Es gab eine Zeit, da habe ich jeden Tag den eShop und die Huntdown Webseite aufgerufen und gehofft, dass dort nun endlich ein Erscheinungstermin für diese unglaublich hübsche Pixel-Nostalgie erscheinen würde. Denkste. Irgendwann war es dann komplett ruhig um das Spiel. Keine Neuigkeiten, keine Infos, nichts. Jetzt, mitten in einer globalen Pandemie, kam die Überraschung: Huntdown ist da! Einfach so, ohne viel Tamtam, dafür aber mit wunderschöner Optik irgendwo zwischen Bladerunner und The Warriors, einem Carpenter Brut-esquen Soundtrack und Cyberpunk-Feuergefechten, die mich direkt in die Achtziger zurück an meinen Amiga teleportieren zu scheinen. Kurzum: Ich bin begeistert.

Run’n’Gun Spiele mag ich heute leider nur noch mit abstrakten Elementen, wie es zum Beispiel beim großartigen My Friend Pedro der Fall ist. Es hat sich bei Huntdown allerdings schnell herausgestellt, dass ein simples Deckungssystem bei mir bereits in diese Kategorie fällt. So entwickelt Huntdown in meinem Fall nämlich eine sehr schöne Dynamik, wenn ich hinter Kisten, in Türrahmen oder in aufgesprengten Wänden Schutz vor herannahenden Kugeln suche. Der Rest ist zwar klassische 2D-Ballerei, allerdings keineswegs simple Kost. Hartnäckige Cyberpunks mit Schutzpanzer, agile Boten, die mit meinen Bonusgegenständen davonrennen und knifflige Bosse mit langen Lebensleisten wollen mit dem Einsatz maximaler Feuerkraft in ihre Schranken gewiesen werden. Das funktioniert dank meist fairer Rücksetzpunkte mit etwas Übung sehr gut und ist auch auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad kein Spaziergang, aktuell aber auch für mich als langsam in Jahre gekommener Spieler gefühlt zu schaffen. (Edit: doch nicht. EditEdit: doch. Aber gerade so und mit viel Rumschreien!)

Motivierend ist dabei vor allem die Präsentation, die sich glücklicherweise schamlos aus einem Pool aus Achtzigerjahre Action Kultur bedient. Robocop und wie eingangs bereits erwähnt Bladerunner sowie The Warriors sind Titel, die hier definitiv hineingemendelt wurden. Spielerisch erinnert mich das Ganze wie gesagt an die gute alte Commodore Amiga Zeit mit Spielen wie Techno Cop oder Persian Gulf Inferno. Untermalt mit passenden Sprachfetzen, die das Geschehen auf dem Schirm kommentieren und der angenehm flüssigen Bildrate versetzt mich diese Mischung in genau die richtige Stimmung.

Ebenfalls wie in den Achtzigern finden Mehrspielersitzungen lediglich auf dem heimischen Sofa und leider nicht im Internet statt. Ich kreuze aber mal die Finger und hoffe hier auf ein eventuelles Nachrüsten dieser Option. Für dieses recht heftige Pixelmassacker (Achtung, leichter Spoiler!) ist mir meine Tochter als Spielpartnerin in der Pandemie dann nämlich doch noch etwas zu jung. Auch wenn ich den Anteil an Blut und Gedärmen auf der niedrigsten von drei Stufen stehen habe.

Schmeißt euch in das Iron Maiden Muskelshirt, zieht den Tennis Visor über den Iro, dreht die Musik auf und ballert euch zur Ablenkung durch Huntdown. Es funktioniert.