Ich weiß gar nicht, was es mittlerweile mehr gibt: Videostreamingdienste oder Assassin’s Creed Spiele, aber gefühlt sind wir da schon bei recht ordentlich monatlichen Kosten, wollte ich alle haben. Zum Glück gibt es Probeabos und so richtig interessant ist ja auch nicht automatisch jeder Dienst. Bei Apples hauseigenem TV+ zum Beispiel fand ich bisher trotz meines zwölfmonatigen Probeabos nichts, was ich wirklich sehen wollte. Das änderte sich, als wir den Piloten der Comedy Serie Mythic Quest: Raven’s Banquet gesehen haben. Bitterböser Humor, tolle Schauspieler und ein frisches, noch unverbrauchtes Setting machen aus dieser Serie über einen erfolgreichen MMO Spieleentwickler einen absoluten Seriengenuss.

Die Themen sind Referenzen an die Realität: Überstunden, Gewerkschaften, Kreative Differenzen, Microtransaktionen und Nazis. Die Verarbeitung böse und auf den Punkt pointiert. Dass ausgerechnet Ubisoft, denen viele der hier verarbeiteten Situationen nicht ganz fremd sein dürften, als Produzent fungiert und sich trotzdem noch regelmäßig über den fiktiven und erfolgsorientierten Publisher in Montreal lustig gemacht wird, werte ich mal als Sinn für Humor.

Mein persönliches Highlight aber ist Danny Pudi, dem als skrupellosem Marketing-Monster kein Schritt zu weit geht, noch mehr Geld aus den Taschen der Spieler zu ziehen und der die perfekte Personifizierung dieser Problematik darstellt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein Ölgemälde seines Antlitz längst das Herrenzimmer der Chefetage von Electronic Arts ziert und dort regelmäßig nach Feierabend auf ihn als neuer Heiland angestoßen wird.

Was in der Serie die Basis für schwarzen Humor ist, dürfte bei vielen Entwicklern harte Realität sein. Dass Mythic Quest das trotz aller Witze ernst nimmt, zeigen Passagen, die auch mal ganz andere Töne anschlagen und Kritik an der Industrie ohne Witz vermitteln. Die Balance hat mir hier sehr gut gefallen.

Die neun halbstündigen Folgen waren leider viel zu schnell vorbei und ich hoffe doch sehr, dass da noch mehr kommt.