Die Beziehung zwischen SNK, Erfinder und Entwickler des großartigen Neo-Geos und mir ist angeschlagen. Wir haben uns entfremdet. Nicht enden wollende Wiederauflagen immer gleicher Spiele, unzählige Sammlereditionen und wenig wirklich Neues ziehen zielstrebig an meinem persönlichen Interesse vorbei. Über SNK Heroines konnte ich mich nur fremd schämen und The King of Fighters war nie meine Lieblings Spielserie auf dem Neo-Geo. Nicht so bei Samurai Shodown. Kein anderes Neo-Geo Spiel hat noch heute einen so festen Platz in meinem Herzen wie Samurai Shodown IV: Amakusa’s Revenge.

Deswegen habe ich mich auch sehr gefreut, als sich die Demo des aktuellen Teils für die derzeitige Konsolengeneration eben genauso spielte, wie damals Teil Vier. Möglicherweise spielte sich ja Teil Fünf auch schon so, aber den habe ich damals nur kurz angezockt. Trotz der Ähnlichkeit Samurai Shodowns zu Amakusas Revenge hat es dennoch ein paar Monate gedauert, bis ich mich endlich dazu durchringen konnte, wieder Geld für ein Beat ‘em up auszugeben.

Und jetzt macht mir Samurai Shodown heute fast noch genau soviel Spaß wie früher. Nur fast, denn lokale Runden sind aufgrund der Pandemie natürlich nur begrenzt möglich und die Online Funktion des Spiels bringt leider zwei Probleme mit sich. Zum einen erfordern lagfreie Matches einen Lan-Adapter auf der Switch (Check!) und möglichst einen Gegner im selben Territorium. Das Gros der Spieler tummelt sich meiner Erfahrung der letzten Wochen nach allerdings in den Amerikas. Zum anderen bin ich keine Zwanzig mehr und dummerweise auch nicht mehr der Beste im Samurai Shodown Spielen. Verdammt! Ich werde überwiegend nach Strich und Faden abgezogen und persönliche Rekorde messe ich nur noch an der Tatsache, wie knapp ich wieder verloren habe oder ob ich zumindest einen Ehrenpunkt verzeichnen konnte.

Auch, dass sich das Bild Samurai Shodowns online nicht mit dem meiner Vergangenheit deckt, schmerzt mich. Bei uns war der Name Programm. Wir spielten Haohmaru, Jubei, Ukyo, Nakoruru oder Hanzo. Duelle, die mir auch heute online noch immer ob ihrer Atmosphäre das Adrenalin nach oben treiben. Viel zu oft wird mir der virtuelle Hintern allerdings von überdimensional ausgestatteten Waifus oder Riesen wie Tam-Tam und Earthquake versohlt, deren Attacken unfairer Weise gefühlt gesamten den Bildschirm abdecken. Ich merke wie meine Motivation gegen diese Gegner schnell sinkt, während ich bei anderen Matches auch beim Verlieren noch großen Spaß habe. Natürlich ist das stark subjektiv und meiner Erinnerung an alte Samurai Shodown Sessions mit Freunden geschuldet.

Hinzu kommen die heute normalen DLC Kämpfer, die einzeln oder mit Staffelpässen hinzugekauft werden müssen. Bei Vollpreisspielen mit einem derart überschaubaren Kader wie hier bei Samurai Shodown ergibt das für mich immer noch einen sehr bitteren Beigeschmack. So spiele ich weiterhin den gelungenen Ironman Modus des Spiels, der mich nacheinander gegen zehn, 50 oder 100 Gegner antreten lässt, während das Matchmaking im Hintergrund nach geeigneten Spielern für ein Online Duell Ausschau hält. So kommt fast perfekte Arcade Atmosphäre auf, wären da nicht die heftigen Ladezeiten bei der Switch-Version. Dabei fühle ich mich eher an alte Neo-Geo CD Zeiten zurück erinnert. Das hat ja aber auch was von Nostalgie.