Als ich mir vor ein paar Wochen Videos zum Switch Spiel Climbros im Netz anschauen wollte, weil der Trailer mein Interesse geweckt hatte, blieb meine Suche weitgehend erfolglos. Die magere Ausbeute an Mitschnitten beinhaltete unter anderem einen Fall, in dem ein offensichtlich körperlich beeinträchtigter Mensch Climbros am PC mit der Maus spielte, die er wiederum lediglich mit dem Kinn bediente. Beeindruckend, aber von wenig Erfolg gekrönt. Was mir zu der Zeit noch nicht klar war, mir nun, nach einigen Spielstunden an der Switch aber immer stärker bewusst wird: Die Kinn und Maus Methode ist wahrscheinlich die bessere Eingabemethode.

Das Erste, was Climbros tut, wenn ihr es startet, ist nämlich konsequent eurem Pro Controller den Saft abzudrehen. Dieses Spiel erlaubt genau eine Steuervariante, nämlich die, in der ihr mit einem um 90 Grad gedrehten Joy-Con spielt. Bekloppt, genau. Aber es wird noch besser. Ein Joy-Con hat in dieser Position vier sehr gut erreichbare Knöpfe und zwei Behelfsschultertasten, deren Bedienung eine Zumutung ist, deren Design einer Katastrophe gleicht und die das Wort Schultertaste mit ihrer bloßen Existenz für immer und ewig durch den Dreck gezogen haben. Und jetzt ratet mal, womit Climbros gespielt wird? Exakt.

Mit der rechten Schultertaste (Ahh!) lasst ihr euer Pixel-Alter-Ego springen, mit der linken Schultertaste (Nein!) haltet ihr euch an Wänden fest und klettert an diesen entlang, in dem ihr sie gedrückt haltet. Was ihr gefühlt zu 90 Prozent im Spiel tut und das fühlt sich nach einiger Zeit tatsächlich wie eine Free Climbing Tour am Yosemite an, wenn ihr euren linken Zeigefinger nicht mehr spürt. Drückt ihr die rechte Schultertaste (Hilfe!) während des Sprungs erneut, werft ihr einen Kletterhaken in etwa der Richtung in die ihr den Stick haltet. Dieser Haken ist eure einzige Sicherheit nicht in den Abgrund und somit den sicheren Tod zu fallen. Mit dieser Kombination aus springen, klettern und im richtigen Moment den Haken werfen erkundet ihr die luftigen Höhen sehr schön gestalteter Pixelumgebungen. Diese hält Aufgaben bereit, die ihr in Form von Checkpoint Rennen erledigen müsst, die in ihrer Herausforderung zwischen Okay und Meine Fresse schwanken.

Neben optionalen Nebenaufgaben und schönen Ecken zum Erkunden, hält jedes Areal auch einen Boss bereit. Deren Frustpotential erwies sich bei mir als exorbitant. Es ist schon länger nicht mehr vorgekommen, dass ich einen Controller durchs Wohnzimmer geschmissen habe. Bei Climbros habe ich beim sogenannten The Boss nach einem erfolglosen, zweistündigen Marathon den Joy-Con sogar komplett zerstört, weil mir das Spiel auch nach dem fünfzigsten Versuch einfach keinen Tipp gab, was ich bei der vierten Welle zu tun habe, um erfolgreich aus dem Duell hervorzugehen. Auweia. Das hatte ich zuletzt auf der Playstation 2 bei Mark of the Kri und das ist Jahrzehnte her.

Apropos Exkremente: Wenn dem Spieldesigner nichts mehr einfällt setzt er ein Zeitlimit. Sorry, aber Zeitlimits gehen gar nicht. Vor allem nicht, wenn die Steuerung wie in diesem Fall einfach nicht einhundertprozentig gut ist. Ich schätze, dass ich zwei Drittel meiner Spielzeit mit Climbros vertan habe, weil ich die Schultertasten (Aufhören!) des Joy-Cons nicht richtig gedrückt habe. Dabei ist der Rest so gut. Es macht Spaß die Areale zu erkunden, nachdem ich die Steuerung erst einmal halbwegs eingeübt hatte. Es ergaben sich tolle Momente, wenn der Kletterhaken mich knapp vor dem Falltod rettete oder ich dessen Schwung nutzen konnte und punktgenau und sicher landete. Oder wenn ich meine Finger wieder einmal kaum noch spürte und ich mich einfach am Kletterhaken habe baumeln lassen, bis das Blut wieder bis in die Spitzen floss, während ich die Szenerie genoss. Und während ich diese Zeilen tippe, habe ich mehr und mehr das Gefühl, dass es vielleicht genau das ist, was die Entwickler damit erreichen wollten: Das auch mal schmerzvolle Gefühl an einer echten Wand zu klettern.

Möglich. Was sie auf jeden Fall erreicht haben, ist mir die Laune beim hoffentlich finalen Boss zu verderben. Und zwar so richtig. Schade. Falls doch noch die Unterstützung des Pro Controllers nachgepatcht wird, werde ich einen neuen Anlauf unternehmen, dieses Spiel erfolgreich zu beenden. Ich werde berichten.