Ein Sonnenuntergang auf der Insel Koriander.

Ich bin diesem Blog noch ein Texthäppchen über meine neue Videospielliebe schuldig (ich habe Animal Crossing vorher nie gespielt). Aber was soll ich noch über das Spiel schreiben, das in aller Munde ist? Vielleicht liste ich einfach mal auf, was ich in den letzten 14 Tagen Animal Crossing alles so erlebt habe.

Einmaliger Mehrspielerspaß

Meine Frau, meine Tochter und ich spielen zu dritt an der selben Nintendo Switch Konsole und haben folglich dieselbe Insel bezogen. Zwar kann man auch im Koop über das Eiland streunen, so richtig entfaltet sich der Mehrspieleraspekt allerdings erst im asynchronen Zusammenspiel: Bei einer morgendlichen Runde sammele ich herumliegenden Müll auf, schaue mir das Angebot im örtlichen Inselladen an, grabe Fossilien für unser Museum aus und gebe den Bau einer Brücke in Auftrag. Später loggt sich meine Frau ein, macht ihre Angeltour über unseren Strand, schaut im Klamottenladen nach interessanten neuen Kleidungsstücken, spricht eifrig mit allen Bewohnern, um den Freundschaftspegel oben zu halten, zahlt etwas in die Kasse der beauftragten Brücke ein und pflanzt vielleicht irgendwo ein neues Blumenbeet. Abends spielt dann unsere Tochter, arbeitet an der Realisierung ihres Inselrestaurants und sammelt Gegenstände und Kleidungsstücke auf, die wir ihr über den Tag hinweg vor der Haustür abgelegt haben.

Zusammen formen wir unsere Insel nach unseren Wünschen und entscheiden dabei demokratisch mit Abstimmung, was, wie und wo gemacht wird. Das ist natürlich nur eine Illusion, denn in Wahrheit bin ich der Maximo Lider und warte nur darauf, mein persönliches Inselparadies zu errichten und sämtliche Dissidenten im Teich hinter meinem Anwesen verschwinden zu lassen.

Arcade Träume werden war

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Mir fehlte immer der Platz für einen Raum voller Videospielautomaten und nun, da die ersten Kinder bereits wieder ausgezogen sind, rät mir mein Gewissen von solch einem Vorhaben ab. Gut, dass es Animal Crossing gibt! Nach nur einer Woche war mein Arcade Zimmer bereits ordentlich eingerichtet und neben drei wunderschönen Videospielautomaten, die den SEGA Astro City Cabs nachempfunden sind, zierte auch ein Krökeltisch und ein Flipper meine virtuellen vier Wände. Alles überhaupt nicht interaktiv und nur fürs Auge ABER SO GROSSARTIG OH MANN IST DAS SCHÖN, EY!

Online Deals mit Geld- und Warenübergabe

Neben einer an Amazon angelehnten Internetseite gibt es bereits unzählige Discordkanäle und Apps, über die man sich treffen und Spielgegenstände kaufen, beziehungsweise verkaufen kann. Zwei meiner Astro City Cabs habe ich so erworben und dafür auf einer fremden Insel irgendwo in der südlichen Hemisphäre bei Nacht und Nebel unter einer Palme zwei Säcke Geld gegen die Objekte der Begierde getauscht. Ebenfalls eine der großartigsten Spielerfahrungen der letzten Jahre.

Wenn einer eine Reise tut

Bereits in der ersten Woche habe ich mehre Inseln besucht und diverse Menschen aus meiner Freundesliste (die aufgrund Animal Crossing mittlerweile auf das dreifache Volumen herangewachsen ist) bei uns willkommen geheißen. Der Brauch des Willkommensgeschenks hat sich im Spiel freundlicherweise bereits etabliert und so geht ein Besuch oft mit neuen Gegenständen für die eigene Insel einher.

Einziger Dämpfer dieser Mechanik ist Nintendos Better-safe-than-sorry Online-Politik, die ein Geduldspiel der obersten Liga ist. Noch nie musste soviel so oft bejaht werden, nur damit man endlich mal auf die Insel eines anderen Spielers gelangt. Aber in Animal Crossing hört sich halt jede nicht spielbare Figur sehr gerne reden und alle wiederholen sich oft.

Höhepunkt der Inselbesuche war für mich ein Livestream, drüben bei Angespielt.tv, für den sich Host Monoxyd auf unsere Insel einlud und eine Art MTV Cribs veranstaltete. Es gab Street Food und Videospiele und zum Ende der Sendung hin trafen wir uns noch bei einem weiteren Spieler, der seine Insel für Besucher öffnete, weil dort der Rübenpreis extrem hoch war. Äh, was? Rübenpreis?

The Wolf of Rübezahl

Ja, Rüben sind sowas wie Aktien in Animal Crossing und jeden Sonntagvormittag kommt ein Ferkel auf die Insel und verkauft die begehrte Ware. Die nächsten sechs Tage geht der Preis, um dieses Gemüse wieder zu verkaufen, entweder nach oben oder nach unten. Also sucht man sich Menschen, auf deren Insel der Kurs extrem nach oben geschossen ist und verkauft dort. Da ist man dann meistens nicht der Einzige und jeder neue Besucher wird mit einer Zwischensequenz langatmig angekündigt, die nicht abgebrochen werden kann. Uff.

Flohmarktbesuche in Zeiten der Quarantäne

Bloggerkollege und Bruder im Geiste Redmaker hat auf seiner Insel einen Flohmarkt für Freunde veranstaltet. Auf einer abgesperrten Fläche konnten diverse Gegenstände und Kleidungsstücke getreu dem Motto Gib eins, nimm eins getauscht werden. Der Herr des Hauses beobachtete das Spektakel dabei aus sicherer Entfernung von seinem Gartentisch. Ich lachte. Und werde mir ein Beispiel an dieser Aktion nehmen und hoffentlich demnächst selbst mal so etwas auf die Beine stellen.

Ich könnte an dieser Stelle noch viel mehr darüber schreiben, was uns alles so im Spiel passiert ist. Gerade auf der Mehrspielerebene. Aber das sprengt eindeutig den Rahmen eines Texthäppchens. Das hier ist ja schon eine ganze Mahlzeit. Außerdem war es echt schwer, für diesen Text den Controller aus der Hand zu legen. Und den hol ich mir jetzt auch gleich wieder. Wir sehen uns auf Koriander, unserer Insel im Animal Crossing Ozean.

Die Koris.

p.s.: Sehr zuvorkommend von dem ansonsten eher extrovertierten Gorilla Hans, sich für das Gruppenfoto hinter der Tanne rechts im Bild zu verstecken. Der nervt so hart!