Eine Station in Rebel Galaxy Outlaw

Ein Jahr habe ich darauf gewartet, dass der Indie Titel Rebel Galaxy Outlaw endlich auf Konsolen erscheint. Zwölf Monate, in denen ich wöchentlich auf einen Erscheinungstermin hoffte. 365 Tage, in denen ich mir immer wieder ausmalte, wie sich diese auf Action ausgelegte Arcade Space Sim wohl spielen würde. Fünf Minuten hat es gedauert, bis mir mein Startraumschiff das erste Mal laut krachend unter dem virtuellen Hintern weggeschossen wurde. Es folgt eine Leidensgeschichte.

Das Setting von Rebel Galaxy Outlaw könnte nicht cooler sein. Der Dodge Sektor, Schauplatz des Spiels, beheimatet Systeme wie Kansas, Nevada und Wyoming. Im Radio läuft Rock, Blues und manchmal auch Jazz. Sicherheitskräfte und Polizisten melden sich per Videoübertragung zur verdachtsunabhängigen Kontrolle mit texanischem Dialekt. Über den selben Kanal kann ich den Beteiligten des Weltraumverkehrs gezielt den Mittelfinger zeigen. Rebel Galaxy Outlaws spirituelle Vorfahren heißen Firefly und Cowboy Bebop. Im Zentrum dieser großartigen Mischung steht Protagonistin Juno, die auch die junge Han Solo sein könnte. In ihrer Haut bin ich Schmuggler, Kopfgeldjäger, Trucker oder Pirat. Was ich abseits der Hauptmissionen mache, um meine Taschen mit nötigem Kleingeld zu füllen, bleibt mir überlassen.

Während ich im Vorgänger noch mächtige Fregatten steuerte und sich die Kämpfe über Geschütztürme sehr nautisch anfühlten, bietet der Nachfolger Outlaw lediglich kleinere Jäger und Transporter und knallharte Dog Fight Szenarien. Hier die erste Überraschung: Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad reicht es, die Schultertaste zu halten und mein Raumjäger fliegt automatisch und optimal hinter dem anvisierten Gegner her. Ich muss lediglich primäre und sekundäre Feuersysteme bemühen, um die Zweikämpfe zu entscheiden. Zumindest in der Theorie.

In der Praxis muss ich stetig den Energieverbrauch zwischen Schild-, Waffen- und Triebwerksystemen optimieren, notfalls die gesamte Energie auf die Schilde umleiten oder andersrum Energie zurück ins System speisen, falls es Zeit wird schnell abzuhauen. Ich muss über eine taktische Karte die richtigen Ziele auf dem Schlachtfeld auswählen. Ich muss den Hasenfuss bemühen, um mich selbst in eine bessere Position zu bringen, wenn mein Reparatursystem Zeit braucht, grobe Schäden an meinem Schiff zu beheben. Ich muss … schreien. Am liebsten schreie ich bei Rebel Galaxy Outlaw laut.

Denn all das ist nicht einfach und die Balance der zufälligen Gefechte im Dodge Sektor schwanken zwischen Einfach bis Nach-zehn-Sekunden-tot. Immer wieder lande ich im Hauptmenü des Spiel, weil ich wieder gnadenlos über den Haufen geschossen wurde, immer wieder stürze ich mich erneut ins Getümmel und verliere wieder. Es macht es nicht einfacher, dass die Konsolenfassung nach einem Jahr Wartezeit offensichtlich immer noch mit etwas Eile portiert wurde. Dass der aufwendige Mini-Photoshop Editor zum Verschönern des eigenen Schiffs der PC Fassung nicht auf der Konsole gelandet ist, verwundert nicht. Dass es aber nichtmal vorgefertigte alternative Lackierungen gibt, ist ausgesprochen schade.

