Roguelikes, also Spiele, bei denen ständiges Scheitern Programm ist und ich immer wieder in eine prozedural erzeugte Welt geworfen werde, in der ich hoffe, eine gute Waffe zu finden, mit der ich dann maximal zwei Bosse besiege, üben einen seltsamen Reiz auf mich aus. Warum das so ist, verstehe ich selbst nicht so ganz. Wohl, weil bei diesen Spielen mehr als sonst der Weg das Ziel ist. Ich mache mir keine Hoffnung diese Spiele je zu beenden, ich will nur sehen, wie weit ich dieses Mal komme. Im optimalen Fall mit meiner Frau oder meiner Tochter im Koop Modus. Und obwohl Enter the Gungeon, das mittlerweile bereits fünf Jahre alt ist und gerade das offiziell letzte kostenlose Update (A Farewell to Arms) bekommen hat, ein Twin Stick Shooter ist und ich gar keine Twin Stick Shooter mag, habe ich aktuell ganz großen Spaß mit diesem Spiel.

Das liegt auch ein wenig an der allgegenwärtigen Schusswaffen Thematik, die das Wortspiel im Titel ja bereits leicht andeutet. Das Ganze sieht ehrlich gesagt aus, wie ein spielgewordener Traum der National Rifle Association Bande, kann aber durch die liebevolle Pixelgrafik eine nötige Distanz zu diesen realexistierenden Vollidioten aufbauen. Ich habe die Faszination Schusswaffe in zahlreichen Räuber und Gendarm Spielen auf den Wiesen meiner Kindheit sehr genossen und bin mittlerweile reif genug, sie da auszuleben, wo sie hingehört: Auf dem Paintball Feld oder eben in Videospielen. Und so freue ich mich über jeden Gegner im Spiel, der einer Patrone, einer Granate oder einer Stange Dynamit nachempfunden ist.

Aber Enter the Gungeon ist ein Roguelike der härteren Sorte. Hier gibt es keine Upgrades, die meine Figuren mit der Zeit immer stärker, widerstandsfähiger oder sonst wie besser machen. Alles, was ich hier mit der harter Währung, die es nur für besiegte Bosse gibt, an neuen Waffen oder Hilfsgegenständen freischalte wird lediglich in den Pool geworfen, aus dem die Schatzkisten ihren Inhalt generieren. Ich werde also nicht besser, sondern lediglich die Katakomben, durch die ich mich bewege. Später kommen noch Abkürzungen dazu, um zumindest tiefer im Spiel einsteigen zu können, aber da ist die Nächstenliebe bei Enter the Gungeon auch schon vorbei. So fehlt zum Beispiel im Gegensatz zu Wizard of Legend jeglicher Fortschritt, wenn ich in einem Durchgang mal nicht einen Boss besiege. Was recht häufig vorkommt. Das ist hart und keinesfalls fair, aber irgendwie gerade genau das richtige für mich.

ABER WENN ICH DEN PENNER ERWISCHE, DER DACHTE, DASS ES WITZIG SEI, WENN SICH TRUHEN, FÜR DIE MAN EXTRA EINEN SCHLÜSSEL KAUFEN MUSS, AUCH MAL IN MONSTER VERWANDELN KÖNNEN. NICHT. WITZIG!