Seit gut einer Woche habe ich jetzt die Bilder von Fatih Akins Film Der Goldene Handschuh im Kopf und obwohl es genau das ist, was ich im Film suche, nämlich die Nachhaltigkeit, mag ich es in diesem speziellen Fall leider nicht. Aber ich bin ja selbst schuld. Warum gucke ich mir auch einen Film an, über den der Regisseur selbst sagt, dass Frauen ihn sich lieber nicht anschauen sollten? In einer Zeit, in der das Konstrukt Hollywood an Männern zerbricht, die ihre Machtfantasien nicht unter Kontrolle haben? Wahrscheinlich, weil ich hoffte einen Grund zu finden, Akins hohes Ansehen in meinem Kopf weiterhin aufrechtzuerhalten. Wohl, weil ich hoffte, der künstlerische oder gar satirische Effekt, der damals schon Mann Beißt Hund in Waage hielt, sei auch bei der Buchverfilmung von Der Goldene Handschuh gegeben. Ich fand nichts von all dem. Stattdessen musste ich mir Vergewaltigung, Mord und Selbstzerstörung in einer abartig realistischen Inszenierung anschauen, die aus handwerklicher Sicht einfach alles richtig macht. Das erschreckend gute Schauspiel aller Beteiligten zum Beispiel. Oder die im Vergleich zu den Archivbildern des Abspanns beinahe identisch nachgebildete Szenerie. Und natürlich die alptraumhafte Maske des Hauptdarstellers. All das ist, untermalt von grausamen Schlagern der Siebziger Jahre, so hart, dass ich mich frage, ob einzelne Mitglieder des Ensembles nach Feierabend noch ein lustiges Taschenbuch gelesen haben oder direkt zur Gruppen-Therapie getorkelt sind. Der Goldene Handschuh ist abartig, pervers und perfekt. Aber ich hätte ihn lieber nicht gesehen.