Genau wie die fehlende Möglichkeit, die Steuerung anzupassen, die auf dem PC sehr wohl existiert. Das hat schon anderen Weltraumspielen wie Everspace nicht geholfen. Dort kann ich immerhin die Funktionen der beiden Sticks tauschen und muss nicht wie jetzt bei Rebel Galaxy mit einem Kontrollschema leben, dass mir so gar nicht passt und mich obendrein auch noch zwingt, zum Boosten des Afterburners den linken Stick zu drücken. Es gibt wenig Designentscheidungen, die ich geringer wertschätze als den Einsatz dieser Behelfstaste. Aber den Stick drücken zu müssen, mit dem ich gleichzeitig mein Raumschiff fliegen muss, ist einfach an Komfort und Kontrolle kaum zu unterbieten. Ich wünsche mir so sehr, dass hier ein zukünftiger Patch Abhilfe schafft. Oder das zukünftige Konsolen endlich eigene Tastenbelegungen als Profile für einzelne Spiele zulassen.

Nach zwei Wochen täglichen Spielens, unzähligen Toden und einer kaum erkennbaren Lernkurve bei den Story Missionen habe ich aufgegeben. Ich habe kurzerhand den Rogue-like Titel Hades gekauft, diesen eine halbe Stunde gespielt und dabei weiterhin nur an eins gedacht: An Rebel Galaxy Outlaw. Genervt bin ich an dem Abend einfach ins Bett gegangen, anstatt mir weiter die Zeit mit Spielen zu vertreiben, wie es sich gehört.

Am nächsten Tag habe ich einen Entschluss gefasst, der für mich ein guter Kompromiss ist, Spaß mit Rebel Galaxy Outlaw zu haben. Sehr viel Spaß. Denn eine Sache macht dieses Spiel so gut, dass ich sie nicht missen möchte: In keinem anderen Spiel macht es mir mehr Laune ein Space Trucker zu sein. Denn da ist das Setting einfach perfekt. Also habe ich mich mit Transportaufträgen quer durch den Dodge Sektor eingedeckt, habe mir ein dickes Frachtschiff zugelegt und investiere meine Gewinne aus den Frachtflügen nach und nach in die beste Technik, die ich am Markt kaufen kann. Zwischendurch spiele ich in den Weltraumhäfen eine Runde Pool, versuche meine High Score im spieleigenen Asteroids Klon zu schlagen oder fotografiere mein Schiff im Fotomodus. Die Hauptmissionen ignoriere ich dabei komplett. Mittlerweile kann ich mich bei zufälligen Begegnungen mit Piraten dieser ganz gut erwehren, obwohl es immer noch passiert, dass ich mal wieder chancenlos überrannt werde. Aber Rebel Galaxy Outlaw speichert meinen Fortschritt zum Glück regelmäßig selbst.

Ich sage es wie es ist: Ich könnte das ewig so weitermachen. Noch hängt mir das Radioprogramm, welches für eine Indieproduktion wirklich enorm ausgefallen ist, nicht zum Hals raus. Genau wie die eingeschobenen Animationen, wenn ich den Autopiloten für Sprünge zwischen zwei Systemtoren aktiviere. So ergibt sich eine Space Trucker Atmosphäre, die einfach einmalig ist. Und mit zunehmend durchschlagender Bewaffnung kann ich endlich auch die Zweikämpfe genießen.

Dass ich dabei auf die gestochen scharfe Optik und die flüssige Bildrate der Playstation Pro Variante verzichte und lieber die leicht unscharfe und auf 30 Bilder pro Sekunde gelockte Switch Version spiele, liegt vor allem an den Triebwerken meiner Playstation Konsole, die sich zum Ende ihrer Ära scheinbar aus eigener Kraft ebenfalls in Richtung Sterne tragen möchte. Auch hier wäre mir ein Patch recht, der beim Nintendo Port noch etwas nachbessert.

Und bei der Gelegenheit bitte gleich noch die Möglichkeit integrieren, den Gegner beim Pool nach einer Niederlage ehrenvoll mit dem Blaster unter dem Billardtisch zu erschießen. Das wäre mir sehr wichtig.

Juno shot first!