In Other Waters ist das trockenste Unterwasserspiel, das ich kenne. Bumm-Tiss! Danke schön, danke schön!

Ist aber so und beinahe hätte ich diesen Titel bereits nach den ersten zehn Minuten wieder zu den Akten gelegt. Einerseits bediene ich hier lediglich minimalistische Benutzeroberflächen und sehe nur eine reduzierte Radaransicht von meiner Umgebung, andererseits muss ich bei den geschriebenen Dialogen genau aufpassen, keine wichtigen Details zu verpassen. Mein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom lachte laut.

Und bereits nach einer halben Stunde wusste ich nicht mehr weiter. Aber irgendwas an diesem Titel hielt mich dennoch fest und ich tauchte immer wieder aufs Neue hinab in die Tiefen von Gliese677cc, einem Exoplaneten, ich schätze mal irgendwo im 677. Sternensystem nach Wilhelm Gliese. Wie es dort aussieht vermittelt mir erst einmal nur das Cover des Spiels: viel grünblaues Wasser. Weitere Details entnehme ich der textlichen Beschreibung von Wegpunkten, die ich auf dem Radar scanne. Unterwassersimulation trifft Text Adventure. Ich finde diese trockene Art der Präsentation sehr interessant und durchaus gelungen.

Das Spielprinzip ist einmal verstanden relativ simpel: Ich scanne als Künstliche Intelligenz für eine Wissenschaftlerin nach Wegpunkten, Flora und Fauna. Über erstere bewege ich mich durch die Spielwelt, letztere dienen der Forschung und sind in Form von handfesten Proben auch mal Gegenstand kleinerer Rätsel. Primär bringe ich die Proben aber an verstreuten Wegstationen ins Labor, wo ich sie untersuchen und katalogisieren kann.

Verschiede Arten der Proben ergeben irgendwann ein komplettes Forschungsergebnis einer extraterrestrischen Pflanze oder Lebensform. Erst dann und anhand einer Skizze bekomme ich einen Eindruck, wie die Umgebung von Gliese677cc wirklich aussieht. So füllt sich der Katalog nach und nach mit Exponaten und ich fühle mich tatsächlich wie ein aktiver Xenobiologe in einer fremden Welt.

Nebenbei löse ich das Geheimnis um die Kollegin meiner Auftraggeberin, die bereits vor ihr auf Gliese677cc ankam und nun verschwunden ist. Nicht, ohne überall in der Umgebung kryptische kleine Hinweise für eine ordentliche Schnitzeljagd hinterlassen zu haben.

Intuitiv ist In Other Waters defintiv nicht und zugänglich ist ebenfalls nicht das Adjektiv, das dieses Spiel gut beschreibt. Wer aber den schwierigen Einstieg überwindet und trotz reduzierter Optik Lust am Entdecken einer fremden Welt hat, kann recht schnell und tief in dieselbe hineingezogen werden. Der hypnotisierende Soundtrack und die puristische Ästhetik trafen bei mir jedenfalls auf die richtigen Rezeptoren und bescherten mir ein ganz außergewöhnliches und durchaus einmaliges Spielerlebnis.

Ein tolle Stimme, die sämtliche Monologe im Spiel spricht, wäre hier noch das i-Tüpfelchen gewesen. Deren Abwesenheit ändert aber nichts an meinem durchweg positiven Fazit zu diesem Spiel. Ich hätte gerne mehr davon.