bis jetzt. Wie sich herausstellte, gibt es für alles eine Zeit und aktuell stehen auf meiner Uhr beide Zeiger auf My Friend Pedro.

Plötzlich hatte ich die Geduld und die Motivation, dieses Spiel zu meistern. Wovon ich immer noch weit entfernt bin, aber ich weiß mittlerweile was ich tue und weiß einen akrobatisch morbiden persönlichen Rekord wieder zu schätzen. Und ich wurde von der ideenreichen Verspieltheit My Friend Pedros überrascht, die in späteren Abschnitten zur absoluten Bestform aufläuft. Es ist schon interessant, wieviele witzige Einfälle in diesem oberflächlich auf Gewalt reduzierten Titel stecken und wie absurd diese oft sind, ohne dabei den geschmeidigen Flow dieses Spiels zu stören. Ob Schalterrätsel, Minen, Trampoline oder die eingangs bereits erwähnte gute alte Gusseiserne: Nie hatte ich das Gefühl, das mein Spielfluss abriss. Das ist Spieldesign in Perfektion.

Nach dem erstem Durchspielen ließ mich Pedro aber immer noch nicht los und ich genieße es nun auf Bestzeiten zu zocken oder versteckte Extras zu suchen, mit denen ich das Spiel völlig übertrieben modifizieren kann. Nichts wertet ein Videospiel so sehr auf, wie übergroße Köpfe, die noch leichtere Ziele für umherfliegende Patronen sind. Am meisten Spaß macht es aber, wenn ich sämtlichen Erfolg- und Leistungsdruck komplett ignoriere und ich mich einfach daran erfreue, ein besonders elegantes Kugelballet zu inszenieren.

Devolver bleibt der Publisher der Herzen und Bullet Time ein gutes Mittel gegen jegliche Art von Stress. Danke dafür.