Prost!

Schon länger spähte ich regelmäßig und voller Neid über den Zaun aus alten Cherry Tastaturen rüber ins PC-Spieler Lager derjenigen, die Deep Rock Galactic zocken konnten. Zwar gab es bereits ein Game Trial für die Xbox One, aber so richtig getraut habe ich mich da auf meiner Xbox One S nicht. Schließlich ist alles unter 60 Bildern pro Sekunde bei Spielen aus der Ego Perspektive Mist. Jetzt, mit der Series S neben dem TV-Gerät und Deep Rock Galactic im Xbox Game Pass, komme ich aber endlich auch in den Genuss dieses Titels und, meine Fresse, ist das ein Brett.

Die Prämisse klingt auf dem Papier schon ziemlich cool: Vier Zwerge werden vom Orbit aus mit einer Kapsel ins Erdreich fremder Planeten geschossen, um dort wertvolles Gestein und Mineralien abzubauen, während extraterrestrisches Getier den Minenarbeitern an die Kutte wollen. In der Praxis und nach zweijähriger Early Access Phase ist das Ganze dann Stand heute dermaßen großartig und stromlinienförmig umgesetzt, dass es eine wahre Freude ist, sich in den dunklen Gängen der Höhlensystem zu verlaufen, nach wertvollen Materialien zu suchen und Schwärme arachnoider Aliens mit kurzen, präzisen Feuerstößen in grünen Schleim zu verwandeln.

Damit die Zwerge sich in den dunklen Gängen zurechtfinden können, gehört die Leuchtgranate zur Grundausrüstung. Freundlicherweise regeneriert sich deren Bestand regelmäßig, weshalb bereits nach kurzer Missionsdauer überall inflationär eingesetzte, ausgebrannte Leuchtmittel herum liegen. Wenn wir schon fremde Planeten ausbeuten und deren Ökosystem mit der Schrotflinte aus dem Gleichgewicht bringen, dann doch bitte auch mit viel Müll. Und damit die guten Sachen wieder mit nach Hause kommen, begleitet ein Roboter die Mission, der als Sammelstelle für sämtliche ergatterten Schätze fungiert. Verschiedene Klassen wie Bohrer, Späher, Maschinist und Schütze übernehmen unterschiedliche Aufgaben im Team und sorgen so im Idealfall für einen runden Ablauf des Einsatzes. Im Normalfall regiert natürlich viel öfter das Chaos, wenn zum Beispiel plötzlich das Licht ausgeht, jemand abrutscht und in die Tiefe fällt oder wenn aus dem Dunkeln heraus seltsame Geräusche und ziemliche große leuchtende Augen treten. Es ist fantastisch.

Aber Deep Rock Galactic ist als Koop Spiel ausgelegt und ich bin nach wie vor ein Koop Muffel. Das passt ja nicht so richtig zusammen. Aber auch da beweist das Spiel eine perfekte Optimierung. Gehe ich nämlich alleine auf die Jagd, wird mir Bosco, eine treue, fliegende Drohne zur Seite gestellt, die ich mit einem Laser Pointer dirigieren kann. Bosco hält mir so regelmäßig den Rücken frei, baut wichtige Ressourcen ab und kann später sogar mit schwerem Geschütz an meiner Seite kämpfen. Und das macht richtig viel Spaß. Aktuell nur auf der niedrigsten Gefahrenstufe und damit für weit weniger Bonus am Ende einer abgeschlossenen Mission als möglich, aber zu was Gier bei Zwergen führt, wissen wir ja schon seit dem Herrn der Ringe. Und ja, auch ich habe bei Deep Rock Galactic schon zu tief gegraben.

Trotzdem habe ich die letzten Nächte damit verbracht, an der Seite von Bosco und meinem Laderoboter tiefe Gänge zu inspizieren, tonnenweise Materialen abzubauen, portable Raffinerien aufzustellen, Fernleitungen zu legen, monströse Eier zu bergen, Transportroboter zu beschützen und und und. Die Abwechslung bei den Missionstypen lässt ebenfalls kaum Wünsche offen. Wieviele aggressive (und im Eifer des Gefechts manchmal schon auch mal friedliebende) Fauna ich dabei über den Haufen geschossen habe, will ich lieber gar nicht so genau wissen.

Deep Rock Galactic ist genau mein Ding, das dürfte hier unschwer herauszulesen sein. Und es wird mich wohl so schnell auch nicht mehr loslassen. Ich fühle mich auf der Brücke des Frachters im rostig industriellen Chic jedenfalls sehr wohl.

Witziger Fakt: Die tolle Mission Control Stimme, die unter Tage vor herannahenden Schwärmen warnt und die ich irgendwo zwischen Isaac Hayes und Neil deGrasse Tyson eingeordnet habe, gehört Robert Friis, seines Zeichen Gründungsmitglied und Art Director des Deep Rock Galatic Entwicklers Ghost Ship Games.