Ron Perlman war Hellboy im Kino. West of Dead klaut dreist Mike Mignolas Zeichenstil der Original Hellboy Comics und Ron Perlman verleiht dessen Protagonisten eine Stimme. Der Kreis schließt sich und ich bin hellauf begeistert. Pun intended.

West of Dead versetzt mich ins höllische Fegefeuer zur Zeit des Wilden Westens und zwar genreüblich in Abschnitte düsterer Katakomben. Denn West of Dead ist ein Rogue-like. Ich ziehe los, wähle zu Beginn zwei der zufällig aus einem Pool verfügbarer Waffen bereitgestellten Feuerwaffen aus und suche danach Raum für Raum vor allem nach Deckung.

West of Dead ist ein Deckungsshooter, dessen Mechanik stark von den überall herumstehenden Sarkophagen und Kisten beeinflusst wird. Während ich in deren Deckung nämlich nicht getroffen werden kann, laden sich auch meine Waffen schneller auf. Denn manuelles Nachladen gibt es bei West of Dead nicht. Dafür aber eine Abkühlzeit für jede Waffe, bis sich diese wieder automatisch auflädt. So entsteht ein ganz eigener Flow, an den ich mich erst einmal gewöhnen musste. Ist diese Hürde genommen, wirkt West of Deads Gameplay aber wie ein Tanz, wenn ich aus der Deckung heraus beim Schießen mitzähle, mit leeren Magazinen die Deckung wechsele, weil sich Gegner nähern, mit nachgeladenem Magazin wieder angreife und das Ganze so lange wiederhole, bis alle Gegner im Raum erledigt sind.

Der Tod bedeutet bei West of Dead wie bei Rogue-likes üblich Verlust. Gesundheitsupgrades und aufgepowerte Waffen werden wieder auf Null gesetzt. Die in verschiedene Kapitel aufgeteilte Geschichte wird dagegen weitererzählt und durch Bosskämpfe in den neun Abschnitten der Katakomben vorangetrieben. Erledigte Gegner verlieren ihre Sünde in Form von weißen Kugeln, die mir als Währung für den Ausbau des Waffen- und Fallen-Pools dient. Auch dieser Pool bleibt nach dem Tod bestehen und bietet so nach und nach neue und stärkere Waffen, die ich dann mit etwas Glück beim nächsten Durchgang in den Katakomben finde.

Die Waffen unterscheidet das Spiel dabei in vier Kategorien: Revolver machen wenig Schaden, haben aber mehr Schüsse im Magazin. Pistolen haben kleine Magazine, aber deutlich mehr Feuerkraft. Bei Gewehren muss mit gedrückt gehaltenem Trigger erst eine kurze Zeit gezielt werden, damit sie hohen Schaden anrichten und Flinten sind wahnsinnig durchschlagend, allerdings nur auf kurze Distanz und mit den kleinsten Magazinen. Hier gilt es die eigene, optimale Präferenz zu finden.

Was mir an West of Dead so gut gefällt ist, dass es so hervorragend gut als Pick-up and Play Titel funktioniert. Immer mal wieder stürze ich mich für zehn oder zwanzig Minuten ins Getümmel, kann jederzeit abbrechen und später weitermachen, weil der Spielstand laufend gesichert wird. Kann. Viel zu oft werden aus zwanzig Minuten aber dennoch zwei Stunden und daraus resultierend eine sehr kurze Nacht. Nur noch das eine Mal! Da die Option besteht, nur noch schnell den ersten Abschnitt zu spielen und dann eine Pause einzulegen, betrüge ich mich viel zu oft selbst und lege die Pause doch nicht ein. Nach dem nächsten Tod dann aber! Oder danach, oder … oh, die Sonne geht auf!

Mir ist bewusst, dass West of Dead polarisiert. Spieler scheinen es entweder zu lieben oder zu hassen. Dazwischen kann ich nicht viel ausmachen. Es gibt Titel, bei denen ich das ehrlich gesagt besser verstehe. West of Dead aber macht für mich als Rogue-like ziemlich viel richtig, ist im Xbox Gamepass enthalten und läuft sogar auf der Switch sauber in 50 bis 60 Bildern pro Sekunde. Außer in Abschnitt Zwei, wo es aufgrund der Wettereffekte kaum merklich schlechter läuft. Ich finde das Spiel super. Sauschwer, aber super. Ich glaube nicht, dass ich es in naher Zukunft durchspielen kann, aber ich weiß, dass ich es noch sehr lange spielen werde.