Give the drummer some! Das klingt nach geschmeidigem Funk, aber der steht jetzt mal außen vor, denn bei Double Kick Heroes steht zwar der Schlagzeuger im Vordergrund, allerdings nicht der Funky Drummer, sondern der Metal Drummer.

Und das ist zu allererst mal ganz großartig in Szene gesetzt. Der Schlagzeug spielende Held ist nämlich Teil einer Metal Band, deren letzter Gig sich unglücklicherweise mit der Zombieapokalypse überschnitten hat. Im schönsten Pixel Look flüchten die Musiker daraufhin im Bandmobil vor allerlei Untoten, Dämonen, Monstern und was sich sonst noch so auf Metal Plattencovern tummelt. Der Clou des Gefährts: Am Heck befinden sich zwei Kanonen, die dort mit dem Schlagzeug der Band verbunden sind. Betätige ich die erste Kick Drum, schieße ich in den unteren Bereich der Straße, spiele ich die zweite Kick Drum, schieße ich entsprechend in den oberen Bereich.

Wie bei Musikspielen, zum Beispiel bei Taiko No Tatsujin, üblich huschen nun von rechts nach links Symbole vorbei, die den Beat angeben und möglichst im Takt nachgespielt werden müssen. Daraufhin wird erfolgreich auf die Horde geschossen, die mich verfolgt. Mache ich wenig Fehler und spiele ich immer genau im Takt, erhöht sich mein Combometer und damit auch die Feuerkraft. Alles simpel, bis es nicht mehr simpel wird.

Double Kick Heroes ist so unglaublich schwer, dass ich bereits im zweiten von fünf Schwierigkeitsgraden spätestens dann keine Sonne mehr sehe, wenn ich Kick und Snare Drum spielen muss. Glücklicherweise gibt es den Rock-Schwierigkeitsgrad, der hier für Kuschelrock steht, und der es Spielern wie mir erlaubt, lediglich die Kick Drum zu spielen, woraufhin ich mich weitgehend wie durch Butter bis ans Ende des Spiels getrommelt habe. Fairerweise muss ich allerdings erwähnen, dass Double Kick Heroes die Möglichkeit bietet, einzelne Parameter der Schwierigkeitsgrade nach Gusto anzupassen. Da dürfte also für jeden etwas dabei sein.

Die Zielgruppe ist aber definitiv der Pro-Spieler, der auf zwei Spuren Kick und Snare Drums spielt, Granaten und Sniper Schüsse im richtigen Moment triggert und dabei noch den Wagen steuert um bei Bosskämpfen deren Attacken auszuweichen. Da kann ich nur verlegen lachen, denn ich wüsste nicht ansatzweise, wie ich das zu Stande bringen sollte. Ich konnte, und das ist kein Scherz, nicht einmal wahrnehmen, was in der oberen Hälfte des Spiels überhaupt passiert, weil ich mich die ganze Zeit über auf die zu spielende Spur darunter konzentrieren musste. Einmal habe ich am Ende eines Songs ein Achievement für das Besiegen eines Hais bekommen, den ich jedoch nie wahrgenommen habe. Er wurde mir von meiner Frau bestätigt, die zuschaute.

Leider hat sich die Möglichkeit, die Lieder mit den Joy-Con auf der Switch nachzutrommeln, lediglich anfangs als äußerst cool und spaßig erwiesen. Spätere Songs, bei denen die Bassdrum teilweise ewig im Sechzehntel Takt gespielt werden muss, lassen die Hardware an ihre Grenzen stoßen, die dann nur noch jeden zweiten Schlag erkennt. Vielleicht bin ich aber auch zu langsam. Wer es trotzdem probieren will, hat hier sogar die Möglichkeit sich zwei Joy-Con in die Socken zu stecken und zwei in die Hand zu nehmen. Das klingt fantastisch und auch ein bisschen wahnsinnig.

So blieb mir nur die Möglichkeit, die Knöpfe auf dem Controller zu nutzen und auch hier haben die Entwickler daran gedacht, die Konfiguration dem Spieler zu überlassen. Ich habe für mich die Schultertasten zu optimalen Trommelstöcken erklärt und meine Fresse, taten mir da manchmal die Finger weh. Auf eine gute Weise. Der Respekt vor Schlagzeugern in Metal Bands stieg hier mit jedem Song enorm.

Apropos Songs: Hier gibt es soviel zu spielen, dass niemand meckern kann. Wo anderswo an dieser Stelle mit DLC und In-Game Käufen genervt wird, ist bei Double Kick Heroes soviel Inhalt fürs Geld da, dass es eine wahre Freude ist, sich durch die große Auswahl zu wühlen und sich in meinem Fall schmunzelnd zu fragen, ob es die dort angegeben Musikrichtungen mit illustren Namen tatsächlich gibt.

Und auch als handfester Hip-Hopper ohne Nähe zum Metal hatte ich mit diesem Road Movie Metal Rhythmusspiel verdammt viel Spaß. Auch ohne Joy-Con Steuerung und trotz der Tatsache, dass ich auf Easy gefühlt nur die unteren zehn Prozent der komplexen Spielmechanik angekratzt habe. Ich plane aber schon, mich der nächsten Herausforderung, nämlich der des Hard Rock Grades zu stellen. Weiter hoch gehe ich aber sicher nicht.